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Skat: Ein Kartenspiel reizt seit 200 Jahren

Harkensee Skat: Ein Kartenspiel reizt seit 200 Jahren

Preisskat ist vielerorts Trumpf. Ein Redakteur der LN hat ihn in Harkensee getestet.

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Heinrich Mahnke (87) ist beim Preisskat in „Karls Bauernstube“ der älteste Spieler, Max Cichetzki (19) der jüngste.

Quelle: Foto: Jürgen Lenz

Harkensee. Heinrich Mahnke ist das Urgestein unter den Skatspielern. Der 87-Jährige reizt, drückt, sticht, gibt und zählt seit 75 Jahren. Als er noch ein Kind war, prägte Kurt Tucholsky den Spruch: „Wenn dem Deutschen so recht wohl ums Herz ist, dann singt er nicht. Dann spielt er Skat.“ Mehr als 20 Millionen machen es heute. 200 Jahre nach der Erfindung in Altenburg ist Skat der Deutschen liebstes Spiel — auch an diesem Abend in „Karls Bauernstube“ in Harkensee. In dem kleinen Dorf unweit der Ostsee betritt ein Mann nach dem anderen das ehemalige Lokal.

Die Einrichtung: altdeutsch, viel Holz, Gaststättengemütlichkeit. Auf jedem Tisch liegt ein Skatblatt, 32 Karten, französisches Bild, in Zellophan verpackt. Preisskat ist angesagt. Einer von vielen im Schönberger Land. Diesmal mache ich beim Preisskat mit — das erste Mal seit 15 Jahren. Damals, in der Schule in Wahrsow, gewann ich einen Fleischpreis. Jetzt sage ich den 20

Mitspielern vorweg: „Ich habe schon lange nicht mehr gespielt. Entschuldigen Sie bitte meine Fehler.“ Ein junger Mann antwortet: „Ach, es geht hier nicht verbissen zu. Und wir sind du.“

Der junge Mann im leuchtend blauen T-Shirt ist 19 Jahre, wohnt in Kalkhorst, studiert Geschichte und Mathematik auf Lehramt. Max Cichetzki heißt er. An diesem Abend einfach Max. Warum spielt er Skat? „Jedes Spiel ist anders“, antwortet er. Auch gebe es den Reiz, zu gewinnen. Dann lächelt Max und sagt: „Und es macht Spaß, wenn man den Älteren manchmal die Nase dreht.“ Max ist Südwest-Meister des Weltverbands „International Skat Players Association“ (Ispa). Mindestens einmal in die Woche spielt er. Gelernt hat er es bei Opa und Vater. Heute gehört er dem Verein „Karo Bube Wismar“ an.

„Hier in der Gegend war ich mal erster von 99 Spielern“, erzählt Max.

Kurz nach sieben Uhr zieht jeder Skatbruder eine Platzkarte mit Nummern. Die Männer verteilen sich auf Dreier- und Vierertische. Max schaut zu mir rüber. „Keine Sorge. Fünf, sechs Spiele, dann ist man wieder drin“, sagt er. Und tatsächlich: Skat spielen ist wie Fahrrad fahren. Wer es einmal gelernt hat, vergisst es nie. Ich setze mich: Tisch zwei, Stuhl vier. Das Los, mit dem Quasi-Anfänger von der Zeitung zu spielen, ereilt Frank, Uli und Thomas. Uli gibt die Karten aus. Ich habe viel Herz auf der Hand, aber von den Buben nur den Kreuz. Frank reizt: „18?“ Ich antworte: „Ja.“ „20?“

„Ja.“ „22?“ „Weg.“ Uli reizt am höchsten. Er spielt Pik — und gewinnt. Nach 36 Spielen liegt die erste Runde hinter uns. Die Luft ist stickig geworden. Frank lächelt. Er sagt: „Das war ein schöner Tisch.“ Frank kann ihn schön finden. Er hat viele Punkte gemacht. Ich nicht. Jemand öffnet die Tür, lässt frische Luft rein. Thomas ruft einer jungen Frau zu: „Ein Kaffee!“ „Schwarz?“, fragt die Frau. „So schwarz wie deine Füße!“, antwortet Thomas. Am Nebentisch ruft jemand: „Die Herz-Zehn musst du doch stechen mit der Kreuz-Dame, du Heini!“ „Ja wie denn, du Dödel wenn ich sie nicht hab?“, fragt der Angesprochene zurück und lacht. Ein bisschen frotzeln gehört hier dazu. Ist nicht böse gemeint, nimmt niemand krumm.

In der zweiten Runde spiele ich an einem Dreiertisch mit Max und Klaus, der nur einen Steinwurf von „Karls Bauernstube“ entfernt wohnt. Klaus ist Rentner, wie viele hier. Andere sind Lehrer, Bauarbeiter, Unternehmer. Hier sind alle gleich, hier hebt keiner ab — außer wenn es sein muss, nämlich zwischen dem Mischen und Geben. „Ich muss noch abheben“, sagt Max. Dann passiert mir ein fataler Fehler. Nachdem ich bekannt gegeben habe, dass ich Kreuz spiele, schaue ich noch mal in den Skat. Ich vergewissere mich, welche Karten drin liegen. Klaus und Max schauen sich entrüstet an.

Warum bloß? Ich komme mit der ersten Karte raus. Es läuft gut. Dieses Spiel hole ich klar nach Hause. Die letzte Karte fällt. Gewonnen. Jetzt verrät Max, was die Blicke vor der Partie zu bedeuten hatten: „Du kannst froh sein, dass du mit uns beiden spielst. Viele werfen sofort die Karten auf den Tisch, wenn nach dem Ansagen der Skat noch mal angehoben wird. Dann ist das Spiel verloren. So sind die Regeln.“ Klaus nickt. Ich hebe die Augenbrauen und sage: „Entschuldigung, das wusste ich nicht.“ Die Mitspieler nehmen‘s diesmal nicht so genau. Anfängerfehler halt. Also: gewonnen. So wie viele der 27 Spiele in dieser Runde. Es ist kurz vor elf Uhr. Ich denke: „Das war ein schöner Tisch.“

Aber für einen Fleischpreis reicht es nicht. Wegen der vergurkten ersten Runde. Und trotzdem: Manchmal war mir recht wohl ums Herz. „Man muss sich einfach reintrauen. Das wichtigste ist doch der Reiz des Spiels“, sagt der frühere Gastwirt Karl-Hermann. Und recht hat er. Auch für Heinrich, das 87-jährige Urgestein des Kartenspiels, ist der Abend gut gelaufen. Skat reizt den Mann aus Neuenhagen heute wie vor 75 Jahren. Wenn auch aus etwas anderen Gründen. Er sagt: „Beim Kartenspielen wird der Geist noch mal angeregt. Und man kommt unter Leute. Man freut sich immer schon aufs Wochenende.“

Die nächsten Preisskat-Runden
Fast jede Woche wird in der Region Skat gespielt, meist um Fleischpreise:

20. September 19 Uhr

Preisskat in Herrnburg,

Getränkemarkt


27. September 19 Uhr

in „Karls Bauernstube“,

Harkensee

28. September 18 Uhr in „Wiggers Speisekate“, Selmsdorf

29. September 15 Uhr

in der „Bauernstube“,

Schönberg


Wer Skat lernen möchte: Der SC „Herrnburger Asse“ hilft. Kontakt: ☎ 01 73/230 79 22

Jürgen Lenz

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