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Streit um Karpfenbesatz in Herrnburg

Herrnburg/Schwerin Streit um Karpfenbesatz in Herrnburg

Chefs des Kreisanglerverbandes und örtlichen Angelvereins über das Karpfen-Verbot im Duvennester Moor.

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Martin Bauer

Herrnburg.

Herrnburg Die öffentliche Kritik des Vorsitzenden des Herrnburger Angelvereins, Wolf Dietrich Reich, aufgrund des Besatzverbots von Karpfen im Duvennester Moor, hat für reichlich Wirbel gesorgt. Im LN-Interview nehmen der Vereinsvorsitzende und der Chef des Kreisanglerverbandes, Michael Engling, Stellung dazu.

Herr Reich, im Duvennester Moor darf kein Karpfen mehr neu besetzt werden. Was bedeutet das Verbot des Staatlichen Amtes für Landwirtschaft und Umwelt (Stalu) für die Angler im Verein?

Wolf-Dietrich Reich: Seit den Siebziger Jahren wurden dort immer Karpfen eingesetzt. Jetzt ist es seit gut drei Jahren nicht mehr erlaubt. Das trifft uns hart. Der Karpfen ist bei den Anglern sehr beliebt. Deshalb ist die Entscheidung der Naturschützer für uns schwer zu akzeptieren. Wir haben nur die beiden Gewässer hier bei uns. Es besteht die Gefahr, dass Mitglieder durch das Verbot austreten.

Herr Engling, gibt es noch andere Gewässer in Nordwestmecklenburg, in denen keine Karpfen besetzt werden dürfen?

Michael Engling: Der Ziegeleiteich in Grevesmühlen ist ebenfalls betroffen. Dort werden auch keine Karpfen wegen des Naturschutzes eingesetzt.

Welche Probleme verursacht der Karpfen im Duvennester Moor?

Engling: Durch die Karpfen ist eine nachweislich schlechtere Wasserqualität eingetreten. Die Karpfen wühlen wahrscheinlich den Boden auf und setzen so Nährstoffe frei. Hinzu kommt, dass sich der Wasserspiegel im Duvennester Moor gesenkt hat. Das alles hat dazu geführt, dass es den Sonnentau am Ufer des Duvennester Moores immer seltener gibt. Der Sonnentau ist eine fleischfressende Pflanze und bedroht. Da man vermutet, dass die Karpfen dafür verantwortlich sind, wurde entschieden, das Moor nicht mehr neu mit Karpfen zu besetzen. Gleichzeitig wird das Wasser angestaut, um zu schauen, ob sich die Situation für den Sonnentau dadurch verbessert.

Kann der Rückgang des Sonnentaus auch mit dem Angeltourismus zu tun haben, über den sich der Herrnburger Verein beklagt hatte?

Engling: Klar ist: Wo viele Karpfen sind, kommen auch viele Fremdangler. Am Duvennester Moor war das extrem. An den Wochenenden kamen sogar welche, die dort gecampt und sehr viel Müll hinterlassen haben. Durch die vielen Angler wurden an den Ufern natürlich auch viele Pflanzen zertreten, was durchaus zu einem Rückgang des Sonnentaus geführt haben kann.

Der Herrnburger Verein hat das Duvennester Moor mit Schleien besetzt. Und das obwohl, Schleie auch gründeln.

Engling: Das stimmt. Die Grundproblematik besteht. Denn so groß ist der Unterschied zwischen Karpfen und Schlei nicht.

Können Angelvereine sich gegen das Verbot das Stalu wehren?

Engling: Nein. Da kommen sie nicht gegen an. Es ist ein Verbot. Man darf auch nur mit 50 Stundenkilometern durch die Ortschaft fahren.

Aber es scheint so, als wenn der Angelverein in Herrnburg Probleme durch die Auflagen hat.

Engling: Es wurde jahrelang viel gemacht im Duvennester Moor und im Friedsaal. In den Jahren, in denen wir intensiveren Fischbesatz betrieben haben, stieg die Mitgliederzahl auf über 70.

Jetzt sind es nur noch 44 Mitglieder. Das ist bitter, aber Naturschutzbelange gehen nun einmal vor. Ob das immer gut ist, weiß ich nicht.

Wie meinen Sie das?

Engling: Wir müssen meiner Meinung nach auch aufpassen, dass sich der Naturschutz nicht zu sehr gegen die dort lebenden Menschen richtet. Irgendwo müssen die Angler bleiben.

Wie beurteilen Sie die Entscheidung des Stalu, Herr Reich?

Reich: Grundsätzlich ist es gut, dass Gewässer an der ehemaligen Grenze, wo die Natur wachsen konnte wie sie wollte, geschützt werden. Was ich aber vermisse, ist eine schriftliche Begründung von den Naturschützern oder vom Landesanglerverband, dass es nicht erlaubt ist, Karpfen ins Duvennester Moor einzusetzen. So ein Schreiben gibt es seit Jahren nicht. Das heißt, ich muss mich jedes Mal vor unseren Mitgliedern rechtfertigen, kann ihnen aber nichts Schriftliches zeigen.

Nun hat der Herrnburger Verein ja noch ein anderes Problem. Im Friedsaal, dem zweiten Pachtgewässer, gibt es zu viele Welse?

Reich: Wahrscheinlich ist, dass sie jemand aus seinem Teich dort ausgesetzt hat. Der Wels ist sehr resistent. Er frisst alles, den Weißfischbestand im Friedsaal, sogar die eigene Brut.

Was kann der Verein machen, um den Welsbestand zu verringern?

Reich: Wir als Verein haben da eigentlich keine Möglichkeit. Man kann zwar regelmäßig angeln, aber man wird nie alle rausbekommen. Eine Überlegung wäre, sie elektrisch abzuangeln. So etwas muss der Kreisangel- oder der Landesanglerverband entscheiden.

Nabu weist Vorwürfe zurück
Martin Bauer vom Naturschutzbund-Kreisverband Nordwestmecklenburg und Wismar ist empört über Wolf-Dietrich Reich, den Vorsitzenden des Angelvereins Herrnburg. Grund: Reich äußerte zuletzt, der Naturschutzbund (Nabu) hätte beschlossen, dass es keine Karpfen mehr im Duvennester Moor geben dürfe. „Der Nabu hat den Einsatz von Karpfen im Duvennester Moor nicht verboten. Wir haben damit nichts zu tun.“
Seit 2012 greift für die Herrnburger Binnendüne und das Duvennester Moor ein Management-Plan. Das als Fauna-Flora-Habitat ausgeschriebene, etwa 155 Hektar große Areal ist europäisches Schutzgebiet.
Der Plan stammt vom Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt (Stalu) Westmecklenburg. Darin sind unter anderem auch Festlegungen zum Fischbestand enthalten. Bauer: „Diese Absprachen wurden auch mit dem Landesanglerverband getätigt. Eigentlich müsste auch Herr Reich darüber Bescheid wissen.“ Doch es sei nicht das erste Mal, dass der Vereinschef da etwas durcheinander bringe. Nils Meyer, Stalu-Mitarbeiter in der Fachabteilung Naturschutz, Wasser und Boden, erklärt: „Für den Lebensraum wurde vereinbart, drei Jahre auf Karpfenbesatz zu verzichten.“ Denn das etwas über vier Hektar große Gewässer soll sich erholen. Die Fische haben in den zurückliegenden Jahren für starke Aufwirbelungen am Grund gesorgt. Dort suchen sie nach zugeführtem Futter. Angler hätten die Karpfen in der Vergangenheit besonders mit Mais gefüttert, meint Bauer. Nun sei das Gewässer überdüngt. „Der Zustand des Moors hat sich extrem verschlechtert. Es wird auch viel Müll gefunden“, moniert er. Doch ein Karpfen-Verbot gibt es nicht, betont Meyer. „Mit dem Landesanglerverband wurde sich auf einen freiwilligen Verzicht geeinigt.“ Ob dieser Verzicht verlängert wird, ist noch unklar. Denn eine Auswertung neuer Wasserproben stehe noch aus.
Unabhängig von den Ergebnissen stellen Nabu und Stalu das Karpfenangeln im Duvennester Moor infrage. „Es ist von Natur ein nährstoffarmes Gewässer und damit kein typischer Lebensraum für diese Fische“, betont Bauer.

Heid Interview von Mathias Öldorp

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