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Stadt soll legale Flächen suchen für Graffiti-Sprayer

Wismar Stadt soll legale Flächen suchen für Graffiti-Sprayer

Politik verärgert über Schmierereien in Wismar / Aufklärungsquote gering, Strafen sind selten / Als legale Alternative kommt wieder Platter Kamp ins Spiel.

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In Wismar ein Problem, in Grevesmühlen hingegen gibt es eine Lösung: Derzeit entsteht im Wohngebiet am Wasserturm das derzeit größte Graffiti der Stadt, Künstler Daniel Wrede gestaltet dort eine komplette Häuserfassade im Auftrag der Wobag. Der selbstständige Künstler ist regelmäßig im Auftrag von kommunalen Unternehmen unterwegs, gestaltet Strom- und Gasstationen sowie ganze Fassaden.

Quelle: Mark Wegner

Wismar. „Sprayer in Wismar gestellt“ meldete die Polizei vor wenigen Tagen. Ein Anwohner hatte am 13. Juli darüber informiert, dass Sprayer am Werke sind. Zwei Tatverdächtige, 17 und 19 Jahre alt, wurden gestellt. Sie hatten mehrere Wohn- und Geschäftshäuser im Bereich der Bauhof-, Gerber-, Mühlen- und Dr.-Leber-Straße besprüht.

LN-Bild

Politik verärgert über Schmierereien in Wismar / Aufklärungsquote gering, Strafen sind selten / Als legale Alternative kommt wieder Platter Kamp ins Spiel.

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Kein Einzelfall. „Es ist festzustellen, dass das Wismarer Stadtbild zunehmend durch Graffiti an Verkehrsschildern, Hauswänden und sonstigen Sachen nachhaltig beeinträchtigt wird. Dies schadet dem Antlitz und Image der Hansestadt“, so die CDU-Fraktion.

Für die Sitzung der Bürgerschaft brachte sie den Antrag ein: „Der Bürgermeister wird beauftragt, alternative Flächen oder Grundstücke zu prüfen, an denen legale beziehungsweise geduldete Flächen für Graffitikunst seitens der Stadt zur Verfügung gestellt werden können.“ Die CDU erhofft sich, dass „die Zahl illegaler Graffiti reduziert werden kann“.

Der Kampf gegen illegale Graffiti ist nur schwer zu gewinnen. Das muss auch die Polizei konstatieren. Peter Kowaleczko, Leiter des Kriminalkommissariats Wismar, stellte jüngst im Sozialausschuss der Bürgerschaft Zahlen der letzten Jahre, jeweils Januar bis Juni, vor: 2014 gab es 90 Fälle (17,8 Prozent Aufklärungsquote), 2015 waren es 38 Fälle (15,8 Prozent aufgeklärt), 2016 schon 70 Fälle (17,1 Prozent aufgeklärt). Die aufgeklärten Fälle wandern von der Polizei zur Staatsanwaltschaft. Häufig bleibt es beim erhobenen Zeigefinger. Nicht selten werden Fälle wegen Geringfügigkeit eingestellt.

Nach Angaben von Beate Dellin, Fachdienstleiterin Jugend bei der Kreisverwaltung Nordwestmecklenburg, ist bei der Jugendgerichtshilfe (Jugendliche 14-17 Jahre, Heranwachsende 18-20 Jahre) für die Jahre 2015 und 2016 kein Graffiti-Fall bekannt.

In der Regel, so Peter Kowaleczko, sind es jugendliche Täter, in Einzelfällen Erwachsene. Geduldete Flächen für Graffitikunst sind aus Sicht der Polizei eine gute Idee, reiche aber nicht als Prävention. Ursprünglich wollte die CDU in Sachen Prävention einen Schritt weitergehen. Das Verursacherprinzip sollte zur Anwendung kommen. Der Bürgermeister sollte gemeinsam mit dem Präventionsrat der Stadt, der Jugendgerichtshilfe, der Staatsanwaltschaft Schwerin sowie den für Jugendstrafsachen zuständigen Richtern darauf hinwirken, „dass jugendliche Straftäter im Rahmen von Sozialstunden auch zur Beseitigung von Graffiti und Aufklebern im öffentlichen Raum herangezogen werden“.

Dies politisch durchzusetzen, ist kaum realisierbar. Darum wurde davon Abstand genommen und der Punkt gestrichen.

Die erzieherischen Maßnahmen bei Jugendlichen in Form gemeinnütziger Stunden sind ganz verschieden. Im Jahr 2015 wurden 2215 Stunden von insgesamt 41 Jugendlichen und Heranwachsenden in Wismar abgeleistet. 2016 entfielen auf 29 Täter 1550 Stunden. Beseitigung von Graffiti war nicht dabei.

Der Jugendliche, so Beate Dellin, stehe im Mittelpunkt. Nicht immer sei das Mittel geeignet, dass der, der Graffiti gesprüht hat, diese auch wegmachen muss. Die Jugendgerichtshilfe könne den erzieherischen Teil vorschlagen, der Richter entscheidet. Auf einer Liste stehen Vereine wie ASB, Awo, Diakonie, DRK, Malteser oder eine Fahrradwerkstatt. Hier leisten Jugendliche dann ihre Strafstunden. Diese Liste könne ergänzt werden, so Dellin.

Die Stadtverwaltung Wismar will nun mit freien Trägern sprechen, die überführte Sprayer bei der Beseitigung illegaler Graffiti im Rahmen von aufgebrummten Sozialstunden begleiten.

Wolfgang Box (CDU) stellt eine „gewisse Machtlosigkeit“ bei dem Thema fest, „bei dem wir endlich ein Stück weiterkommen wollen“. Das möchte auch gerne Bernd Hilse (Linke) und wünscht sich Beispiele für eine abschreckende Wirkung. Doch die sind selten.

Letztlich läuft es auf den kleinsten gemeinsamen Nenner hinaus – eine Fläche für Sprayer.

Aktuell könnte es wieder der frühere Kohlenplatz am Platten Kamp werden. Peter Fröhlich vom Jugendamt der Stadt erinnert daran, dass die Fläche bis 2006 geduldet, dann von der Bahn als Eigentümer das Sprayen verboten und als Sachbeschädigung geahndet wurde.

Im Frühjahr 2015 habe sich die Sprayer-Szene an die Verwaltung mit der Bitte um eine geduldete Fläche gewandt. Nach einem Flop laufen derzeit Gespräche mit der Bahn zwecks Platter Kamp. Grundsätzlich sei diese bereit, so Fröhlich, dies zu dulden, aber in Verantwortung der Stadt. Die wäre dann für die Verkehrssicherungspflicht, Haftung und den ordnungsgemäßen Zustand verantwortlich. Eine Entscheidung steht aus, die Kosten sind offen.

Die Suche nach städtischen Flächen gestaltet sich als schwierig.

Bekannter Fall – offene Frage

Im Februar 2015 fasste die Polizei einen Graffiti-Sprayer. Der damals 29- Jährige hatte einen rund 25 Meter langen Schriftzug „FC Hansa Rostock! Sektion Wismar!“ auf die Hauswand vom „MT Center“ in der Lübschen Straße geschmiert. Einen weiteren Schriftzug – 8,20 Meter lang – brachte er auf einer Mauer auf. Der Tatverdächtige war der Polizei bereits wegen anderer Sachbeschädigungen durch Graffiti bekannt.

Noch heute ist der Schriftzug zu lesen.

Die Staatsanwaltschaft Schwerin sieht sich auf OZ-Anfrage nicht in der Lage mitzuteilen, ob eine Strafe verhängt wurde oder nicht.

Die Polizei appelliert, Schmierereien möglichst schnell entfernen zu lassen, um Nachahmungstäter nicht zusätzlich zu motivieren.

Heiko Hoffmann

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