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Nordwestmecklenburg Start frei für Sanierung des Speichers
Lokales Nordwestmecklenburg Start frei für Sanierung des Speichers
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22:39 04.07.2017
Mark Semrau (41, l.) und sein Bruder Lars (40) sind froh, dass sie ihren Speicher in Dassow endlich sanieren können. Quelle: Fotos: Jürgen Lenz

 Einige Einheimische unkten bereits, mit der Sanierung werde es nie etwas. Doch es wird etwas. Alle geforderten Gutachten sind erstellt, die lang erhoffte Baugenehmigung ist da. „Wir fangen jetzt an“, sagt Mark Semrau.

Arbeiten an Gebäude haben begonnen / Lokal und Pension sollen einziehen.

Bauarbeiter legen den Sockel des 156 Jahre alten Speichers frei. Er bekommt eine komplett neue Gründung. Mark Semrau sagt: „Das ist das Schwierigste.“ Und es ist mit das Teuerste beim Zwei-Millionen-Euro-Projekt in Dassow. Der Baugrund unter dem Speicher besteht aus Torf und Schluff. Schlechter geht’s nicht. Auf die sprichwörtlichen sicheren Beine stellen lässt sich das seit vielen Jahren leer stehende Gebäude nur mit Betonpfählen, die tief in die Erde reichen.

Der Speicher wird fixiert, damit er sich nicht weiter setzt. Das macht ein Unternehmen, das sich auf solche Arbeiten spezialisiert hat. Es ist der einzige Betrieb, bei dem die Brüder Semrau von ihrer Regel abweichen, die da heißt: „Was wir nicht selbst machen, das machen wir mit Firmen aus der Region.“ Bei der Pfahlgründung geht das nicht. Der Grund: Es gibt in der Gegend keine Spezialfirma dafür.

„Anfang August sollen sie die Pfähle alle fertig haben“, erklärt Lars Semrau. Danach wird eine Betonsohle geschüttet und schließlich können die Arbeiten an der historischen Bausubstanz beginnen. Wann wird der Speicher fertig sein? „Ende nächsten Jahres“, antwortet Mark Semrau und schiebt die Bedingung dafür nach: „Wenn alles so klappt, wie wir es uns vorstellen.“

Dass alles so klappt, das hofft neben den Semraus auch die amtierende Dassower Bürgermeisterin Annett Pahl (SPD-Fraktion). Sie sagt über den Speicher am Ortseingang von Dassow, direkt neben B

105, Stepenitz und Dassower See: „Er ist unserer Wahrzeichen. Wir erhoffen uns, dass die Sanierung für uns ein Gewinn wird.“ Es wäre, so die amtierende Bürgermeisterin, auch gut, wenn die Arbeiten zügig vorangehen und es „ein schönes Projekt“ werde.

Das wird es nach den Plänen von Lars und Mark Semrau. Ganz oben soll es eine Gastronomie geben. Die Aussicht auf See, Naturschutzgebiete und Stadt dürfte fantastisch sein. „Wir suchen einen fähigen Gastronomen“, erläutert Mark Semrau. In den zweiten und dritten Stock soll nach seiner Auskunft eine Pension einziehen. Im Erdgeschoss wird es einen Saal für Veranstaltungen und Feiern geben.

Die Brüder Semrau hätten nicht gedacht, dass so viele Jahre ins Land gehen würden, bis sie mit der Sanierung starten können. „Es war alles sehr zäh“, erinnert sich Mark Semrau. Zu klären war, wie viel Geld aus der Stadtsanierung zur Verfügung steht und welche Bedingungen für die Baugenehmigung zu erfüllen sind. Es sollten unerwartet viele Bedingungen werden. Immer wieder mussten Gutachten erstellt werden. Sie betrafen nicht nur die Statik, sondern unter anderem auch den Artenschutz und den Lärmschutz. „Von der Stadt kam viel Hilfe. Sogar die Landrätin hat sich eingeschaltet“, lobt Mark Semrau heute.

Davon, dass das Projekt durchgezogen wird, können die Dassower aufgrund ihrer Erfahrungen mit den Investoren ausgehen. Semraus haben bereits etliche Häuser in der Stadt saniert. Sie setzten auch das viele Jahre leer stehende Volkshaus instand und schafften damit zusätzlichen Wohnraum für Menschen in jedem Alter, der gut angenommen wird.

Dassower Firma investierte in Landhandel und Gastronomie

1861 ließ die Firma Christian Callies den Getreidespeicher in Dassow für ihren Landhandel bauen. 1812 hatte Johann Christian Friedrich Callies den Betrieb gegründet. Er handelte zunächst mit Glas und Porzellan. 1830 ließ Callies ein repräsentatives Wohnhaus in der Lübecker Straße bauen. Dort ist heute ein Blumengeschäft untergebracht. Den Landhandel nahm die Firma Christian Callies 1860 auf. Sie sorgte auch dafür, dass 1890 zwei Ackerbürgerhöfe verbunden und zum Gasthaus Callies – dem späteren Volkshaus – umgebaut wurden. Dem Unternehmen gehörten Speicher in Dassow, Grevesmühlen, Klütz und Plau. 1872 verlegte die Firma ihren Hauptsitz nach Grevesmühlen.

1948 wurde der Betrieb enteignet. Der Speicher in Dassow ist der größte aus seinem früheren Besitz, der noch erhalten ist. jl

 Jürgen Lenz

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