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Nordwestmecklenburg Stadtverkehr warnt: Ohne Busse ist die Altstadt tot
Lokales Nordwestmecklenburg Stadtverkehr warnt: Ohne Busse ist die Altstadt tot
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20:22 27.06.2016

231 Busse rollen täglich durch die Königstraße. Neun Linien steuern Tag für Tag über den Koberg, das macht 321 Busse in Fahrtrichtung Zob und 92 in Fahrtrichtung Gustav-Radbruch- Platz. In der neu aufgeflammten Debatte über eine weitere Verkehrsberuhigung der Altstadt sind besonders die schweren Fahrzeuge des Stadtverkehrs in den Blickpunkt gerückt. Willi Nibbe, Chef des Stadtverkehrs, warnt davor, die Busse aus der Altstadt zu entfernen. „Das ist das Schlimmste, was passieren kann“, erklärt Nibbe, „das wäre für die Innenstadt eine Katastrophe.“

Nibbe und seine Fachleute haben aktuelle Zahlen über die Beförderungsleistungen zusammengestellt. Danach haben von den insgesamt 100000 Fahrgästen, die der Stadtverkehr pro Tag befördert, 43

000 das Ziel oder den Startpunkt Innenstadt. „Unsere Kunden sind die Bewohner der Altstadt, Schüler, Arbeitskräfte der Unternehmen in der Innenstadt, Touristen und Kunden des Einzelhandels“, zählt Unternehmenssprecherin Gerlinde Zielke auf. Die Innenstadt zählt zehn Schulen mit 8000 Pennälern, 14 000 Menschen wohnen hier, 4000 Beschäftigte verdienen hier ihre Brötchen, 40 000 Touristen halten sich täglich in der Altstadt auf und mit 125 000 Quadratmetern Verkaufsfläche ist die Innenstadt der größte Handelsstandort. Stadtverkehr-Chef Nibbe: „Andere Einkaufszentren kommen auf uns zu und wollen Busverbindungen haben. Ich bin erstaunt, dass die Innenstadt das nicht sieht.“

Die Fachleute des Stadtverkehrs haben Alternativen durchgerechnet. Erste Möglichkeit: Busse fahren nicht mehr über den Koberg und durch die Königstraße. Folge: Mehr Linien müssten durch die Untertrave rollen. Aber, so Nibbe und Zielke: „Die Untertrave soll verkehrsberuhigt werden, um eine höhere Aufenthaltsqualität zu schaffen.“ Richtung Norden würden die Fahrzeuge über die Falkenstraße statt durch die Königstraße fahren. Die Kanalstraße gehe nicht, weil die Busse nicht direkt aus der Wahmstraße in die Kanalstraße abbiegen könnten. Folge: Die Fahrgäste müssten längere Fußwege in Kauf nehmen. Nibbe ist sicher: „Wir würden Fahrgäste verlieren.“

Die zweite Alternative: Der Stadtverkehr setzt kleinere Elektrobusse vom Radbruch-Platz in die Altstadt ein. Problem: Die Kunden müssten umsteigen und Wartezeiten in Kauf nehmen. Am Radbruch-Platz kommen morgens zwischen 7 und 8 Uhr 28 große Linienbusse mit insgesamt 2000 Fahrgästen an. 75 Prozent dieser Fahrgäste wollen in die Altstadt. Sie müssten in 20 kleinere Fahrzeuge umsteigen, die dann in die Altstadt pendeln. „Wir hätten dann mehr statt weniger Verkehr“, sagt Betriebsleiter Bernd Raasch. Um 20 Midi-Busse mit Elektroantrieb anzuschaffen und 20 zusätzliche Fahrer zu beschäftigen, müsste der Stadtverkehr acht Millionen Euro zusätzlich aufbringen, mit kleineren Dieselbussen wären es immer noch vier Millionen Euro.

Wie es ist, wenn der Bus plötzlich nicht mehr direkt vor die Ladentür oder das Schultor rollt, werden die Lübecker vom 25. Juli bis zum 12. September erleben. Dann wird der Koberg umgebaut und die Busse müssen über Untertrave und Falkenstraße umgeleitet werden. Weil es sofort einen „Aufschrei“ von Sozial- und Frauenverbänden gegeben habe, wird ein Shuttle-Bus ab 15. August vom Gustav-Radbruch- Platz zum Koberg und zurück eingerichtet – ein kleineres Gefährt mit 30 Sitz- und Stehplätzen. Klingt wie ein Feldversuch für eine dauerhafte Verlagerung der Busse. Aber davon wollen die Verantwortlichen des Stadtverkehrs nichts wissen. Für Baumaßnahmen oder ein Hansekultur-Festival sei das eine Lösung, so Nibbe: „Aber nicht für den täglichen Gebrauch.“

Kai Dordowsky

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