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Nordwestmecklenburg Sportverein greift Rücklagen an
Lokales Nordwestmecklenburg Sportverein greift Rücklagen an
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17:32 26.09.2018
Wir haben uns für die Kinder entschieden. Doreen Schnoor, Vorsitzende des SV Blau-Weiß Quelle: OZ
Grevesmühlen

Seit Tagen gibt es Gerüchte in Grevesmühlen. Ist der SV Blau-Weiß pleite? Nein, pleite ist der Verein, einer der größten im Landkreis mit mehr als 850 Mitgliedern nicht. Aber finanzielle Probleme gibt es. Grund: Das Ferienlager in der Sommerferien mit rund 50 Kindern in Neukloster belastet die Vereinskasse weil Fördermittel des Bundesministeriums für Bildung und Forschung in fünfstelliger Höhe ausblieben. Rund 10 000 Euro musste der Verein aufbringen, damit das Ferienlager – in abgespeckter Version – stattfinden konnte. Die Förderabsage erreichte den Verein unmittelbar vor Beginn des Ferienlagers. Einen Tag vor Beginn der Fahrt wurde die Situation im Vorstand des Vereins besprochen. „Das Ferienlager ausfallen lassen, war keine Option, da viele Kosten ohnehin angefallen wären. Also haben wir entschieden, dass die Kinder fahren“, sagt Christof Uhle, stellvertretender Vorsitzender des Vereins. Doreen Schnorr, Vorsitzende des SV Blau-Weiß: „Wir haben uns in dem Moment für die Kinder entschieden. Und ich denke, es war die richtige Entscheidung.“ Dafür musste der Verein 10 000 Euro aus den Rücklagen nehmen. Nun geht es darum, dieses Loch wieder zu stopfen. Doreen Schnoor hat die Abteilungsleiter des Vereins in einem Schreiben über die Situation informiert. „Es gibt keine Haushaltssperre, der normale Betrieb in den Abteilungen geht weiter. Ich habe die Abteilungsleiter nur gebeten, auf die Finanzen zu achten, so wie sie es schon immer getan haben.“ Größere Investitionen allerdings sind derzeit weder geplant noch in Aussicht.

Um den Verein wieder in ruhiges Fahrwasser zu bringen, hat der Vorstand Dirk Möller gekündigt. Möller, Herz und Seele des Behindertensports und Organisator zahlreicher Projekte und Veranstaltungen, hatte auch das Ferienlager in Verantwortung. Weil die Finanzierung seiner Stelle nicht mehr gesichert ist, erhielt er die Kündigung. „Wir haben uns gemeinsam darauf geeinigt“, sagt Dirk Möller, der an der Entscheidung selbst mitgewirkt hat. Seine Stelle läuft noch bis zum Jahresende. Wie das kommende Jahr für ihn beruflich aussehen wird, ist noch unklar. Der Verein hat bei der Aktion Mensch einen Förderantrag gestellt, um Dirk Möller auch künftig zu beschäftigen.

Unklar ist bis heute, weshalb das Bundesministerium für Bildung und Forschung, das immerhin vier Jahre lang die Ferienfreizeit des Vereins in Neukloster finanziert hatte, in diesem Jahr den Zuschlag verwehrte. „Wir haben keine Informationen über die Gründe“, beteuert Dirk Möller. „Alle Versuche, mit den zuständigen Stellen Kontakt aufzunehmen, haben bisher nichts gebracht“, ergänzt sein Sohn Florian, der ebenfalls im Verein aktiv ist. „Wir wüssten natürlich auch gern, warum es kein Geld gab.“ Nach Informationen des Vereins seien auch andere Projekte in Deutschland in diesem Jahr durch das Fördersieb gefallen. „Die Deutsche Sportjugend, mit der wir eng zusammenarbeiten, wundert sich ebenfalls über die Veränderungen“, so Dirk Möller. Aufgeben allerdings ist keine Option: Auf jeden Fall soll es weitergehen. Auch 2019 will der SV Blau-Weiß die Ferienfreizeit in Neukloster wieder anbieten. „Das ist einfach wichtig für die Kinder, vor allem für die, die sonst keine Möglichkeit haben, zum Beispiel in den Hansapark zu fahren, das zu erleben“, sagt Doreen Schnoor. „Wir geben nicht auf, aber wir müssen natürlich auch die Finanzen im Blick haben.“

Sich neben der ehrenamtlichen Arbeit in den Abteilungen um das Thema Geld zu kümmern, sei laut der Vorsitzenden eine der größten Herausforderungen der Vorstandsarbeit. „In diesem Jahr kamen die Fördermittel für die Stellen sehr spät, das ist alles andere als einfach für uns. Die Ausgaben sind da, aber wenn die Mittel für die Personalkosten nicht pünktlich kommen, ist das ein Problem.“

Michael Prochnow

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