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Streik der Busfahrer erwischte den Landkreis kalt

Grevesmühlen Streik der Busfahrer erwischte den Landkreis kalt

Die meisten Busse standen am Freitag in Nordwestmecklenburg still. Das kommunale Verkehrsunternehmen Nahbus wurde mit einem 24-stündigen Warnstreik belegt, den die Gewerkschaft Verdi überraschend am Donnerstagabend verkündet hatte. Die Abiturprüfungen konnten dennoch stattfinden.

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Nahbus-Streik: Auch nicht bei Verdi organisierte Busfahrer streikten mit — obwohl ihnen ihr Verdienstausfall nicht vergütet wird.

Quelle: Karl-Ernst Schmidt

Grevesmühlen. Doch das Chaos — vor allen Dingen im Schülerverkehr — blieb aus. Gestern liefen Abiturprüfungen am Grevesmühlener Gymnasium „Am Tannenberg“, zudem beging die Stadt den „Tag der Erneuerbaren Energien“ in Anwesenheit von Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) — zu dem einige Schulklassen erwartet wurden (lesen Sie Seite 12). Auch bei den Mathe-Abiprüfungen in Wismar, Neukloster und Dorf Mecklenburg lief alles glimpflich ab — es fehlte kein Schüler wegen des Streiks. Allerdings kamen andere Schüler aufgrund der Streikfolgen nicht zur Schule.

LN-Bild

Die Busse standen gestern still — Verdi hatte überraschend einen Warnstreik bei Nahbus verkündet / Abiturprüfungen in Nordwestmecklenburg konnten dennoch stattfinden.

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„Was den Schülerverkehr betrifft“, bekannte Nahbus-Betriebsratsmitglied Helgo Parton (59), „tut uns das schon leid. Doch wir hatten einfach keine andere Wahl.“ Die Busfahrer streikten gestern nicht für eine Lohnerhöhung. „Es geht um Rahmenbedingungen“, erklärt Christian Manke von der Gewerkschaft Verdi, „unter anderem um die Aufstockung des Krankengeldes im längeren Krankheitsfall, um Dienstzeiten, Schichtzulagen, Sonntagszuschläge und Einmalzahlungen.“

Doch am meisten Sorgen bereitet den Busfahrern — so war es gestern auf und vor dem Gelände von Nahbus in Grevesmühlen von den Streikenden zu hören — eine Quote, die im Vertrag des Unternehmens mit dem Kreis festgelegt wurde — die sogenannte Fremdvergabequote. „Im Moment werden 30,7 Prozent der Fahrleistungen von Nahbus von Subunternehmen abgedeckt“, erklärt Nahbus-Betriebsratsvorsitzender Rüdiger Jacobs (48). „Doch es sollen noch 10 Prozent mehr werden. Die Frage ist doch, woher die kommen sollen? Werden dann 25 bei Nahbus jetzt angestellte Busfahrer wieder gekündigt?“

Die Befürchtung von Jacobs und seinen Kollegen ist, dass eine weitere Aufstockung der Beschäftigung von Subunternehmen für Nahbus zu einer Ersparnis bei den Personalkosten führen soll. Die bei Nahbus direkt angestellten Fahrer sind zumeist besser bezahlt als ihre Kollegen in Subunternehmen. Die Gewerkschaft fordert die Beschränkung der Fremdbeschäftigung im Unternehmen auf 15 Prozent.

Landrätin Kerstin Weiss, die mit im Aufsichtsrat von Nahbus sitzt, wandte sich gestern um 10 Uhr mit einer Pressemitteilung an die Öffentlichkeit: „Ich fordere Verdi auf, den Streik sofort abzubrechen und an den Verhandlungstisch zurückzukehren." In vielen Bereichen, so die Landrätin, hätten doch bereits Einigungen erzielt werden können. Lediglich in drei Punkten seien Nachverhandlungen mit Verdi vorgesehen, die auch kurzfristig anberaumt werden sollten. Vor diesem Hintergrund, so Weiss, sei der Streik absolut unangebracht.

Ähnlich empfindet Jörg Lettau, Geschäftsführer bei Nahbus: „Ich verstehe, dass die Busfahrer verunsichert sind. Das neue Verkehrskonzept muss nach und nach modifiziert werden. Das schafft Verunsicherung. Und natürlich wird von den Kollegen eine gewisse Flexibilität erwartet.“ Doch die bis zu 40 Prozent Fremdbeschäftigung seien von Anfang an im Vertrag geregelt. „Wir brauchen zusätzlich, zum Beispiel in der Sommersaison, für unsere Spezialangebote weitere Subunternehmen. Es geht dabei nicht um Kündigungen.“

Von Annett Meinke

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