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Nordwestmecklenburg Sturmflut gefährdet weitere Suche am Kap Arkona
Lokales Nordwestmecklenburg Sturmflut gefährdet weitere Suche am Kap Arkona
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14:07 08.01.2013
Quelle: dpa

Bei der schwierigen Bergung der verschütteten Katharina stehen die Einsatzkräfte auf Rügen vor einer neuen Herausforderung: Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) sagt für Freitag - den elften Tag nach dem tödlichen Erdrutsch - eine Sturmflut mit Wasserständen von einem Meter bis 1,30 Meter über Normal für die Nordspitze der Insel Rügen voraus.

Bei Windstärken von 7 bis 8 sei zudem mit einer zusätzlichen Wellenbelastung von einem bis zu 1,50 Meter zu rechnen, sagte Ines Perlet vom BSH in Rostock am Donnerstag der dpa. „Damit steht vermutlich der gesamte Strandbereich unter Wasser.“

Trotz der widrigen Witterungsverhältnisse soll ein Spezialbagger am Freitag nach Juliusruh gebracht werden, sagte Einsatzleiter Daniel Hartlieb. Ob das Kettenfahrzeug - wie ursprünglich geplant - allerdings noch am selben Tag die knapp zehn Kilometer entlang des Strandes bis zur schwer zugänglichen Unglücksstelle fährt, ist ungewiss. Die Entscheidung werde am Freitag morgen von der aktuellen Hochwasserlage abhängig gemacht.

Die zehnjährige Katharina war am zweiten Weihnachtsfeiertag bei einem gemeinsamen Spaziergang mit seiner Mutter und der 15-jährigen Schwester an der Steilküste des Kap Arkonas verschüttet worden. Mutter und ältere Schwester wurden verletzt. Sturm, Wind und zuletzt ein erneuter Erdrutsch hatten die Einsatzkräfte immer wieder zum Abbruch der Bergungsarbeiten gezwungen.

Nach Angaben des BSH wird der Wasserstand den gesamten Freitag hoch bleiben und erst im Laufe des Samstags wieder langsam zurückgehen.

Nach dem tragischen Erdrutsch hat die Gemeinde Putgarten erste Konsequenzen gezogen. Zusammen mit Fachleuten wird das Gefahrenpotenzial an Rügens Nordküste analysiert. Auf Grundlage dieser Daten würden dann weitere Maßnahmen zur Sicherung des Kap Arkonas abgeleitet, sagte Putgartens Bürgermeister Ernst Heinemann. Das Landesamt für Umwelt, Natur und Geologie stellt alle verfügbaren geologischen Daten aus seinen Archiven und Katastern zur Verfügung.

Ingenieurbüros, die bereits bei Hangabbrüchen in der Nachbargemeinde Lohme tätig waren, werden auf Grundlage dieser Daten bis zur kommenden Woche eine erste Gefahreneinschätzung vornehmen. In Lohme war im März 2005 ein Küstenhang auf 130 Meter Breite rund 40 Meter in die Tiefe gestürzt. Ein Diakonieheim stand unmittelbar an der Abrisskante und musste abgerissen werden. Danach wurden am bebauten Nachbarhang ein Drainagesystem und Messsonden installiert.

Die Ingenieure werden in den nächsten Wochen prüfen, ob sich Drainagesysteme und Messsonden für das Kap Arkona eignen. Der LUNG-Geologe Karsten Schütze warnte vor einer Überschätzung solcher Messsysteme. Der Einsatz sei teuer. Zudem würde er die Menschen in falscher Sicherheit wägen. „In Lohme ereignete sich der Küstenabbruch innerhalb von acht Sekunden.“

Am Kap Arkona bleibt die nur wenige Meter von der Kliffkante entfernt stehende Nebelsignalstation bis auf weiteres geschlossen. In dem 1860 erbauten Gebäude informiert eine Ausstellung über die Geschichte der Seenotrettung.

LN

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