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Nordwestmecklenburg Sendemast und Taubenschlag
Lokales Nordwestmecklenburg Sendemast und Taubenschlag
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14:51 19.02.2018
Im Zuge des Ausbaus der Bahnstrecke Lübeck-Bad Kleinen vor rund 150 Jahren entstand der Wasserturm am Bahnhof.
Grevesmühlen

107 Jahre ist er inzwischen alt, der Wasserturm von Grevesmühlen. Gemeint ist der Stahlbetonbau nahe der Regionalen Schule am Wasserturm (ehemals Polytechnische Oberschule Kurt Bürger), die nach der Wende ihren Namen zugunsten des Wahrzeichens änderte. Ein zweiter Wasserturm steht am Bahnhof, südlich der Bahngleise an der Jahnstraße. Auch er gehört zur Industriegeschichte der Stadt, er versorgte viele Jahrzehnte die Dampfloks am Grevesmühlener Bahnhof mit Wasser.

Zu besonderen Anlässen taucht Eigentümer Benny Andersson seinen Turm in bunte Farben. Quelle: Foto: Archiv

Beide Türme befinden sich im Gegensatz zu vielen anderen Wassertürmen im Land in einem guten Zustand.

Der große Wasserturm im Osten der Stadt befindet sich inzwischen in Privatbesitz. Unternehmer Benny Andersson hat das Gebäude im Frühjahr 2013 gekauft, Verkäufer war damals das Bildungszentrum Nordost, das nach der Wende den Betrieb des Turms übernahm. Der fungiert übrigens seit 1967 nicht mehr als Wasserspeicher. Inzwischen dient das Gebäude als Sendemast und Kamerastützpunkt (www.gvm-info.de/WebCams). Die Kamera sendet jede Minute ein Bild von Grevesmühlen.

Der Wasserturm hat eine ganz besondere Bedeutung für die Ingenieure in Deutschland, er war Anfang des 20. Jahrhunderts der erste Wasserturm, der in Stahlbetonbauweise errichtet wurde. Dass die Initiatoren damit genau den richtigen Baustoff ausgesucht hatten, beweist das stolze Alter des Turms. Wie Benny Andersson unmittelbar nach dem Kauf erklärte, habe er den Wasserturm von einem Statiker untersuchen lassen. Bis auf einige unbedeutende Risse weise das Bauwerk keine Schäden auf, hieß es damals. So stolz der Grevesmühlener Unternehmer auch auf seinen Wasserturm ist, der inzwischen zu besonderen Anlässen bunt angestrahlt wird, so ganz glücklich ist er damit nicht – er hat Höhenangst. Und die Freitreppe im Inneren des Turms ist jedes Mal eine Herausforderung für den gebürtigen Schweden.

Apropos Herausforderung: Das ist auch Grevesmühlens zweiter Wasserturm. Das deutlich kleinere Bauwerk am Bahnhof steht unter Denkmalschutz und sorgte dafür, dass bei der Sanierung der Jahnstraße die Fahrbahn einen deutlichen Bogen um den Turm nehmen musste. Eine Nutzung für diesen ebenfalls rund 150 Jahre alten Turm gibt es noch nicht.

Die Stadt hatte Firmen aufgerufen, sich an der Sanierung des Bauwerks, in dem sich jahrelang Tauben wohlfühlten, zu beteiligen. Inzwischen ist dank des ehrenamtlichen Engagement etlicher Grevesmühlener Firmen das Gebäude gesichert, der Dachstuhl wieder intakt und das Dach des Nebengebäudes wieder dicht. Nun sucht Grevesmühlen nach Ideen, um den alten Wasserturm zu nutzen.

Und so funktioniert ein Wasserturm

Die Wasserversorgung der an das Wassernetz angeschlossenen Gebäude erfolgt allein mithilfe des aus der Schwerkraft resultierenden hydrostatischen Drucks. Dabei dient der Hochbehälter auch als Ausgleichsbehälter. Das aus dem Wassernetz entnommene Wasser führt zu einer Verminderung der Wassermenge im Hochbehälter. Daher wird der Hochbehälter regelmäßig nachgefüllt, sodass der Wasserpegel möglichst auf gleicher Höhe bleibt. Auf diese Weise wird der Wasserdruck im Netz konstant gehalten. In Wassernetzen mit Hochbehälter werden Pumpen ausschließlich zum Befüllen des Hochbehälters benötigt. Für einen ausreichenden Druck müssen alle Abnehmer tiefer als der Hochbehälter liegen.

Wassertürme an Bahnhöfen dienten auch dazu, eine genügende Liefermenge bei plötzlichen großen Entnahmen für die Wassertanks von Dampflokomotiven bereitzuhalten. Beginnend mit der Entwicklung des Eisenbahnnetzes, in Deutschland ab 1840, entstanden die ersten Wasserhochbehälter. Diese waren noch keine selbstständigen Turmbauten, sondern als bloße Vorratsgefäße in Bahnhofsbauten integriert, wie beispielsweise bei dem Bahnwasserturm Büchen oder in neuerer Zeit auch der Wasserturm im Bahnbetriebswerk Dortmund-Betriebsbahnhof. Später gab es konstruktiv erkennbar als Türme ausgeführte Bahnwassertürme, beispielsweise den am Bahnbetriebswerk Hamburg-Altona. Das typische Fassungsvermögen von größeren Bahnwassertürmen liegt bei circa 400 Kubikmetern, mit dem etwa zehn Tender von großen Lokomotiven betankt werden konnten.

Michael Prochnow

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