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Sein Ziel: Zurück nach Berlin

Wismar Sein Ziel: Zurück nach Berlin

Horst Krumpen tritt für die Linke zur Bundestags- Wahl an. Der Ladenbesitzer aus Wismar hat seine politische Laufbahn bei der FDP begonnen und 2010 die Partei gewechselt. Privat entspannt der 51-Jährige am Roten See.

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Wismar. Ein Roter am Roten See – Horst Krumpen lacht, als er das ausspricht. Der Linken-Politiker entspannt sich gern am sieben Hektar großen Gewässer in Brüel – meist mit seinem Sohn (8) und Hündin „Sunny“. Die läuft am liebsten einem Stock hinterher, den Herrchen ins Wasser wirft. „Es ist sehr entspannend hier, egal zu welcher Jahreszeit“, betont Krumpen. Für ihn sei es zu stressig, mit Kind und Hund an die Ostsee zu fahren. Dort müsse man nach einem Parkplatz suchen, einer freier Stelle am Strand, und der Hund dürfe nur an der Leine umherlaufen – das sei nichts für ihn. In Brüel, einer Kleinstadt in seinem Wahlkreis, sei alles viel ruhiger und angenehmer.

LN-Bild

Horst Krumpen tritt für die Linke zur Bundestags- Wahl an. Der Ladenbesitzer aus Wismar hat seine politische Laufbahn bei der FDP begonnen und 2010 die Partei gewechselt. Privat entspannt der 51-Jährige am Roten See.

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Kandidaten im Wahlkreis

Horst Krumpen kandidiert für Die Linke im Wahlkreis 13 (Ludwigslust-Parchim II, Nordwestmecklenburg II, Landkreis Rostock I). Zudem treten hier am 24. September Karin Strenz (CDU), Frank Junge (SPD), Claudia Schulz (Grüne), Chris Rehagen (FDP), Christoph Grimm (AfD), Gustav Graf von Westarp (Freie Wähler) und Rainer Schütt (NPD) an.

Krumpen ist ausgebildeter Kaufmann. In seinem Geschäft am Wismarer Marktplatz verkauft er Zeitungen, Tabak und Lottoscheine. Er mag seine Kundschaft. Sie spiegele den sozialen Querschnitt der Bevölkerung wider – Rentner, Kinder, Berufstätige und Hartz-Vier- Empfänger kaufen bei ihm ein, erzählen ihm von ihren Erlebnissen und Sorgen. Er höre zu – jeden Tag. „So lerne ich die verschiedensten Sichtweisen kennen.“

Krumpen, gebürtiger Rheinländer, stammt aus einer Arbeiterfamilie. Sein Vater hat sich in der SPD engagiert und im Gemeinderat. „Politik hat mich immer interessiert“, sagt der 51-Jährige. Sozialkunde sei in der Schule eines seiner Wahlfächer gewesen – denn da „muss man nicht so viel wissen, kann immer mitreden“. Mitreden – das will der Wismarer auch in der Politik der Linken. Dabei suche er Antworten auf die Frage: Wie kann man die Welt ein kleines bisschen gerechter machen? Vor allem gehe es ihm um soziale Gerechtigkeit. „Dafür braucht man den Blickwinkel jener, die nichts haben“, betont er. Langzeitarbeitslose zum Beispiel würden per Gesetz in Armut und Ausgrenzung ausharren müssen, weil nach dem Jobverlust oft sehr schnell Sanktionen und Leistungskürzungen drohen, wenn sie nicht auf unattraktive Stellenangebote reagieren. „Das ist ein menschenunwürdiges System. Betroffene müssen in kleinere Wohnungen ziehen, ihre Heizkosten drosseln und können sich keinen Kino-Besuch leisten“, hadert Krumpen. Seine Partei setze sich für eine bedarfsorientierte, sanktionsfreie soziale Mindestsicherung ein.

Krumpen ist nicht immer ein Linker gewesen. Seine politische Laufbahn hat er bei der FDP begonnen, die er nach fast 25-jähriger Parteizugehörigkeit verlassen hat. Ein schwerwiegender Schritt. Denn er ist nicht einfach nur dabei gewesen, sondern in wichtigen Positionen – vier Jahre als Generalsekretär der bayerischen FDP, vier Jahre im Bundesvorstand und drei Jahre als Landesgeschäftsführer der Berliner FDP. Doch 2009 – nach der Bundestagswahl – habe er alles über Bord geworfen. „Das war nicht mehr meine Partei, sie hat sozial Benachteiligte nicht anständig behandelt“, betont der studierte Sozialpädagoge, der einige Zeit mit Langzeitarbeitslosen gearbeitet hat.

Rückblick: 2006 verschlägt es den ehemaligen Berufssoldaten nach Mecklenburg-Vorpommern. Es ist das siebente Bundesland, in dem er wohnt und arbeitet. „Als Berufssoldat und Politiker kommt man viel herum“, sagt Krumpen. Im Nordosten lässt er sich in Wismar nieder, wird 2007 Büroleiter des FDP-Abgeordneten Michael Roolf und gründet ein Netzwerk gegen die Neonazi-Szene in der Region.

Doch in den Folgejahren kommt es zum Zerwürfnis mit Roolf. 2009 hat Krumpen, Träger der höchsten FDP-Auszeichnung, der Thomas-Dehler-Medaille, endgültig die Nase voll – auch vom damaligen Vorsitzenden der FDP-Bundestagsfraktion Guido Westerwelle und dessen „sozialer Kälte“. Der habe Hartz-IV-Betroffene dafür beschimpft, dass sie dem Staat auf der Tasche liegen würden. Dabei reiche bei vielen Leuten der Lohn und die Rente kaum zum Überleben, betont Krumpen. In seinem Laden am Wismarer Marktplatz trifft er solche Leute. Ihnen will er unter die Arme greifen – mit seiner Partei Die Linke. „Soziale Gerechtigkeit ist das entscheidende Thema dieses Wahlkampfes“, sagt er. Aus seiner Sicht sei die soziale Frage eine wesentliche Ursache für das in Europa umhergehende Gespenst des Nationalismus, Populismus und Rechtsextremismus. Die Ziele der Linken: „Wir kämpfen für eine Mindestrente, die Erhöhung des Rentenniveaus auf 53 Prozent und ein Renteneintrittsalter von 65 Jahren.

Die Erhöhung des Spitzensteuersatzes und die Einführung einer Vermögenssteuer sind notwendig, um in unserem reichen Land Kinder- und Familienarmut zu beenden.“

Im Juni 2010 ist Krumpen aus der FDP ausgetreten, im Oktober des selben Jahres bei den Linken eingetreten. Inzwischen ist er Vorsitzender des Kreisverbandes Nordwestmecklenburg und Direktkandidat für den Bundestag. Bei einer Rückkehr in die Bundeshauptstadt würde er seine Hündin „Sunny“ mitnehmen. Die weicht ihm ohnehin nicht von der Seite, auch im Laden ist sie immer dabei. Versprechen, was er in Berlin „alles Tolles für die Menschen in seinem Wahlkreis erreichen kann“, möchte Krumpen nicht machen. „Die Bundestagsabgeordneten holen die Erfolge nicht alleine hierher – sondern nur gemeinsam“, betont er. Und dabei sei nicht der Ort entscheidend, sondern die Wichtigkeit des Projektes. „Das sollte immer Vorrang haben.“

Und wie sieht es aus mit der Bundeswehr? In ihrem Programm für die Bundestagswahl 2017 sprechen sich die Linken dafür aus, alle Auslandseinsätze der Bundeswehr zu beenden. Zudem wollen sie sich nicht an einer Regierung beteiligen, die Aufrüstung und Militarisierung zulässt. Zudem soll die Nato aufgelöst und durch ein kollektives Sicherheitssystem ersetzt werden. Krumpen, der zwölf Jahre lang als Berufsoffizier gedient und auch Auslandseinsätze, unter anderem in Somalia, absolviert hat, sagt dazu: „Ich bin gegen die Bundeswehr – so wie sie im Moment strukturiert ist.“ Sie sei überhaupt nicht ausgerüstet für die Auslandseinsätze, für die sie von der Regierung missbraucht werde.

Kurz und bündig

Welches Buch lesen Sie gerade?

„Herrin der Lüge“ von Kay Meyer. Es handelt von einer Frau im Mittelalter – sie ruft auf zum Kreuzzug der Frauen. Niemand weiß, dass hinter der neuen Heiligen in Wirklichkeit eine Gauklerin steckt, die von einer Gräfin in die Rolle gezwungen wurde. Die Hauptfigur hat ein Talent: Sie ist die beste Lügnerin der Welt. Das Buch zeigt, wie schnell Leute sich von etwas mitreißen lassen, obwohl sie nicht davon überzeugt sind.

Welche Musik hören Sie gern?

Mir gefallen Liedermacher – wie Klaus Hoffmann, Reinhard Mey, Dirk Michaelis. Auch BAP zähle ich dazu.

Wann haben Sie das letzte Mal Sport getrieben?

Gestern Abend. Ich jogge immer, wenn es die Zeit erlaubt – meist an drei bis vier Abenden in der Woche. Mein Hund „Sunny“ ist immer dabei. Wir laufen bis zu achteinhalb Kilometer. Ich bin danach platt, mein Hund möchte nach einer kurzen Verschnaufpause schon wieder spielen.

Wer ist Ihr politisches Vorbild?

Ein politsches Vorbild habe ich nicht. Gregor Gysi finde ich beeindruckend. Er kann Dinge auf den Punkt bringen und Menschen mitreißen. Außerdem gefällt mir der Pragmatismus von Dietmar Bartsch.

Kerstin Schröder

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