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Nordwestmecklenburg Sozialarbeiter gehen auf Jugendliche zu
Lokales Nordwestmecklenburg Sozialarbeiter gehen auf Jugendliche zu
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21:20 15.12.2017
Lüdersdorf

Das hat es in Mecklenburg-Vorpommern noch nicht gegeben: Drei Gemeinden tun sich zusammen, um ihren jungen Bürgern eine mobile Jugendarbeit zu bieten. Nach den Kommunalpolitikern in Selmsdorf und Schönberg haben nun auch die Gemeindevertreter in Lüdersdorf diesem Modellvorhaben zugestimmt. „Wir wollen die Chance ergreifen und erhoffen uns positive Effekte für die Jugendarbeit“, kommentiert der Lüdersdorfer Bürgermeister Erhard Huzel (CDU) den Beschluss, den die politischen Vertreter der Gemeinde ohne Gegenstimme gefasst haben. Die sozialdemokratische Gemeindevertreterin Petra Zacharias erklärte dazu in einer schriftlichen Stellungnahme: „Wir vom SPD-Ortsverein und von der Fraktion befürworten dieses Konzept und halten es für wünschenswert, wenn die Brennpunkte in der Gemeinde durch sogenannte Streetworker besucht würden, um die Jugendlichen der Gemeinde da abzuholen, wo sie sich treffen und ihnen alternative Angebote anzubieten.“Schönberg, Selmsdorf und Lüdersdorf billigen ein Konzept des Internationalen Bunds. Dessen Konzept sieht vor, dass ab 1. Januar zwei Sozialarbeiter die Jugendlichen in den drei Nachbargemeinden aufsuchen, mit ihnen ins Gespräch kommen, Kontakte knüpfen, gemeinsame Ausflüge unternehmen, Projekte gestalten, Unterstützung bei Problemen anbieten und vermitteln. „Mannigfaltige erlebnispädagogische Angebote sind möglich“, sagt André Betina, Leiter des Internationalen Bunds für Nordwestmecklenburg. Betina ist sich mit Blick auf Schönberg, Selmsdorf, Lüdersdorf und die zahlreichen Ortsteile der drei Kommunen sicher: „Arbeit ist genug da.“ Getan werden soll sie von zwei Sozialarbeitern. Über die Gesamtzahl der Arbeitsstunden sagt André Betina: „Wir sind bei 70 Stunden. Das finde ich schon enorm für ein Projekt, das neu ist.“ Veranschlagt ist es für drei Jahre. „Erst einmal“, fügt André Betina hinzu. Zunächst müsse es darum gehen, die Jugendlichen kennenzulernen. Betina versichert, die Sozialarbeiter seien bei Bedarf auch am Wochenende unterwegs, denn: „Streetwork ist kein Dienst nach Dienstplan.“ Eine Konkurrenz für die bereits in den drei Gemeinden arbeitenden Jugend- und Schulsozialarbeiterinnen soll die mobile Jugendarbeit nach Angaben des Internationalen Bunds nicht sein. Betina sagt: „Wir wollen niemandem etwas wegnehmen.“

Im März initiierte der Internationale Bund einen Graffitiworkshop für Jugendliche in Selmsdorf und umliegenden Orten. Quelle: Fotos: Jürgen Lenz

Vielmehr sei ein gute Zusammenarbeit im Interesse der Jugendlichen sinnvoll. Netzwerkarbeit sei wichtig.

Erhard Huzel betonte in einer Sitzung des Lüdersdorfer Sozialausschusses: „Die drei Kommunen haben ihre besonderen Gegebenheiten. Man muss auch auf die Unterschiedlichkeiten eingehen.“ Das sagte André Betina dem Lüdersdorfer Bürgermeister zu. Er betonte: „Die drei Gemeinden werden gleichberechtigt behandelt.“ Es werde nie so sein, dass Jugendliche in einer Kommune alleingelassen würden.

Der erste Anstoß für das Modellprojekt „Mobile Jugendarbeit“ ging von der Gemeinde Selmsdorf aus. Dort bot der Internationale Bund von März 2016 bis Juni 2017 eine mobile Jugendarbeit mit deutlich weniger Wochenstunden an. Die Gemeinde beendete diesen Vertrag mit dem Träger, nachdem der Kreis nicht die Zusage gegeben hatte, einen Zuschuss für 2018 zu zahlen. Bei seinem neuen, interkommunalen Projekt geht der Internationale Bund davon aus, dass jede Kommune für die drei Jahre insgesamt 63000 Euro zahlt, der Landkreis insgesamt 75300 Euro und das Land 150000 Euro. Damit wären die Kosten in Höhe von 288300 Euro gedeckt – so das Konzept des Internationalen Bunds. Unterstützung kommt vom Landkreis Nordwestmecklenburg. Er hat das Konzept für das Modellprojekt „Mobile Jugendarbeit in den Gemeinden Selmsdorf, Lüdersdorf und der Stadt Schönberg“ gemeinsam mit den drei Kommunen entwickelt und den Internationalen Bund als Träger gewonnen. Der Jugendhilfeausschuss des Kreistages hat sich bereits mit dem Konzept beschäftigt und den Antrag des Internationalen Bunds Westmecklenburg gebilligt. Nach Angaben der Kreisverwaltung hat der Ausschuss außerdem „im Rahmen seiner zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel die Mitfinanzierung des Projektes beschlossen.“

In einer Sitzung des Lüdersdorfer Sozialausschusses sagte Jutta Tiesen, Mitarbeiterin aus dem Bereich Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit und Erzieherischen Kinder- und Jugendschutz des Landkreises Nordwestmecklenburg: „Es ist eine Chance für die drei Gemeinden, etwas Neues zu gestalten.“ Das Land Mecklenburg-Vorpommern finde die Idee gut. Das Modellprojekt sei förderfähig. Es gebe von Seiten des Landes aber noch keine endgültige Zusage, ob es in der gewünschten Höhe bezuschusst wird.

Seit 1990 in Mecklenburg

Der Internationale Bund (IB) ist mit seinem eingetragenen Verein, seinen Gesellschaften und Beteiligungen einer der größten Dienstleister in der Jugend-, Sozial- und Bildungsarbeit in Deutschland. Seit 1990 ist er auch in Westmecklenburg tätig. Hier beschäftigt er nach eigenen Angaben mehr als 200 Mitarbeiter. Zu den Angeboten des IB in der Region gehören offene und projektbezogene Kinder- und Jugendarbeit, Schulsozialarbeit und Hilfen zur Erziehung.

Jürgen Lenz

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