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Nordwestmecklenburg Selmsdorfer wettern gegen Amt
Lokales Nordwestmecklenburg Selmsdorfer wettern gegen Amt
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21:34 23.10.2013
Der Rüstwagen der Feuerwehr Selmsdorf, Baujahr 1981, soll ersetzt werden. Quelle: Fotos: Steffen Oldörp

Die Feuerwehr Selmsdorf soll endlich ein neues Fahrzeug bekommen. Darauf haben sich die Fraktionen nach einem Antrag der BfS (Bürger für Selmsdorf) geeinigt. Aus Sicht von Bürgermeister Detlef Hitzigrat (parteilos) ist das neue Auto „enorm wichtig“ und hätte eigentlich „schon längst angeschafft“ werden müssen.

Für den Bürgermeister ist der Schuldige, das dies bislang nicht passiert, schnell gefunden: Das Amt Schönberger Land. „Das pennt. Was da abgeht, spottet jeder Beschreibung“, wettert Hitzigrat. Sein Stellvertreter Christian Albeck sieht das ähnlich, sagt: „Das mit dem Auto ist die Krönung.“ Für die Gemeinde seien es „unvorstellbare Zustände, die im Bereich Feuerwehr herrschen.“ Auch Gemeindevertreter Detlef Lüth ist „mit der Abarbeitung des Amtes überhaupt nicht zufrieden.“ Er und andere Politiker aus Selmsdorf hätten das auch schon mehrfach angesprochen. „Doch es ändert sich einfach nichts.“

Was Hitzigrat, Albeck und Lüth am meisten auf die Palme bringt: Schon seit zwei Jahren habe die Gemeinde Geld für ein neues Löschfahrzeug in den Haushalt gestellt. Ein Förderantrag sei aber bislang nicht gestellt worden, schimpft der Bürgermeister. „Wir haben uns auf die Verwaltung verlassen, aber das ist nach hinten losgegangen.“

380 000 Euro soll das neue Fahrzeug kosten. Den Antrag für Fördermittel könne nur das Amt stellen, so Hitzigrat. „Im Amtsbereich sind wir immer die letzten, die etwas bekommen — nach Schönberg, Dassow und Lüdersdorf.“ Der Bürgermeister spricht von „großem Mist“ und hat die Nase voll: „Wir werden das jetzt selbst in die Hand nehmen.“ Aufs Amt wollen sich die Gemeindevertreter nicht mehr verlassen. Durch die Versäumnisse, kritisiert Albeck, sei der Gemeinde „ein enormer finanzieller Schaden“ entstanden. Mit Fördermitteln hätte Selmsdorf „nur ein Drittel der Kosten“ bezahlen müssen.

„Um die Sicherheit beim Brandschutz aufrecht zu erhalten, haben wir jetzt gesagt, wir zahlen das Auto dann eben alleine und schreiben es auch selbst aus“, sagt Albeck. Grund: bis Fördermittel genehmigt werden, könnten Jahre vergehen, vermutet Detlef Lüth. Der Kreis bewillige pro Jahr maximal zwei Fahrzeuge. Dassow habe bereits einen Antrag gestellt, Lüdersdorf, Schönberg und andere Gemeinden auch. „Also sind wir vor 2016 nicht dran“, befürchtet Lüth. Deshalb müsse die Gemeinde nun in den sauren Apfel beißen und mehr Geld ausgeben als ursprünglich geplant. „Fakt ist, wir brauchen das Fahrzeug dringend.“ Grundlage für diese Einschätzung sei der Brandschutzbedarfsplan. Der zeigt, wo es beim Brandschutz Defizite gibt. Das größte Manko: Der Rüstwagen.

Der ist Baujahr 1981. Die Gutachter des Brandschutzbedarfsplanes empfehlen, dass kein Einsatzfahrzeug älter als 20 bis 25 Jahre sein sollte. Aus gutem Grund, meint Wehrführer Daniel Zabel. Denn das 22 Jahre alte Auto habe so seine „Macken“. „Der Aufbau ist durchgerostet, die Elektronik spinnt dauernd“, erklärt Zabel. Deshalb soll der „Oldie“ gegen ein universell einsetzbares Hilfelöschfahrzeug mit einem 1600 Litertank ausgetauscht werden.

Und obwohl sich die Fraktionen darüber einig sind, ist Wehrführer Zabel skeptisch: „Wenn das wirklich so sein sollte, ist das sehr schön, aber ich glaube da noch nicht dran.“ Seit Jahren schon ist das Verhältnis zwischen Gemeinde und freiwilliger Feuerwehr angespannt. Vor allem wegen des fehlenden Löschfahrzeugs. Die Feuerwehr will seit Jahren ein neues. Nichts da, hatten die Gemeindevertreter zunächst entschieden. Ein Fahrzeug ja, aber kein neues. Ein gebrauchtes tut es auch. Der Kauf des neuen, gebrauchten — das nun doch ein neues Fahrzeug werden soll — verzögerte sich.

Bis heute. Aus Zabels Sicht ein Versäumnis der Gemeinde. Alles Quatsch, sagen Hitzigrat, Albeck und Lüth. Für sie liegt der schwarze Peter eindeutig woanders — beim Amt Schönberger Land.

Steffen Oldörp

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