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Nordwestmecklenburg Studie fragt: Sind wir heute anders krank?
Lokales Nordwestmecklenburg Studie fragt: Sind wir heute anders krank?
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22:22 05.11.2013
Yoga, Tai Chi und Entspannungstechniken helfen, Lebensbereiche auszubalancieren.“ Sabine Schirmann, Fachdienst Gesundheit

Der Trend ist alarmierend: Psychische Erkrankungen nehmen zu. Allein im Landkreis Nordwestmecklenburg sind etwa 7790 Menschen von Depressionen betroffen, deutschlandweit sind es vier Millionen. Hinzu kommen Menschen mit Angststörungen, „Burn out“ und anderen psychosomatischen Beschwerden. „Die Zunahme der Arbeitsunfähigkeiten aufgrund psychischer Erkrankungen ist seit Jahren die auffälligste Entwicklung“, so gestern Mario Krause, Chef der DAK-Geschäftsstelle in Wismar. Er legte den DAK-Gesundheitsbericht mit der Frage „Sind wir heute anders krank?“vor.

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Zwar ist der Krankenstand im Land gesunken, doch seelisches Leid nimmt laut Studie zu.“ Mario Krause, DAK-Chef

„Ja, das sind wir“, so Dr. Bernd Sponheim, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie im Sana-Klinikum Wismar. „Eine aktuelle Studie der Robert-Koch-Stiftung hat ergeben, dass mittlerweile jeder Dritte unter einer psychosomatischen Störung leidet.“ Außerdem machte der Chefarzt aufmerksam, dass etwa zwei Drittel der Symptome bei Depression sich körperlich zeigen. Rückenbeschwerden sind ein Beispiel.

Sie führen die Liste der Krankheiten nach wie vor an.

Über Gründe und Hintergründe von seelischen Leiden, deren Kurve in allen Statistiken rasant steigt, wird immer offener gesprochen. Die DAK-Studie beschäftigte sich unter anderem mit der Frage, welche Rolle die Arbeitswelt bei diesen Entwicklungen spielt.

„Wir wissen und erleben es doch täglich selbst, wie das Tempo, der Druck und die Arbeitsverdichtung zunehmen“, so Landrätin Birgit Hesse (SPD), deren Handy während der Pressekonferenz mehrmals aufleuchtete. Wie bestellt für das Phänomen der „ständigen Erreichbarkeit“, mit dem sich die DAK-Studie ebenfalls beschäftigte. „Hier bedarf es einer Korrektur“, so Mario Krause. „Ständige Erreichbarkeit ist eine Ausnahme. Mehr als die Hälfte der Beschäftigten in Mecklenburg-Vorpommern lesen nie oder fast nie außerhalb der Arbeitszeit ihre E-Mails oder haben gar keine. Die elf Prozent, die es täglich betrifft, haben jedoch ein erhöhtes Risiko, dass sich bei Dauerbelastung eine depressive Symptomatik entwickelt.“

Eigenverantwortung und Entschleunigung sind keine abgehobenen Zauberworte, sondern die Herausforderung in einer oft aus den Fugen geratenen Arbeitswelt. „Yoga, Muskelentspannung, Sport und andere Kurse können helfen, die Lebensbereiche gesund auszubalancieren“, gab Sabine Schirmann, Leiterin vom sozialpsychatrischen Dienst bei Landkreis, praktische Tipps. „Auch die Arbeitgeber sind gefragt, Druck rauszunehmen“, so Mario Krause.

„Es sind vor allem junge Leute, die heute nicht mehr gewillt sind, sich allem widerstandslos anzupassen“, erklärte Dr. Bernd Sponheim. „Ich bin seit 20 Jahren Arzt und beobachte auch bei meinen jungen Kollegen, dass diese sich sehr viel besser abgrenzen können. Sie bestehen auf genügend Raum für Familie und Freizeit. Geld ist für sie nicht alles.“

Gesamtgesellschaftlich kommt einiges in Bewegung. Birgit Hesse: „Der Diskurs miteinander ist wichtig.“

Blick in den DAK-Gesundheitsreport 2013
Der Krankenstand im Landkreis ist 2012 gesunken. Die Ausfalltage nahmen um 0,4 Prozentpunkte ab. Mit 4,8 Prozent hatte die Region aber einen höheren Krankenstand als der Landesdurchschnitt mit 4,6 Prozent.


Von 1000 DAK-versicherten Arbeitnehmern waren an jedem Tag des Jahres 48 krankgeschrieben.


Der niedrigste Wert in Mecklenburg-Vorpommern wurde mit 4,2 Prozent in der Region Schwerin verzeichnet, der höchste in der Region Ludwigslust und Hagenow mit 6,0 Prozent.

29Prozent beträgt der Anteil der Erkrankungen am Muskel-Skelett-System im vergangenen Jahr. Es folgen Erkrankungen des Atmungssystems sowie Verletzungen und Unfälle mit jeweils 13 Prozent.

10,3 Prozent beträgt der Anteil psychischer Erkrankungen. Dort ist die Tendenz steigend und die Langzeiterkrankungen häufen sich.164 Prozent: Um so viel stieg die Zahl der Fehltage in Mecklenburg-Vorpommern aufgrund psychischer Erkrankungen von 2000 bis 2012. Im Bundesgebiet sind es 85 Prozent.

Mecklenburg-Vorpommern ist damit Spitzenreiter.


Die in die Studie einbezogenen Ärzte sehen in Arbeitsverdichtung, Konkurrenzdruck und langen Arbeitszeiten eine Ursache für mehr Krankschreibungen mit psychischen Diagnosen. Hier ist ein Umdenken gefragt.

Ina Schwarz

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