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Nordwestmecklenburg Selmsdorf will keine Windräder
Lokales Nordwestmecklenburg Selmsdorf will keine Windräder
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20:21 27.05.2016

Die Gemeindevertreter von Selmsdorf sind gegen ein 243 Hektar großes Windeignungsgebiet zwischen Selmsdorf, Lüdersdorf und Lockwisch. Das haben die Abgeordneten aller Fraktionen am Donnerstag auf ihrer Sitzung einstimmig beschlossen. Erste Planungen sehen rund 40 Windräder mit einer Höhe von rund 200 Metern unweit des Dorfes vor.

Bis Ende Mai ist die Gemeinde aufgefordert, Hinweise und Anregungen in einer Stellungnahme im Rahmen einer ersten Stufe eines Beteiligungsverfahrens an den Planungsverband Westmecklenburg abzugeben.

Bürgermeister Marcus Kreft machte deutlich, dass sich die Gemeinde bereits durch „überproportional hohe Lasten für die Allgemeinheit und das Projekt der Energiewende“ eingeschränkt fühlt. Im Westen von Selmsdorf, in Richtung Lübeck, liegt das Gewerbegebiet. Nach Schönberg und Sülsdorf, im Osten und Nordosten der Gemeinde also, stehen bereits auf rund 50 Hektar zahlreiche Windkrafträder. Hinzu kommt die Einflugschneise für den Lübecker Flughafen und im Süden die Deponie Ihlenberg – mit rund 200 Hektar die größte Sondermülldeponie Europas.

Angesichts solch „großer Vorbelastungen“ sehen die Gemeindevertreter in einem weiteren Windpark „eine drastische Verringerung der Lebens- und Wohnqualität“ in Selmsdorf. Zurzeit ist nur eine Fläche südöstlich der Gemeinde, also dort, wo möglicherweise Windräder aufgestellt werden sollen, noch weitgehend unbebaut. Diese 1300 Hektar große Fläche, die zu den Gemeinden Selmsdorf, Lockwisch und Lüdersdorf gehört, hat aus Sicht der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Nordwestmecklenburg und des Staatlichen Amtes für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) „eine überregionale Bedeutung“ als „potenzielle Äsungsfläche für Zug- und Rastvögel“, so Kreft.

Auch das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege hat erhebliche Bedenken. Für den Windeignungsraum betreffe das insbesondere die Sichtachsen und Blickbeziehungen vom Lübecker Umland auf die Silhouette des Unesco-Welterbes „Lübecker Altstadt“ mit seinen sieben Türmen. Selmsdorfs Gemeindevertreter teilen die Ansicht des Landesamtes und fordern den Planungsverband Westmecklenburg angesichts der vielen Bedenken auf, „die Weiterverfolgung des Windeignungsraumes vollständig aufzugeben.“

Wie berichtet, fährt Selmsdorf im Gegenzug zur Gemeinde Lüdersdorf allerdings eine Doppelstrategie. Grundsätzlich sind die Gemeindevertreter gegen das Windeignungsgebiet. Sie führen parallel aber auch schon Gespräche mit potentiellen Investoren und Grundstückseigentümern. So will die Gemeinde Einfluss nehmen und später gewisse Dinge im Rahmen eines städtebaulichen Vertrages regeln, wie es der stellvertretende Bürgermeister Udo Gutschke (BfS) nannte. Das kommt für die Gemeindevertreter aber nur in Frage, wenn Selmsdorf mit seinen Stellungnahmen an den Planungsverband Westmecklenburg scheitert. Sollte das tatsächlich der Fall sein, behält sich die Gemeinde rechtliche Schritte vor.

Steffen Oldörp

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