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Nordwestmecklenburg Spurensuche in Klützer Atelier
Lokales Nordwestmecklenburg Spurensuche in Klützer Atelier
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21:35 23.10.2013
Antje Rabe (links) und Ana Sojor hoffen, dass sich ihre Gäste am Sonnabend auf zeitgenössische Kunst einlassen. Quelle: Ulrike Oehlers
Klütz

Das Gesamtkunstwerk entsteht erst vor Ort: am Sonnabend in der alten Molkerei von Klütz, die am landesweiten Tag der zeitgenössischen Kunst offenstehen wird. Dort treffen die Arbeiten der Malerin Ana Sojor und der Keramikerin Antje Rabe aufeinander und laden ein zur „Spurensuche“. So lautet das Leitmotiv, das sich die beiden Frauen für ihre Arbeit im vergangenen halben Jahr vorgegeben haben. Jede hat für sich geschaffen: Antje Rabe in ihrem Atelier in Börzow, Ana Sojor in der alten Molkerei Klütz, in der sie gemeinsam mit ihrer Familie auch lebt. „Spannend“ werde es beim Aufbau, vermutet die Keramikerin. „Wir hoffen, dass unsere Arbeiten in einen Dialog treten“, ergänzt ihre Künstler-Freundin.

Vor allem geht es aber um den Betrachter, dem sie bei der Aktion „Kunst heute“ eine Begegnung mit Kunst und Künstlern verschaffen möchten. „Bei bildender Kunst geht es um andere Prozesse in Form von Installationen, Ausstellungen. Wir wollen die Leute dazu bewegen, sich einzulassen“, sagt Antje Rabe. Die 41-Jährige präsentiert eigens für den Aktionstag eine Schaleninstallation aus verschiedenen Materialien — „Porzellan und Raku, also eine japanische Brandtechnik“, erklärt sie. Auch die Räumlichkeiten spielen für sie eine wichtige Rolle, in ihrem Fall vor allem der Fußboden, auf dem ihre Arbeiten stehen sollen.

Das knallrote Tanzlinoleum des Raums, den Ana Sojor sonst für ihre Flamenco-Vorführungen nutzt, wird am Sonnabend mit einem Belag in dezentem Grauton überdeckt, um die Ausstellung nicht zu dominieren. An den Wänden hängen jetzt noch traditionelle Portraits, die Ana Sojor auch malt. Für „Kunst heute“ hat sie sich aber mit einer selbst entwickelten Fresko-Technik mit Mörtel befasst, die recht abstrakte Anblicke bietet. Hierfür hat sie Maurermörtel mit Feinputz auf Leinwände aufgebracht. „Die Spurensuche zieht sich durch meine Arbeit“, sagt die 48-Jährige. „Ich finde es spannend, wenn ich mich auf ein Material einlasse.“ Für sie ist wichtig, dass nicht nur eine Leinwand mit Farbe entstehe, sondern ein Werk, das zum Anfassen anregt. Hier habe sie sich von den Arbeiten ihrer Kollegin inspirieren lassen, beispielsweise von der Raku-Brenntechnik, die auch zu groben Oberflächen führen könne.

Der Zuschauer ist aber längst nicht nur zum Entdecken von Oberflächen eingeladen, sondern auch herauszufinden, „was passiert, wenn man hier reinkommt“, wie Antje Rabe es ausdrückt. Sie meint das „Zusammenspiel vieler Dinge. So ist das Leben ja auch. Der Raum ist sehr wichtig, das Licht, das einfällt. Auch der Aufbau und die Gedichte, die auf das Thema ,Spurensuche‘ Bezug nehmen werden“.

Jeder Betrachter sei eingeladen, für sich selbst die Frage zu beantworten: „Was ist Spurensuche?“, erläutert Antje Rabe. „Man öffnet sich an diesem Tag sehr.“ Das gilt also nicht nur für die beiden Künstlerinnen, die im kompletten Zeitraum zwischen 11 und 18 Uhr vor Ort sein und mit den Besuchern ins Gespräch kommen wollen.

Im Anschluss an die Ausstellung wird ab 18.30 Uhr im angrenzenden Raum ein Film über den chinesischen Künstler Ai Weiwei gezeigt.

Kunst heute
Die Aktion „Kunst heute“ ist eine gemeinsame Veranstaltung des Verbandes der Kunstmuseen, Galerien und Kunstvereine in Mecklenburg-Vorpommern e. V. sowie des Künstlerbundes Mecklenburg und Vorpommern e.V. Die Palette der Angebote von mehr als 100 Teilnehmern umfasst Führungen, Kunstaktionen, Gesprächsrunden und die geöffneten Ateliers der professionell arbeitenden Künstler.
61Orte, darunter Galerien, Museen, Kunstvereine und Ateliers, bieten am Sonnabend Einblicke in Tendenzen der zeitgenössischen bildenden Kunst. In der Region beteiligen sich Jutta und Klaus-J. Albert, Udo Dettmann, der Kunstverein Wiligrad (alle Lübstorf) sowie das Künstlerhaus Schloss Plüschow. Die vollständige Teilnehmerliste und weitere Informationen finden sich unter www.kunstheute-mv.de.

Ulrike Oehlers

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