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Nordwestmecklenburg Tagesbereitschaft der Wehr steht
Lokales Nordwestmecklenburg Tagesbereitschaft der Wehr steht
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21:33 28.01.2016
Das ist kein Thema, bei dem man sich irgend- wann entspannt zurücklehnen kann.“ Wehrführer Sebastian Hacker über die Tagesbereitschaft

Den Tag über nicht einsatzbereit zu sein, weil alle auswärts unterwegs sind? Das ist kein Schmerzpunkt für die Freiwillige Feuerwehr Boltenhagen. Von den 31 zur aktiven Truppe gehörenden Brandschützern können 13 in der Regel ihren Arbeitsplatz im Ort verlassen, werden sie zu einem Einsatz gerufen. Unterstützung bekommen sie zudem von vier Mitstreitern anderer Feuerwehren, die ebenfalls in Boltenhagen oder in einem Fall sogar in Klütz arbeiten. Außerdem können die Boltenhagener je nach Verfügbarkeit aus ihren eigenen Reihen noch auf drei Schichtarbeiter zurückgreifen.

Glückliche Fügung? Hat sich so ergeben? Keineswegs. „Immer mehr Leute haben auch bei uns außerhalb gearbeitet. Da hilft kein Jammern. Wir mussten aktiv werden und haben uns die Arbeitgeber mit ins Boot geholt“, erklärt Sebastian Hacker (35). Der Wehrführer erinnert sich daran, wie er selbst seinerzeit bei der Ostsee-Service-Boltenhagen GmbH zu arbeiten anfing. Als Einsätze in der Arbeitszeit zur Debatte standen, habe Geschäftsführer Heiko Subat gesagt, „du gehst, das ist wichtig für den Ort“. Inzwischen trifft das nicht nur auch für Hackers Bruder Mathias (30) zu, sondern neben dem Zugführer noch für weitere drei seiner Kameraden. Sie arbeiten ebenfalls bei der Firma, die Wohneigentum verwaltet, Ferienwohnungen vermietet und über einen Hausmeisterservice verfügt.

Und was sagt Heiko Subat heute dazu? „Es ist wichtig für die Sicherheit im vom Tourismus geprägten Ort, dass die Feuerwehr funktioniert“, erklärt der 44-Jährige. Außerdem müssen seine Mitarbeiter in der Tourismusbranche flexibel sein, was die Arbeitszeiten angehe, auch am Wochenende da sein. Im Gegenzug komme er ihnen entgegen. Ein gutes Miteinander wirke sich außerdem positiv auf den Arbeitsalltag aus, erklärt er.

Seit gut vier Jahren sind die Boltenhagener am Thema dran, haben ihre Bemühungen im Vorjahr noch intensiviert und nehmen den Firmen die Angst: Lediglich 23 Einsätze von 75 in 2015 fanden zwischen 6 und 18 Uhr statt. Im Ergebnis werden Brandschützer jetzt mitunter bevorzugt eingestellt. „Wir gehen auf die Arbeitgeber zu,“ erklären die Hackers, wie sie Wege ebnen, wie Kompromisse gemacht werden — nicht jeder kann beispielsweise jederzeit seine Arbeit unterbrechen. Auch Absprachen mit anderen Wehren haben dazu geführt, dass in Boltenhagen oder sogar Klütz Beschäftigte mit der Wehr des Ostseebades ausrücken dürfen. Das gehe nicht zulasten der jeweiligen Kommune. Einsatzkleidung und Pieper würden von Boltenhagen gestellt, betont Sebastian Hacker, dankbar für die gute Zusammenarbeit mit der eigenen Gemeinde. Auch das wird hervorgehoben: „Mit so viel positiver Resonanz bei den Arbeitgebern hätten wir gar nicht gerechnet.“

Kritik allerdings geht an den Landesfeuerwehrverband. Plakatwerbung unter dem Motto „Wir haben noch Plätze frei!“ bringe aus Sicht der Boltenhagener keinen Erfolg. Stattdessen regen Sebastian und Mathias Hacker an, das Grundausbildungssystem zu überarbeiten, um Anreize für das Ehrenamt und potenzielle Mitstreiter zu schaffen. Sie fragen: „Warum müssen in der Jugendwehr gut ausgebildete junge Leute beim Wechsel in die aktive Truppe noch mal viel Freizeit für den kompletten Lehrgang opfern?“

Die Boltenhagener indessen sind stolz auf das Erreichte. „Wir können mit gutem Gewissen die neue Saison angehen“, betont der Wehrführer.

Firma/FF-Mitglieder
Ostsee-Service Boltenhagen     5


Regenbogen-Camp           2


Boltenhagener Grundstücks-
service                 3


Strandklinik               1


Ostseeklinik               1


Bauhof Boltenhagen           2


Bäderbahn Boltenhagen       1


Boltenhagen.Travel           1  



Auto-Service Schilling Klütz     1

Cornelia Roxin

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