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Nordwestmecklenburg Schwellennagel, Tontaube und Notfallkiste
Lokales Nordwestmecklenburg Schwellennagel, Tontaube und Notfallkiste
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23:12 28.12.2017

Aufräumen war angesagt im Grevesmühlener Pressehaus dieses Jahr. Ein Raum musste leer gezogen werden. Auch der, in dem mein Schreibtisch lange stand. Und nicht nur der . . .

Journalistische Asservatenkammer gab auch einen Radiowecker frei.

Schränke, voll mit Dingen, die für den aktuellen Redaktionsalltag nicht mehr so sehr von Belang sind.

Wer inzwischen 40 Jahre für die LN unterwegs ist und sich sowieso schon schwer von Dingen trennen kann, der hat auch in der Redaktion eine Art Asservatenkammer angelegt.

Ich will jetzt gar nichts erzählen von dem Schwellennagel, den mir einst ein begeisterter Kleinbahnenfan schenkte, als der in Degtow unmittelbar nach der Wende die alte Lorenbahn der Ziegelei wieder zum Leben erwecken wollte. Daraus wurde zwar nix, doch den Nagel habe ich immer noch. Ich verliere auch kein Wort darüber, woher die Tontauben kommen, die leuchtend rot noch bei mir ruhen, und dass man früher eine Rechenscheibe brauchte, um Fotos in die Zeitung zu bringen.

Preisgeben will ich etwas aus meiner Notfallkiste, mit der ich im Winter – als es noch einen gab – in unsere Schönberger Außenstelle fuhr. Wenn ich den Kollegen dort vertreten musste. Irgendwie war ich immer von dem Gedanken beseelt, bei Schneesturm nicht nach Hause zu kommen und dort auf dem großen Schreibtisch übernachten zu müssen. Hotel? Fehlanzeige in Schönberg damals! Als ich die Kiste wiederfand, habe ich meine viel jüngere Kollegin mit Teilen des Inhalts konfrontiert: Streichhölzer, Kerze und ein alter Radiowecker kamen zum Vorschein. Damit ich nicht verschlafe? Nein, der Rundfunkteil sollte mich aufklären über die aktuelle Wettersituation. „Und?“, fragte meine Kollegin angesichts der Tatsache, dass keine Batterie eingelegt war, „was hättest du bei Stromausfall gemacht?“ „. . . ähh, weiß ich auch nicht, was ich mir dabei gedacht habe!“ Denn ’ne Kerze hatte ich ja mit! Wer weiß? Übrigens: Die Notfallkiste hab’ ich nie gebraucht.

Wenn die Kripo im Büro auftaucht

Ende November kam meine Kollegin Jana Franke ins Redaktionsbüro und sprach mich mit einem besorgt wirkenden Gesichtsausdruck an: „Kannst du mal kommen, Annett, die Kripo ist da. Die wollen mit dir sprechen.“ Man kennt das aus Filmen – die Mitteilung, dass die Kripo mit einem sprechen will, ruft irgendwie ein ungutes Gefühl hervor. In meinem Fall betraf es keine Vorstellungen davon, dass irgendjemandem etwas passiert ist, den ich kenne, sondern – und das ist interessant – ich dachte darüber nach, ob ich irgendetwas verbrochen hätte. Auf dem Weg ins Konferenzzimmer, wo die beiden Kriminalisten auf mich warteten, erfuhr ich von meiner Kollegin, dass es um den Artikel über das Fluggelände für Gleitschirmflieger an der Steilküste von Redewisch geht, den ich im Sommer dieses Jahres geschrieben hatte. Wieder verspürte ich dieses ungute Gefühl – jetzt mit der Frage verknüpft, ob ich irgendetwas geschrieben habe, was die Gleitschirmflieger belastet. Die Recherche zu dem Thema damals war der Beschwerde eines Lesers über illegal fliegende Gleitschirmflieger geschuldet. Ich habe getan, was ich immer tue bei dieser Art von Geschichten – ich versuchte, die verschiedenen Seiten der Angelegenheit objektiv zu beleuchten.

Die Kriminalisten wollten letztlich nur wissen, ob ich jemanden direkt von der Steilküste aus hätte starten sehen. Das hatte ich nicht. Glücklicherweise. Auch mein Artikel belastete niemanden – glücklicherweise. Weshalb das Gespräch mit den sehr freundlichen Kriminalisten zügig vonstatten ging. Worüber ich auch wieder glücklich war.

Gottes Wege sind unergründlich

Also, es gibt ja Momente, in denen weiß man als Berichterstatter nicht ganz, ob man das, was ein anderer Mensch erzählt, hundertprozentig ernst nehmen soll oder nicht. So wie neulich in der Kirche von Schlagsdorf.

Die Pastorin und zwei Vertreter eines Fördervereins sprachen am Rand einer Führung darüber, dass es in einer fundamentalistischen Gemeinschaft in den USA üblich ist, Zierdecken nicht perfekt zu weben, sondern mit einem Fehler zu versehen. Die Begründung: Kein Mensch kann perfekt sein, nur Gott. Dem ersten Teil des Satzes dürfte jeder von uns aus eigener Erfahrung zustimmen. Oder lassen Sie es mich mit einem Zitat sagen: „Perfekte Menschen gibt es an jeder Ecke“, sagte Gott und schuf die Welt rund. Dann aber war in der Kirche die Rede davon, aus dem selben Grund würden Altäre nicht perfekt aufgestellt, sondern ein bisschen schief. Auch wenn man sich den Altar in Schlagsdorf ansähe, sei das zu erkennen. Ich konnte es nicht, sondern vermutete, hier würde jemand ein klein wenig veräppelt. Aber vielleicht lag ich mit dieser Vermutung ja auch schief.

Jedenfalls fragte ich beim Schreiben des Berichtes im Bewusstsein meiner eigenen Unvollkommenheit, ob ich einen Fehler einbauen sollte – und wenn ja, welchen. Klar war: Leser dürfen ihn nicht bemerken. Das bin ich ihnen schuldig. Schließlich verzichtete ich darauf. So glaubte ich.

Am nächsten Morgen las ich den Artikel und entdeckte ein kleines Satzzeichen, das dort, wo es stand, nicht hingehörte. Tja, Gottes Wege sind manchmal unergründlich.

Beule im neuen Auto – oder warum Männer nicht einparken sollten

Technische Hilfsmittel sind eine feine Sache, vor allem im Auto. Natürlich ist ein Zweieinhalb-Liter-Sechszylinder in einem Dreier-BMW mit Schaltgetriebe aus den 1990er Jahren eine feine Sache. Aber so ein Piepsding beim Einparken spart auf Dauer eine Menge Geld.

Sollte man meinen.

Wie auch immer, den neuen Dienstwagen habe ich natürlich selbst aus Rostock geholt, vorsichtig über die A 20 nach Grevesmühlen chauffiert. Und weil es ein VW war und ich selbst einen VW fahren, habe ich unseren Fuhrparkleiter mit einem höflichen Lächeln darauf hingewiesen, dass er sich die Einweisung sparen könne. So unter Männern, wir wissen doch, wie die Karre läuft. Der Wagen hatte wenig mehr als 90 Kilometer auf dem Tacho, als ich in Grevesmühlen ankam. Die erste Amtshandlung: rückwärts einparken. Und weil die Parklücke seit Jahren meinen Namen trägt und das Vorgängerfahrzeug zuverlässig piepste, wenn die Lücke zu Ende war, fuhr ich schwungvoll und ohne nach hinten zu blicken in die Lücke. Der Ablauf war immer der gleiche: Piep, dann auf die Bremse, fertig.

Doch dieses Mal: Piep. Bevor ich auf die Bremse treten konnte, knallte es an der Heckklappe. Der Wagen stand, in der hinteren Klappe belegte eine Beule, dass Einparken mit Piepsding doch nicht immer gleich ist.

Am selben Tag beim Fuhrparkleiter anrufen, diese Schmach ersparte ich mir. Ich wartete ein paar Tage, dann sah es nicht ganz so dämlich aus, dann meldete ich den Schaden und erklärte das Missgeschick. „Vorher Passat gefahren“, fragte der Experte. „Ja“, räumte ich ein. „Die piepen früher, das hätte ich ihnen vorher sagen können.“ Hätte ich mal zugehört.

Kaffeeduft im Gerichtssaal

So, jetzt noch schnell einen Cappuccino an der Tankstelle gekauft, bevor es in Richtung Schwerin ins Landgericht geht. Die Geschichte der 25-Jährigen aus Grevesmühlen, die wegen deutschlandweiter Bombendrohungen auf der Anklagebank sitzt, ist schon eine spannende Sache für die Öffentlichkeit. Warum hat die Frau mehrfach den Flugverkehr lahmgelegt oder bei Radiosendern mit Explosionen gedroht? Das gilt es heute vom Richter zu beurteilen; es verspricht eine längere Sitzung zu werden. Um klar im Kopf zu bleiben, will ich mit Cappuccino Abhilfe schaffen. Gekauft, ’rein ins Auto und losgebraust. Hmm, lecker!

Doch dann, kurz hinter Mühlen Eichsen, so eine Sch . . . Es scheint, dass ich den Deckel nicht richtig auf dem Pappbecher befestigt habe. Ein Schwall brauner Flüssigkeit plöddert heraus und direkt auf meine Bluse. Na, toll! Sämtliche Schimpfwörter, die mir in den Sinn kommen, brülle ich ’raus. Sauber wird mein Oberteil dadurch natürlich nicht. Mein Blick fällt auf die Uhr.

Die Verhandlung beginnt um 9 Uhr. Es ist halb neun und damit zu spät, um für eine andere Bluse zurückzufahren; zu früh, um schnell Ersatz zu kaufen. Einfach ausziehen? Mist, ich habe nur ein Top darunter an. Es ist der 26. Januar, Winter also. Und dann im Top in den Gerichtssaal? Die denken doch, dass ich nicht alle Latten am Zaun habe! Außerdem zeichnen sich auch auf dem weißen Trägershirt allmählich braune Flecken ab. Wie begründen? Ich bin von einer Cappuccino-Gang überfallen worden? Oder: Das Teil habe ich schon so gekauft, Batik halt! Ich bin zu blöd zum Trinken – klingt zwar ehrlich, aber unprofessionell. Ich suche weiter nach Ideen oder besser gesagt Ausreden. Vergeblich. Was nützt es, dann muss ich eben mit Winterjacke im Gerichtssaal sitzen; schön kuschelig warm. Dort habe ich aber irgendwie das Gefühl, dass sich der gesamte Verhandlungstag mitten in einer Kaffeerösterei abspielt.

Von Missgeschicken und Notfällen

„Jeder schimpft auf das Wetter, aber keiner tut etwas dagegen.“ Schriftsteller Samuel Langhorne Clemens – besser bekannt unter seinem Pseudonym Mark Twain – soll das mal gesagt haben. Ende Juli musste ich bei einem Termin unweigerlich an diesen Satz denken. Es regnete Katzen und Hunde, wie die Engländer gern sagen.

Ich war mit Mario Rieck verabredet, der in Klütz eine neue Minigolfanlage eröffnet hat. Wir wollten uns den Stand der Bauarbeiten anschauen. Doch als ich im Gewerbegebiet ankam, fielen Sturzbäche vom Himmel – und auf der Baustelle gab es keine Unterstellmöglichkeit. Also verlagerten wir das Gespräch kurzerhand ins Auto von Rieck. Doch schon der Wechsel von meinem in sein Gefährt kam einer Dusche gleich. Im Wagen tropfte mir das Wasser von den Haarspitzen auf das Notizbuch. Doch das Schlimmste sollte noch kommen: Wir brauchten ein Foto.

Der Regen hatte in der Zwischenzeit etwas nachgelassen. Doch nun wurde der Weg zu einem kleinen Holzschiffchen, auf dem wir das Bild machen wollten, zum großen Drama. Es ging quer über die Baustelle, die sich nach dem Regenguss als tiefes, matschiges Gelände präsentierte. Ich versank mehrere Male tief im Boden. Meine hellen Sommerschuhe waren innerhalb weniger Sekunden komplett versaut (auch die Waschmaschine rettete sie nicht mehr). Als das Foto im Kasten war, die nächste Herausforderung: Mit den Matschbotten ins gerade erst neu gekaufte Auto? Mir blieb nichts anderes übrig, als auf Socken zum nächsten Kaufhaus zu fahren, das sich in Klütz glücklicherweise gleich gegenüber befindet. Das Ziel: Einfache, billige Schuhe und ein Handtuch. Doch im besagten Kaufhaus gab es nur „stolze“

Preise. Am Ende hatte mich der Termin unter widrigen Witterungsbedingungen fast 70 Euro gekostet. Seitdem weiß ich: Gummistiefel sind eine gute Erfindung.

Sie hören dann mal weg, Herr Behnk . . .

Häufig verbringe ich Abende damit, für die Leser Sitzungen von Gemeindevertretungen und Ausschüssen zu besuchen. Dabei landen viele Notizen zu den einzelnen Themen in meinem Block.

Die meisten sind später in der Zeitung zu lesen, andere benötige ich, um die unterschiedlichen Sachverhalte einzuordnen oder zum Beispiel aufgrund ihrer langen Vorgeschichte zu verstehen. Immer wieder kommt es aber auch vor, dass bei so einer Sitzung auch über etwas gesprochen wird, das eigentlich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt ist. Die Kommunalpolitiker haben dann die Wahl: Entweder sie verschieben ihr Gespräch auf den nichtöffentlichen Teil der Sitzung oder es richtet jemand seinen Blick in meine Richtung. „Herr Behnk hört jetzt mal eben nicht zu“, ist dann oft die Bitte, die meist von einem Mitarbeiter der Verwaltung kommt. Es sind eigentlich immer unverfängliche Sachen, über die ich dann hinweghören soll. Zum Beispiel wird ein Grundstück mit dem Namen des dort lebenden Einwohners beschrieben, weil sich die Kommunalpolitiker besser etwas vorstellen können, wenn es um die Laterne vor „Herrn XYs“ Haus geht, als von der vor der „Hausnummer 17“. Manchmal spricht auch ein Verwaltungsmitarbeiter nicht ganz druckreif über Mitarbeiter einer anderen Behörde. Und dann gibt es noch die Momente, in denen ich gebeten werde, ganz genau hinzuhören. Das ist immer der Fall, wenn die Politiker unbedingt wünschen, dass etwas öffentlich gemacht wird. „Herr Behnk? Nehmen Sie das bitte mit?“, ist dann die Anfrage an mich als Pressevertreter. Also höre ich gern mal weg, aber meistens hin.

Daniel Heidmann Annett Meinke Jürgen Lenz Michael

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