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Nordwestmecklenburg Spachteln, schleifen, lackieren
Lokales Nordwestmecklenburg Spachteln, schleifen, lackieren
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21:26 24.06.2013
Björn Thomas (21) beim Schleifen der Autotür, mehrere Arbeitsgänge sind notwendig, um eine kleine Delle zu entfernen. Quelle: Fotos: Michael Prochnow
Upahl

Die Delle in der Autotür ist kaum Daumennagelgroß. Ärgerlich ist der Schaden allemal, aber die Reparatur sollte schnell erledigt sein. Ausbeulen, dann lackieren — kann so schwer nicht sein. Vom Laien geschätzte Reparaturdauer: vielleicht zwei Stunden. „Das denken viele, aber in der Realität sieht das schon ein wenig anders aus“, sagt Mark Wisotzki. Der 39-Jährige ist Betriebskoordinator des Mercedes-Benz-Lackierzentrums in Upahl. 46 Mitarbeiter und neun Azubis beschäftigt das Unternehmen. Dutzende Fahrzeuge werden hier jeden Tag lackiert. Doch an diesem Vormittag ist alles ein wenig anders.

Die Kreishandwerkerschaft führt die Gesellenprüfung durch. 13 junge Männer aus Westmecklenburg haben acht Stunden Zeit, um mehrere praktische Aufgaben zu erledigen. Die Delle in der Tür ist eine davon.

Dass es nur 13 Lehrlinge sind, die in diesem Sommer ihren Abschluss machen, ist eine Folge der Entwicklung der vergangenen Jahre. Die Klassen waren noch vor zehn Jahren deutlich größer. Aber die Zahl der Lehrlinge nimmt ab. „Ich habe das Gefühl, dass die Jobs im Büro deutlich beliebter sind, als die handwerklichen Berufe. Und das bekommen wir auch bei den Bewerbungen zu spüren“, sagt Mark Wisotzki. Der Chef des Lackiercenters hat seine Laufbahn als Kfz-Monteur begonnen, er kennt die Arbeit in den Werkstätten und hat sich im Laufe der Jahre hochgearbeitet. „Der Klassiker damals in meiner Lehrzeit war die Banklehre, warmes Büro, gut bezahlt und saubere Hände.“ In Sachen Bezahlung hat sich inzwischen einiges getan, um die Attraktivität des Jobs zu verbessern. „Warm ist es in der Werkstatt auch, nur das mit den sauberen Händen kriegen wir nicht hin.“

Dass im Lackiercenter in Upahl deutlich mehr Bewerbungen eingehen, als es Plätze gibt, ist ein Zeichen für die erfolgreiche Nachwuchsarbeit im Unternehmen. Für die 13 Prüflinge spielen solche Hintergründe an diesem Tag keine Rolle. Konzentriert arbeiten sie ihre Aufgaben ab. Neben der Reparatur der zerbeulten Autotür steht auch eine Beschriftung auf dem Programm. Denn die Arbeit der Lackierer ist in den vergangenen Jahren deutlich umfangreicher geworden.

„Das Berufsbild hat sich verändert“, sagt Uwe Kaiser, Berufsschullehrer aus Schwerin, der für die 13 Lehrlinge zuständig ist. „Inzwischen gibt es auch Lehrgänge, um die Grundlagen der Elektrik zu verstehen. Kleine Karosseriearbeiten sollten sie auch beherrschen. Es wird anspruchsvoller, das steht fest.“ Das hat allerdings auch dazu geführt, dass die Abbrecherquote während der Lehrzeit gestiegen ist. „Es sind mehr geworden, die nach den ersten Wochen alles hinwerfen.“ Und nach drei Jahren Ausbildung wartet die nächste Hürde. Etwa 20 Prozent scheitern an den Gesellenprüfungen, und das längst nicht nur an der Theorie, sondern auch im praktischen Teil, bemerkt Uwe Kaiser.

Warum das so ist, wird deutlich, wenn man den Prüflingen im Upahler Lackierzentrum über die Schulter schaut. Denn schon das Spachteln und Schleifen ist eine Wissenschaft für sich. „Es gibt viel zu beachten“, sagt Uwe Kaiser. „Allein die Zusammensetzung des Spachtels, die vielen verschiedenen Lacke, es gibt viele Dinge, an die die Jungs denken müssen.“

Dementsprechend konzentriert geht Björn Thomas an die Arbeit. Der 21-Jährige aus Göhren bei Crivitz ist gerade dabei, mit feuchtem Schleifpapier die letzten Unebenheiten der Spachtelmasse zu entfernen. „Kein Problem, wenn man das schon ein paarmal gemacht hat und weiß, worauf es ankommt.“ Denn wichtiger als das eigentliche Lackieren ist die Vorbereitung des Untergrundes. „Viele denken, der Mann mit der Sprühpistole ist der wichtigste Mann. Aber ohne eine vernünftige Vorbereitung kann der überhaupt nichts machen“, erklärt Mark Wisotzki. Kleinste Unebenheiten beim Schleifen führen dazu, dass das Ergebnis am Ende Schrott ist. „Und dann geht es von vorn los.“

Michael Prochnow

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