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Schwarzer Sonntag auf dem Hanseatenring

Wismar Schwarzer Sonntag auf dem Hanseatenring

Drei Tote und neun Schwerverletzte versetzten Wismar am 9. August 1959 in einen Schock.

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Autorennen 1957 auf dem Hanseatenring: Die Rennwagen passieren die Südkurve, wo zwei Jahre später der schreckliche Unfall passierte.

Quelle: Sammlung Detlef Schmidt

Wismar. Am 9. August 1959, einem sonnigen und warmen Sonntag, geschah auf Wismars Motorrennstrecke, dem Hanseatenring, ein schrecklicher Unfall mit Toten und Schwerverletzten.

Insgesamt waren 102 Fahrer am Start, die in fünf Rennen fuhren. Im zweiten Rennen in der langgezogenen Südkurve kam es zu einem folgenreichen schweren Unfall.

Dieses Rennen wurde nur von Ausweisfahrern mit Motorrädern der 250 ccm Klasse gefahren. Ein Fahrer vom MC Rackwitz/Delitzsch aus Sachsen scherte mit seiner Maschine auf dem Basaltpflaster in der Südkurve aus und raste in die Zuschauermenge. Der Fahrer und zwei Zuschauer verstarben bei diesem Unfall, es gab neun Schwerverletzte.

Sofortige Rettungsmaßnahmen des Roten Kreuzes setzten ein und Dr. Berthold Michalowski, der damals als junger Assistenzarzt am Wismarer Krankenhaus tätig war, erinnert sich: „Ich war gerade mit der Versorgung von Patienten beschäftigt, als unser Chefarzt Dr. Krohn herbeistürzte und Anweisungen gab, alles zu tun, um den vielen Verletzten sofortige medizinische Hilfe zuteilwerden zu lassen.“ So konnte zumindest bei den Verletzten Schlimmeres verhindert werden. Die Rennleitung auf dem Hanseatenring brach sofort das Rennen ab. Dieser Unfall war auch der Grund, warum auf dem Hanseatenring seitdem keine Motorrennen mehr durchgeführt werden.

Wer noch aus DDR-Zeiten das bei nassem Wetter schmierige Basaltpflaster kennt, weiß wie schwierig das Fahren darauf war. Lediglich Radrennen sind seitdem dort noch veranstaltet worden, zuletzt am 27.

August 2008 als „Stadtwerke-Hanseatenring-Radrennen“.

Hintergrund: 1936 erhielt der Bernittenhöfer Weg, eine Verbindungsstraße zwischen Schweriner und Dammhusener Chaussee aus Anlass des 100. Todestages den Namen des verdienstvollen Wismarer Bürgermeisters Anton Haupt auf Ratsbeschluss verliehen.

An Bernittenhof, einem Ausflugslokal, erinnert heute noch der kleine Teich im Wohngebiet Friedenshof an der Kollwitz-Promenade. Die ersten Häuser am alten Bernittenhöfer Weg begannen von der Schweriner Straße bis Gustavshof, eine Wassermühle an der Ecke zur heutigen Ossietzkyallee. Ab 1937 erfolgte die Bebauung der „Rauen Häge“, der Parkstraße (Ph.-Müller-Str.), der Bismarckstraße (Am Köppernitztal) und der Moltkestraße (Am Schwedenstein). Das Wismarer Stadttheater ist nach einem Brand hier am 27. März 1949 eröffnet worden.

Ab 1949 gab es massive Bestrebungen, diese Straße zu einer „Straße des Sportes“ auszubauen. Das Stadion wurde fertig gestellt, es folgte ein Schwimmbad und für die Straße gab es Planungen, diese für eine Rennstrecke für Kraftfahrzeuge und Rennrad auszubauen. Diese Straße war wegen ihrer geringen Bebauung und weiträumigen freien Flächen geradezu dafür prädestiniert. Dafür musste die Bürgermeister-Haupt-Straße vierspurig erweitert werden und am 3. Oktober 1954 konnte schon das erste Radrennen stattfinden. Die Rennen für Kraftfahrzeuge begannen ein Jahr später, am 28. August 1955.

Schon am 11. April 1954, ein Jahr zuvor, fand ein zentrales Bezirkstraining der Nordbezirke auf einem 1350 Meter langen Rundkurs zur Vorbereitung für ein Rennen auf dem zukünftigen Hanseatenring in der Bürgermeister-Haupt-Straße statt. In den Folgejahren wurden jedes Jahr ein oder zwei Rennen mit Motorrädern und auch Gespannen ausgeführt. Ab 1956 kamen dann Rennwagen an den Start. Diese sportlichen Ereignisse wurden von den Wismarern mit Begeisterung verfolgt. Zunächst hatte die Strecke eine Länge von 1,8 Kilometer, die durch den notwendigen Ausbau der Südkurve zur Schweriner Straße auf 2,9 Kilometer erweitert wurde. Die Rennstrecke erhielt den Namen „Hanseatenring“ und hatte einen guten Ruf bei den nationalen und internationalen Sportverbänden. Die Rennen wurden in ganz Deutschland viel beachtet und es kamen nicht nur Fahrer aus der DDR an den Start. Das Fahrerlager war im Gasthof des Bernittenhofes untergebracht und die Wismarer unternahmen alles, damit sich Sportler wie Gäste wohlfühlen konnten. Einer der hervorragenden Akteure aus Wismar war der aktive Motorsportler Alfons Schütt, als Fahrer aber auch als Organisator. Er verstarb vor zwei Jahren hoch betagt. Seine Begeisterung und Aufopferung für Wismar und seinen Motorsport ließ ihn zum „Lokalmatador“ werden, den viele noch im Gedächtnis haben. Wenn Alfons auf der Awo saß und später auch im Rennauto, so hatte er einen unbändigen Ehrgeiz. Auch nach dem Ende seiner Motorsportlaufbahn, blieb er dem Motorsport in vielfältiger Weise unterstützend erhalten.

Der Hanseatenring
Das war die Rennstrecke: Dahlmannstraße-Dankwartstraße/Karl-Liebknecht-Straße - Baustraße/Rosa-Luxemburg-Straße - Lübsche Straße/Stalinstraße - Dahlmannstraße.

Detlef Schmidt

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