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Nordwestmecklenburg „Sport frei!“ für jedermann
Lokales Nordwestmecklenburg „Sport frei!“ für jedermann
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20:31 21.10.2013
Daniel Thomas (30) ist seit elf Jahren Mitglied des Sportvereins. Nach sieben Jahren Unihoc übt er nun für den Mehrkampf für jedermann. Dazu gehört ein ausgiebiges Hantel-Training.
Grevesmühlen

Daniel Thomas ist 30 Jahre alt. Ein junger Mann mit einem geregelten Leben und einem festen Job. In seinem runden, freundlichen Gesicht trägt er eine Brille, die schütteren Haare hält er kurz. Thomas ist stämmig, aber hält sich mit Sport fit. Er sieht aus wie ein Durchschnittstyp, doch wenn er redet, erinnert er ein wenig an Forrest Gump aus dem gleichnamigen Film: Er spricht langsam, achtet auf seine Worte. Daniel Thomas lebt mit einer geistigen Behinderung.

Jeden Dienstag kommen neben Daniel Thomas etwa 30 Sportler in die Mehrzweckhalle nach Grevesmühlen. Gemeinsam trainieren sie für den „Tag des Sports“ — einem Sportfest, das am Sonnabend, 26.

Oktober, ab 10 Uhr in der Sporthalle des Grevesmühlener Gymnasiums stattfindet. Das Besondere: Behinderte und nichtbehinderte Sportler treten gemeinsam an. „Hier bewegen sich vor allem Menschen mit geistiger oder Mehrfachbehinderung. Es sind sehr dankbare Sportler, die eine Menge Spaß haben. Doch eines sollte nicht vergessen werden: Sie trainieren nach der Arbeit“, betont Dirk Möller, Vorsitzender des Sportvereins Blau-Weiß Grevesmühlen.

Spaß hat auch Daniel Thomas an den wöchentlichen Einheiten. Nach seiner Arbeit in der Diakonie kommt er regelmäßig zum Training. Wenn der 30-Jährige erzählt, dann zeigt er ein breites Lächeln und lässt seinen Blick durch die Halle wandern. „Der Sport gefällt mir gut. Ich bin hier, weil ich mehr aus mir herausgehen und mich beteiligen wollte“, erklärt der Grevesmühlener. Sieben Jahre hat er mit der Unihoc-Mannschaft trainiert, jetzt engagiert er sich beim Mehrkampf. „Wir bieten dabei Sportarten an, die unsere Sportler fordern. Die aber auch so angepasst sind, um Vergleichbarkeit zu schaffen“, erklärt Dirk Möller.

Beim Unihoc handelt es sich um eine Form des Hallen-Hockeys. Es gehört zu den drei Wettkampfsportarten, die beim jährlichen Sportfest angeboten werden. Auch beim Hallen-Boccia und Tischtennis werden die Teilnehmer um einen Pokal spielen. Zum Rahmenprogramm gehören der Mehrkampf und ein Rollstuhlparcours. Auch für diese Sportarten wird es Urkunden geben.

„Am besten finde ich die verschiedenen Übungen mit Bällen. Oder auch das Trommeln“, sagt Daniel Thomas ein wenig unsicher, während er langsam mit den Hanteln weiter trainiert. Schließlich würden ihm die anderen Sportarten auch Spaß machen, da könne er sich schwer entscheiden. Unter dem Titel „Drums Alive“ wird auch in einem Workshop auf dem Grevesmühlener Sportfest getrommelt. „Insgesamt bieten wir drei Workshops an. Dazu zählen außerdem Line Dance und Rollstuhltanz“, sagt der Koordinator für integrative Sportarbeiten, Dirk Möller.

Seit der Gründung des Vereins für Behinderten- und Rehabilitationssport 1991 lautet das Motto: „Lust auf Bewegung“. Diese Freude können Menschen mit und ohne Behinderung beim „Tag des Sports mit und ohne Handicap“ beweisen. Es findet bereits zum achten Mal statt. Schon seit der Vereinsgründung gab es ein jährliches Sportfest, welches zunächst jedoch ausschließlich Menschen mit Handicap vorbehalten war. „Es geht hier nicht darum, den Leuten zu zeigen, was Menschen mit einer Behinderung können oder nicht können, sondern darum, die Leute zu motivieren“, erzählt Möller, der von der integrativen Methode begeistert ist. Denn für jeden Menschen sei Sport wichtig: „Es ist eine Bereicherung für die Freizeit, fördert die Gruppendynamik, die Mobilität und die Gesundheit.“ Bis jetzt gibt es schon 100 Voranmeldungen für das Sportfest. Für den Wettkampf im Hallen-Boccia reisen Teilnehmer extra aus Neubrandenburg an. Dabei wird der Anteil der Sportler ohne Handicap immer größer.

„Unser Ziel ist es, ein Verhältnis von 50 zu 50 zu schaffen. Das werden wir in diesem Jahr noch nicht erreichen. Aber die Akzeptanz und die Bereitschaft zur Beteiligung wächst stetig“, erklärt der Trainer.

Konzentriert hebt Daniel Thomas die Hantel. Erst fünf Mal mit dem linken Arm, dann fünf Mal mit dem rechten, bis die Aufforderung zum Wechsel kommt. Wie die anderen Teilnehmer wandert auch der 30-Jährige eine Station beim Gerätezirkel weiter und versucht beim Hallen-Boccia die schweren gefüllten Säckchen in die Mitte der blauen Zielscheibe zu werfen. Ob sich das Training auszahlt, wird sich am „Tag des Sports mit und ohne Handicap“ zeigen. Am 26. Oktober heißt es dann ab 10 Uhr in der Sporthalle am Gymnasium: Sport frei für jedermann.

Online-Video unter www.ln-online.de

Menschen mit und ohne Behinderungen vereint
15000 Menschen in Nordwestmecklenburg gelten laut einer Statistik von 2012 als schwerbehindert.

4452 Sportler aus 164 Ländern nahmen an den Paralympics in London teil. Dabei holten auch Sportler aus Mecklenburg-Vorpommern Medaillen: Carmen und Ramona Brussig vom PSV Schwerin holten im Judo Doppelgold. Leichtathletin Jana Schmidt aus Rostock gewann drei von vier möglichen Medaillen. Marianne Buggenhagen aus Ueckermünde holte im Kugelstoßen Bronze.

1991 gründete sich der Verein für Behinderten- und Rehabilitationssport. Seitdem wurden jährlich Sportfeste veranstaltet. Seit 2006 ist es ein „Tag des Sports mit und ohne Handicap“. Integrative Sportfeste sollen Menschen mit und ohne Behinderung zusammenführen sowie die gegenseitige Akzeptanz fördern.

26. Oktober: An diesem Tag wird das achte integrative Sportfest in der Sporthalle des Grevesmühlener Gymnasiums stattfinden. Die Eröffnung ist um 10 Uhr.

Infos im Netz: www.vbrs-mv.de

Johanna Hegermann

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