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Nordwestmecklenburg Sozialpädagogischer Dienst mit neuen Strukturen
Lokales Nordwestmecklenburg Sozialpädagogischer Dienst mit neuen Strukturen
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20:10 09.01.2018
Wismar/Grevesmühlen

Gelöste Stimmung im Beratungsraum 0203 in der Wismarer Kreisverwaltung in der Rostocker Straße. Der Vollmond Ende Januar ist Thema. Fehlende Krippenplätze im Landkreis sind es auch. Dann ist es Zeit: Es tagt der Unterausschuss des Jugendhilfeausschusses – die Evaluation des sozialpädagogischen Dienstes steht auf der Tagesordnung.

Das 75-seitige Analysepapier liegt vor keinem der Ausschussmitglieder. Sachgebietsleiter Torsten Tribukeit wirft die Zusammenfassung an die Wand. „Die Analysen haben gezeigt, dass der Fachdienst grundsätzlich gut aufgestellt ist – unter den gegebenen Rahmenbedingungen.“

Dass diese Rahmenbedingungen dazu geführt haben, dass die Evaluation überhaupt auf den Tisch kommt, darüber fällt kein Wort in den folgenden knapp 20 Minuten. Dass es diese Rahmenbedingungen zuließen, dass ein kleiner Junge aus Grevesmühlen von Vater und Stiefmutter – Zitat des Vorsitzenden Richters aus dem Prozess: „sadistisch“ – gequält werden konnte.

Nach Bekanntwerden dieses Falles im April 2016 hatte der Kreistag eine Evaluation des sozialpädagogischen Dienstes gefordert. Dessen Einschätzung hatte offensichtlich nicht ausgereicht, um die sichtbaren körperlichen Misshandlungen über Monate zu erkennen.

Darüber fällt kein Wort. Im Gegenteil: „Herr Leitner hat doch bescheinigt, dass das Jugendamt gute, solide Arbeit macht“, sagt Ausschussmitglied Maike Frey. In Schulnoten nicht einmal eine Drei – so hatte Gutachter Hans Leitner die Arbeit des sozialpädagogischen Dienstes in einem Gespräch mit Vertretern der Verwaltung und den Lübecker Nachrichten eingeordnet.

Torsten Tribukeit ruft weitere Folien in seiner Präsentation auf: „Handlungs- und Entscheidungssicherheit herstellen“ ist da beispielsweise zu lesen. Strukturelle und personelle Veränderungen soll es zudem geben, Laptops als mobile Arbeitsstationen für die Sozialpädagogen seien bereits verteilt. Handlungsanweisungen würden künftig eindeutiger formuliert, Teamverantwortliche für die Standorte Wismar und Grevesmühlen benannt. Zwei Arbeitsgruppen sollen sich in den kommenden Wochen damit befassen. Sie tagen von heute an, jeden Mittwoch vormittags in Wismar, nachmittags in Grevesmühlen – und das zwölfmal. Ende März, so hat es sich Landrätin Kerstin Weiss (SPD) ausbedungen, wolle sie die Ergebnisse sehen.

Im Anschluss besprechen die Ausschussmitglieder den Fall des misshandelten Dreijährigen – hinter verschlossenen Türen. Die Staatsanwaltschaft Schwerin hatte noch kurz vor Weihnachten Ermittlungen gegen den zuständigen Mitarbeiter im sozialpädagogischen Dienst aufgenommen – wegen des Verdachts auf fahrlässige Körperverletzung durch Unterlassen und der Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht (die LN berichtete.)

Nicole Buchmann

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