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Nordwestmecklenburg Seniorchef kehrte zurück in den Schoß der Vorfahren
Lokales Nordwestmecklenburg Seniorchef kehrte zurück in den Schoß der Vorfahren
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00:00 28.10.2012
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Nordwestmecklenburg

Lischow – Wenn Christian-Matthias Schröder zu erzählen beginnt, hören gerne auch mal die Gäste des Landguts Lischow neugierig zu. Der 72-Jährige ist Senior des Landguts. Und voller Geschichten, von denen viele mit dem Landgut zu tun haben, auf dem er geboren wurde. „Nach meiner Geburt reichte unsere Mamsell meiner Mutter eine Schüssel Erdbeeren mit Schlagsahne. Seitdem ist das auch mein Lieblingsessen“, ist eine dieser Anekdoten, die er zum Besten gibt, während er an einem der Tische in dem Raum sitzt, der als Rezeption, Café und Restaurant dient. Von den Wänden rundum blicken seine Ahnen, gemalt in Öl, von denen einige seit 1895 auf dem Gut ansässig waren, bis sie 1945 enteignet wurden.

Der Ursprung des einstigen Familienwohlstands lag in Quakenbrück (Niedersachsen), wo die Schröders im 18. Jahrhundert mit Kaffee viel Geld verdienten. „Heinrich Schliemann, der Entdecker von Troja, hat bei ihnen Kaufmann gelernt“, lässt der heutige Seniorchef einfließen. Die nächste Generation machte weiter mit dem Kaffeegeschäft und sorgte dafür, dass die sechs Söhne unter den insgesamt zwölf Kindern jeweils ein Hofgut geschenkt bekamen. „Davon lagen drei in Schleswig-Holstein und drei in Mecklenburg.“ Neben Gut Lischow war auch das benachbarte Gut Vogelsang darunter, das heute die Heimvolkshochschule beherbergt. „Die sechs Töchter wurden alle auf Güter in Mecklenburg verheiratet“, fügt Christian-Matthias Schröder hinzu. Sein Ururgroßvater Anthon brach aus der Kaffee-Linie aus, tauchte unter, ging in Ungarn in die Landwirtschaft und übergab diese an den Sohn. „Mein Urgroßvater kam nach einer großen Trockenheit und Mäuseplage nach Deutschland und hat das Gut in Lischow übernommen.“ Großvater und Vater verschrieben sich vor allem der Saatzucht, Christian-Matthias Schröder selber studierte Landwirtschaft. Seine Familie floh 1945 vor den Russen, der Vater pachtete in Schleswig-Holstein einen Bauernhof.

„Eigentlich sollte ich alles einmal aufschreiben“, sagt er und meint damit seine Lebensgeschichte, die ihn unter anderem zwei Jahre nach Amerika führte. Da ihm dort aber zur Zeit des Vietnamkrieges die Einziehung drohte, kehrte er zurück. Schröder erbte von einer Großtante eine Farm in Südafrika, die er weiterverkaufte. Er bekam ein „gutes Angebot als Saatzuchtleiter in Süddeutschland“, machte sich später selbstständig. „Auf der Schwäbischen Alb bei Ulm habe ich einen sehr gut gehenden Reiterhof aufgebaut“, erzählt er. Genau an seinem 50. Geburtstag ritt er 1990 mit 15 anderen Reitern in Lischow ein – von der Schwäbischen Alb. „Ich habe mich vor dem Gutshaus aufgestellt und so lange ins Jagdhorn geblasen, bis alle Dorfbewohner da waren. Ich hatte damals nicht vor, das Gut zu kaufen“, erinnert er sich. Ein Bekannter wies ihn auf das Vorkaufsrecht der Alteigentümer laut Wiedervereinigungsvertrag hin und auf die Gefahr, dass das Gut sonst anderweitig verkauft werde. Schröder pachtete es gemeinsam mit seinen Söhnen 1991 von der Treuhand, bevor er 1994 die Hofstelle kaufte. Für den Erwerb der Ländereien reichten die finanziellen Mittel nicht, die Ländereien hat er nunmehr vom Staat gepachtet.

„Ich habe das Vorkaufsrecht unter der Bedingung genutzt, dass unsere Söhne mitmachen“, sagt er. Tochter Madeleine (42) blieb in Süddeutschland, der ältere Sohn Christian-Matthias (45), genannt Matthias, übernahm mit der Landwirtschaft den größten der drei Betriebe innerhalb des Gutes. Sohn Michael (35) betreibt sowohl den Ferien- und Reiterhof als auch den Pferdezuchtbetrieb. „Ich mache beides noch mit, aber als Senior“, ergänzt er. „Ich züchte seit 45 Jahren Trakehner.“

40 Reitpferde gibt es auf Gut Lischow, „davon stehen einige für sogenannte Reitbeteiligungen zur Verfügung“. Hinzu kommen zehn Pferde für Fahrten mit Kutsche oder Kremser. Im Hinblick auf die Vielzahl der Pferde erklärt er: „Streu und Futter für die Pferde ist so teuer geworden, dass man es nur betreiben kann, wenn man das Futter selbst produziert. Trotzdem handelt es sich um verschiedene Betriebe innerhalb der Familie, und es wird keinem etwas geschenkt.“ Stroh und Hafer erwerbe der Ferienhof zu besonders guten Konditionen aus dem landwirtschaftlichen Betrieb. „Von unseren Grünflächen machen wir selber unser Heu“, fügt der Senior hinzu.

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