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Nordwestmecklenburg Serie: Kalenderblatt
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18:15 02.10.2017
Eine Luftaufnahme von Hoben aus dem Jahr 2014. Quelle: Foto: Volster

Die Wismarer Randgemeinden Redentin, Hof Redentin, Hinter Wendorf, Mittel Wendorf, Vor Wendorf, Hoben, Zierow und der Rohlstorfer Forst wurden am 1. Oktober 1939 auf Beschluss der Gauleitung Mecklenburgs aus dem Landkreis Wismar ausgegliedert. Sie gehörten ab diesem Zeitpunkt zur Seestadt Wismar und zum Stadtkreis Wismar. Oberbürgermeister Alfred Pleuger plante, sicher unter dem Einfluss seines Architekten Gutschow, aus Wismar eine Großstadt von 150000 Einwohnern zu machen. Später sprach er von 80000. Dies setzte auch Eingemeindungen voraus.

Wie die weitere Entwicklung zeigte, wurde aus der Großstadt nichts.

Hinter, Mittel und Vor Wendorf sind längst zu einem großen Stadtteil verschmolzen. Hoben blieb in seiner Ursprünglichkeit erhalten. Die Hobener hegen und pflegen ihre Häuser und haben ein wachsames Auge auf die Erhaltung ihres Gesamtdenkmales als „Wismars verstecktes Kleinod“.

Die Ortslage wurde erstmals 1322 als „Koldenhove“ erwähnt. Hier waren an der Wismarer Bucht Bauern angesiedelt, die wohl auch nebenher Strandfischerei betrieben. Im 16. Jahrhundert wurden zwölf Grundstücke erwähnt, die während des Dreißigjährigen Krieges dezimiert wurden. Ab dem 18. Jahrhundert waren es wieder zwölf Bauernstellen und Katen.

Es gibt eine nicht verbürgte Anekdote zu Hoben. Demnach wurde der Ort im Dreißigjährigen Krieg von den umherziehenden Soldaten zunächst nicht geplündert, weil das kleine Dorf so versteckt lag.

Den Wismarer Fischern waren die Hobener wegen ihrer Fischerei ein Dorn im Auge. Die Wismarer hatten das Privileg, Seefischerei zu betreiben. Sie hatten bis ins 18. Jahrhundert das alleinige Recht, in der Wismarbucht, bei der Gollwitz und im Haff bei Wustrow sowie in der Wohlenberger und Boltenhägener Bucht zu fischen. Den Bewohnern der am Ufer liegenden Dörfer wurde nur die Strandfischerei gestattet. Die „Bauernfischerei“ ließ sich jedoch nicht aufhalten. Erst ab 1880 gab es einvernehmliche Regelungen, und die Hobener Fischer konnten nun unbehelligt ihre lebensnotwendige Arbeit machen. Trotz dieser Konkurrenz entwickelte sich Hoben zu einem Bauern- und Fischerdorf.

Die Bebauung in Hoben – heute mit reetgedeckten Häusern – sah im Mittelalter gänzlich anders aus. Es werden kleine ärmlichen Katen gewesen sein, aber schon damals gab es eben nur zwölf Häuser, die ab dem 17. Jahrhundert etwas komfortabler um- und ausgebaut wurden. Ein Brand im Jahr 1860 brachte viele Zerstörungen – ein Haus brannte völlig nieder. Aber die Hobener bauten alles wieder auf. Der Zierower Gutsbesitzer Baron Freiherr Heinrich von Biel prägte zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Gemeinschaftsgefühl der Hobener. Er war umsichtig und hatte durch die Vergabe von je einem Zwölftel des Gemeinschaftslandes die Hobener zur Einigung gebracht. Teile dieses Gemeinschaftslandes erkennt man noch heute mit den Grünfreiflächen im Dorf und am Strand mit den Stakenplätzen. Es wurde den Erbpachtbauern genau vorgeschrieben, was und wie viel sie anzubauen hatten, und die Weidenbäume um und im Dorf waren genau zugeteilt für die Holzgewinnung. Zumeist drei Familien betrieben zusammen einen Fischerkahn, die an Pfählen in der Bucht lagen und zum Winter mit Pferden an Land gezogen wurden.

Die Hobener haben schon damals auf Nachhaltigkeit geachtet. Ihnen ist es zu verdanken, dass im Dorf die Ursprünglichkeit des Mittelalters nicht nur im erhaltenen Wegenetzes erkennbar ist. Die Geschlossenheit der Häuser mit einer unveränderten Bebauungsanzahl und die Lage an der Wismarbucht machen Hoben zu einem besonderen Ort. Schon zu DDR-Zeiten gab es ein Denkmalpflegegesetz mit einer zentralen Denkmalliste vom 25. September 1979. Laut Einigungsvertrag galt das Gesetz nach der Wende zunächst als Landesrecht. Am 21. Oktober 1997 beschloss die Bürgerschaft eine neue Verordnung, die unter anderem auch Hoben als Gesamtensemble unter Schutz stellte. Nach 20 Jahren sind die Ergebnisse gut erhaltene Bauten in Wismar. In Hoben ist dies ebenfalls zu spüren, wo alte und neue Hauseigentümer mit ihren Mitteln und viel Liebe zum Detail ihre Häuser und somit das Gesamtensemble erhalten.

Dies wird zurzeit jedoch durch einen Hausneubau infrage gestellt. Trotz der 1997 erlassenen Verordnung sind hier alle Bestimmungen, die für jeden einsichtig sind, auf das Gröbste ignoriert worden.

Nach aktueller Rechtsprechung müsste das Haus abgerissen werden. Was über Jahrhunderte gewachsen ist, darf nicht durch Leichtfertigkeit und Egoismus zerstört werden. Die, die dort wohnen, leben und arbeiten, wissen um die Lebensqualität an der Wismarbucht. Aber sie wissen auch, dass, wer in einem Denkmal wohnt, sich diesem unterordnen sollte.

Was sonst noch geschah

25. September 1868: Abriss des

Altwismar-Tores.

25. September 2014: Unterzeichnung des Vertrages zur Nutzung von St. Georgen durch die Hansestadt Wismar und die Kirchengemeinden St. Georgen und St. Marien.

26. September 1938: Eröffnung des Museums im ehemaligen Logenhaus der Freimaurer in Wismar.

30. September 1903: Uhrmachermeister Julius Brunnckow starb mit 76 Jahren. Er war seit 1871 stellvertretender Vorsitzender der Wismarer Bürgerschaft und Vorsitzender des Gewerbevereins.

Der „Brunnckowkai“ am Hafen ist nach ihm benannt.

Detlef Schmidt

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