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Nordwestmecklenburg Telefon-Vertrag aufgeschwatzt: Frau erstattet Anzeige
Lokales Nordwestmecklenburg Telefon-Vertrag aufgeschwatzt: Frau erstattet Anzeige
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00:00 13.10.2012
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Nordwestmecklenburg

Veronika Schmidt ist ärgerlich. Über sich selbst und über den Vertreter (Name ist der Redaktion bekannt), der an ihrer Tür klingelte. „Dass ich darauf reingefallen bin“, sagt die 55-Jährige. Aber die Rolofshagenerin ist nicht die Einzige, der ein neuer, angeblich günstiger Telefonvertrag mit mobilcom-debitel aufgeschwatzt worden ist. In Wismar wurde vorgestern bekannt, dass eine Marlower Firma seit einigen Tagen versucht, per Hausbesuch Festnetzerträge abzuschließen (OZ berichtete). Prompt meldeten sich mehrere Leser auch in der Grevesmühlener Redaktion. Unter ihnen Veronika Schmidt. „Ich habe mir seinen Gewerbeausweis zeigen und eine Visitenkarte geben lassen“, ärgert sie sich, dass sie dem nett auftretenden Mann Gehör und auch ihr Vertrauen geschenkt hatte. Im Internet recherchiert, musste sie nun feststellen, dass es die Firma S. M. Marketing in Marlow, als deren Vertreter sich der Mann ausgab, gar nicht gibt – zumindest ist sie dort nicht gelistet. Eine von ihm hinterlassene Telefonnummer rief Veronika Schmidt bereits mehrfach an und wurde von einem Servicemitarbeiter damit vertröstet, dass sich der Vertreter melden würde. Nichts geschah. Fristgerecht widerrief sie den Vertrag und erstattete nun sogar Anzeige bei der Polizei. Laut Polizeisprecher André Falke taten es viele der verärgerten Rolofshagenerin gleich. „Bei uns in Wismar sind mehrere Anzeigen eingegangen“, bestätigte er gestern auf Anfrage. Über den Tisch gezogen fühlt sich auch Helga Grohe. Es klang alles so verlockend. „Ich bin angerufen worden. Die Dame am Telefon sprach von einer Grundgebühr von 9,95 Euro“, erinnert sich die 72-Jährige. Es wurde ein Termin vereinbart. Als der Vertreter sie zu Hause besuchte, war von dem günstigen Angebot keine Rede mehr. Und dennoch hat sie unterschrieben. „Ich weiß auch nicht warum“, gesteht sie. „Er wollte alles abwickeln, meinen Vertrag bei meinem jetzigen Telefonanbieter kündigen!“ Nett und zuvorkommend sei er gewesen. „Ich habe später mit meinen Kindern darüber gesprochen, die mir sofort rieten, den Vertrag zu widerrufen“, erzählt die Grevesmühlenerin. Gesagt, getan. Ein Widerruf reichte allerdings nicht aus. An drei Institutionen musste sie schreiben. Als bodenlose Frechheit bezeichnet sie das.Die Möglichkeit des Widerrufs empfiehlt Matthias Wins dringend. „Dann ist eigentlich wieder alles auf Null gedreht“, umschreibt der Jurist in der Verbraucherzentrale. 14 Tage hätten die Betroffenen nach Vertragsschluss Zeit. Sollten die zwei Wochen bereits verstrichen sein, gäbe es noch eine andere Möglichkeit. „Da 9,95 Euro versprochen worden sind, aber unterm Strich ein anderer Betrag fällig ist, handelt es sich um eine arglistige Täuschung. Somit haben die Betroffenen die Möglichkeit der Anfechtung des Vertrages“, schildert Matthias Wins. „Allerdings muss anders als beim Widerspruch eine Begründung angegeben werden“, erklärt der Jurist. Eine Anfechtung wegen einer Täuschung ist grundsätzlich binnen eines Jahres ab dem Zeitpunkt auszusprechen, in dem der Anfechtungsberechtigte die Täuschung entdeckt hat beziehungsweise die Zwangslage endete. So sieht es das Gesetz vor.Sollten die Betroffenen eine Einzugsermächtigung erteilt haben, und Geld wurde tatsächlich abgebucht, „können sie die Summe von ihrer Bank innerhalb von acht Wochen zurückbuchen lassen“, weiß Wins. Er empfiehlt dringend, regelmäßig die Kontoauszüge zu überprüfen. Eine Anzeige, so wie sie Veronika Schmidt erstattet hat, hält er für richtig. „Dann ist es Sache der Ermittlungsbehörde!“Eigentlich hätte Helga Grohe gedacht, sie hätte nach den drei Widersprüchen Ruhe. Doch: „Zunächst kam ein Begrüßungsschreiben und einen Tag später die Bestätigung, dass die Einzugsermächtigung zurückgenommen worden ist und nun Rechnungen kommen würden. Vorgestern kamen aber meine PIN-Nummern für den neuen, eigentlich widerrufenen Vertrag“, ärgert sie sich über das Hin und Her. „Ich will mit denen nichts mehr zu tun haben.“ Das verdeutlicht auch Walter Krieg (Name geändert) aus einem Dorf bei Grevesmühlen. „Erst wollte ich nicht unterschreiben“, erzählt er am Telefon. Mit angeblichen Familiengeschichten aus dem Alltag habe der Vertreter versucht, das Vertrauen des 68-Jährigen zu erschleichen. „Und dann hat er regelrecht auf mich eingeredet, wie toll der neue Vertrag doch wäre, und das ich damit nur Vorteile hätte“, erinnert sich der sonst vorsichtige Rentner. Aber auch er zückte schließlich den Kugelschreiber und unterzeichnete. „Mich wunderte, dass er mir keine Kopie des Vertrages oder sonstige Unterlagen hinterließ“, erzählt er. Somit hat er auch noch keinen Widerspruch eingelegt, will sich nun aber einen Anwalt nehmen.Der Vertreter der Marlower Firma war für die Lübecker Nachrichten gestern nicht zu erreichen.

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