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Nordwestmecklenburg Selmsdorfer setzen auf saubere Lösungen
Lokales Nordwestmecklenburg Selmsdorfer setzen auf saubere Lösungen
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20:16 02.08.2016
Prokurist Matthias Schuldt von der Firma Engels zeigt wie sauber das unterirdische System in Selmsdorf funktioniert.

Die Gemeinde Selmsdorf setzt seit wenigen Tagen auf eine saubere Lösung in Sachen Wegwerfglas, Kunststoff und Papier. Fünf unterirdische Containeranlagen in der Nähe eines Supermarktes lösen ab sofort die sonst häufig verdreckt und schäbig aussehenden Container ab. Mit der Firma „Engels Behältertechnik“ aus Selmsdorf hat die Gemeinde den Hersteller sogar im Ort.

In Hornstorf, Gemeinde Neuburg, sind zwei dieser Behälter ebenfalls seit einigen Tagen in Betrieb. Hier förderte der Landkreis die zwei insgesamt 17000 Euro teuren Container sogar mit 50 Prozent.

Allerdings stammen die Anlagen dort nicht aus der Region, sondern aus Nordrhein-Westfalen. Das stößt beim Hersteller in Selmsdorf auf wenig Verständnis.

„Alleine schon der Transport von Nordrhein-Westfalen bis nach Hornstorf war sicher nicht günstig. Außerdem hätten unsere Behälter etwa 4500 Euro pro Stück gekostet“, erklärte der Prokurist der Selmsdorfer Firma, Matthias Schuldt. Der Hornstorfer Bürgermeister, Andreas Treumann, erklärte dazu: „Als wir uns damit beschäftigt haben, kannte ich die Selmsdorfer Firma nicht. Wir haben uns drei Angebote deutschlandweit eingeholt und dann gehandelt“, so der 38-Jährige. Da der Landkreis diese innovative Idee für beispielhaft hielt, förderte der die Anschaffung dieser Container zu 50 Prozent.

Auch dort hatte offenbar niemand das Unternehmen aus dem eigenen Landkreis auf dem Schirm.

„Selmsdorf musste alles alleine bezahlen und hat die Behälter fast zum selben Zeitpunkt in Betrieb genommen“, moniert Matthias Schuldt. Der 44-Jährige leitet die Selmsdorfer Produktion seitdem sie 2008 in Selmsdorf eine Niederlassung gegründet hat. Er kann nicht so richtig glauben, dass man in den vergangenen acht Jahren noch nichts von der Firma gehört habe, wenn man sich schon für derartige Systeme interessiere. Lange war Engels Behältertechnik in Portugal, Belgien, Frankreich, Deutschland und den Niederlanden angesiedelt. Vor acht Jahren kam Selmsdorf zu den deutschen Produktionsstätten hinzu. Während man in Deutschland hauptsächlich produziere, verkaufe man im Ausland hauptsächlich, erklärt der Prokurist. Etwa 250 Systeme fertigen die 15 Mitarbeiter in Selmsdorf jährlich. „Wir haben einen jährlichen Umsatz von etwa 2,5 Millionen Euro, firmenweit sind es etwa 30 Millionen Euro“, so Schuldt.

Hauptsächlich produziere das Unternehmen für Deutschland, die Schweiz und Österreich, wobei der deutsche Markt noch in den Kinderschuhen stecke. Das liegt laut Schuldt an der Ausschreibung für den Abfallwirtschaftsbetrieb. „In Deutschland muss der Abfallwirtschaftsbetrieb beim Gewinn der Ausschreibung die Systeme stellen, im Ausland kauft die Kommune die Behälter und der Abfallwirtschaftsbetrieb ist nur für die Leerung verantwortlich“, erklärt der Experte. Er sehe zwar einen wachsenden Markt in Deutschland, doch seien andere Länder schon weit voraus. „Deshalb wäre es nicht schlecht gewesen, wenn wir für diese Systeme auch in Hornstorf hätten werben können.“

Doch Bürgermeister Andreas Treumann ist auch so froh, jetzt in die Erde eingelassene Behälter gekauft zu haben. „Das ist eine saubere Lösung, jetzt werden die Leute hoffentlich nicht mehr ihren Sperrmüll daneben werfen. Allerdings ist es zu früh, schon einen Trend zu verkünden, die Systeme sind erst wenige Tage im Einsatz“, sagt der Hornstorfer. Ihm gefalle die deutlich aufgeräumtere Optik und die geringere Sichtbarkeit der Behälter. In Hornstorf sind ein Behälter für Weißglas und ein unterirdisch betriebener Behälter für Grün- und Braunglas im Einsatz, die jeweils drei Kubikmeter aufnehmen.

Ein Netzwerk fehlt im Kreis

Eine Gemeinde in Nordwestmecklenburg investiert in Abfallbehälter und ein Unternehmen, das gerade einmal 40 Kilometer weit entfernt seinen Sitz hat, wird nicht einmal angeschrieben? Warum passiert so eine Panne? Weil das Thema Wirtschaftsförderung seit Jahren stiefmütterlich behandelt wird. Weil es offensichtlich kein funktionierendes Netzwerk gibt. Es wird Zeit, dass das Thema Wirtschaftsförderung wieder dorthin gelegt wird, wo es hingehört. In Hände, die mit Sachverstand an Probleme herangehen. Dann passieren solche Pannen nicht.

Maik Freitag

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