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Nordwestmecklenburg Stieftochter missbraucht und gefilmt
Lokales Nordwestmecklenburg Stieftochter missbraucht und gefilmt
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21:31 08.03.2018
Der Angeklagte Ronald K. beim Verhandlungsauftakt im Saal des Schweriner Landgerichts. Quelle: Foto: M. Prochnow
Schönberg/Schwerin

Hat Ronald K. einem minderjährigen Mädchen Geld für Sex gegeben? Genau das wirft die Staatsanwaltschaft dem 53-Jährigen vor. Der Mann, der heute zusammen mit der Mutter des mutmaßlichen Opfers in Ratzeburg lebt, schweigt zu den Vorwürfen. Das Mädchen, das zu Beginn der angeklagten Taten im Jahr 2013 erst 14 Jahre alt war, ist die Tochter der Ehefrau des Mannes. Laut Anklageschrift habe er das Mädchen mehrfach zum Geschlechtsverkehr gezwungen und sie dabei fotografiert und gefilmt. Die entsprechenden Dateien hat die Polizei auf dem PC des Mannes gefunden. Bei einer Hausdurchsuchung im September 2015 wurde das Beweismaterial sichergestellt. Es handelt sich um umfangreiche Dateien, die der Angeklagte angefertigt hat. Aber zeigen diese Bilder und Filme auch das Opfer? Und wie alt war das Mädchen, als Ronald K. die Aufnahmen gemacht hat?

Das nächste Verfahren

Parallel läuft im Schweriner Landgericht das Verfahren gegen einen 43-Jährigen aus dem Klützer Winkel. Er hat eingeräumt, seine heute elf Jahre alte Stieftochter mehrfach missbraucht zu haben.

Aufgrund seines Geständnisses braucht das Opfer vor Gericht nicht auszusagen. Dem Angeklagten droht nun eine Haftstrafe zwischen fünf und fünfeinhalb Jahren.

Mutmaßliches Opfer erschien nicht zur Aussage

Diese und viele andere Fragen müssen der Vorsitzende Richter Armin Lessel und seine Kollegen in den nächsten Wochen versuchen zu beantworten. Einfach wird das nicht, vor allem nicht für das Opfer. Weil der 53-Jährige zu den Vorwürfen schweigt, muss das Mädchen, das heute 19 Jahre alt ist, in den Zeugenstand. Gestern sollte sie dort ihre Aussage machen, doch sie erschien nicht. Das Gericht hat sie erneut vorgeladen.

Ebenso wie die Geschwister des Mädchens und die leibliche Mutter, die mit dem Angeklagten nach wie vor zusammenlebt. Ronald K. beschrieb die Situation in der Familie gestern als „völlig normal“. Er habe in den rund 18 Jahren, in denen er mit der Mutter zusammenlebe, immer „für einen vollen Kühlschrank gesorgt. Es lief alles gut“.

Risse im angeblich harmonischen Familienleben

Doch hinter der Fassade der ursprünglich sechsköpfigen Familie verlief offenbar längst nicht alles so harmonisch wie der gelernte Betriebsschlosser es schilderte. Etliche Umzüge innerhalb weniger Jahre im Westen Nordwestmecklenburgs, ständig wechselnde Arbeitsstellen und mehrere gescheiterte Selbstständigkeiten offenbaren ein anderes Bild. Inzwischen ist Ronald K. schwer krank, seit etlichen Monaten arbeitslos und inzwischen wieder Alkoholiker. „Seitdem die Kripo unsere Wohnung durchsucht hat, habe ich wieder damit angefangen“, erklärte Ronald K. gestern vor Gericht. „Vier, fünf Hefeweizen am Tag sind schon drin.“ Weil seine Frau auch arbeitslos sei, lebe die Familie am Existenzminimum. Der Grund dafür liege laut K. „in dieser blöden Sache“. Mehr will er dazu nicht sagen.

Der 53-Jährige zeigte sich im Gerichtssaal – nachdem die Polizei ihn aus Ratzeburg geholt hatte („Ich war der Meinung, ich muss erst im April vor Gericht“) – als leutseligen Menschen, der seine Lebensgeschichte durchaus unterhaltsam schilderte. Wie sich herausstellte, war K. viele Jahre als Laienschauspieler bei einem plattdeutschen Theater aktiv, in den vergangenen Jahren hatte er immer wieder als Statist und in kleinen Nebenrollen bei Fernsehserien mitgespielt. „Niedrig & Kuhnt, Großstadtrevier und Notruf Hafenkante – habe ich alles gemacht.“

Missbrauch zieht sich über zwei Jahre

So redselig er sich zu seiner Vergangenheit gibt, so schweigt er dennoch zu den Vorwürfen. Die Anklagepunkte, die die Staatsanwaltschaft vorgetragen hat, zeichnen ein furchtbares Bild. So soll K. das Mädchen sogar gefesselt haben vor dem Missbrauch. Über einen Zeitraum von zwei Jahren sollen sich die Taten ereignet haben, schließlich war das Mädchen von zu Hause ausgezogen. Wenige Monate später erstattete sie Anzeigen gegen ihren Stiefvater. Die anschließende Wohnungsdurchsuchung erhärtete den Verdacht, dass das Mädchen Opfer eines systematischen Missbrauchs gewesen sein könnte.

Ohne Befragung der 19-Jährigen platzt das Verfahren

Doch das Verfahren gestaltet sich für die Juristen schwierig. Dass das mutmaßliche Opfer gestern nicht zur Verhandlung erschienen ist, weckt bei Gericht und Staatsanwaltschaft die Befürchtung, dass das Mädchen der Befragung über die Details der einzelnen Fälle aus dem Weg gehen will. Sollte die 19-Jährige von ihrem Aussageverweigerungsrecht wirklich Gebrauch machen, dann könnte das gesamte Verfahren platzen.

Michael Prochnow

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