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Teures Ehrenamt: Rettungsschwimmer dringend gesucht

Boltenhagen/Grevesmühlen Teures Ehrenamt: Rettungsschwimmer dringend gesucht

Nach dem tragischen Tod eines kleinen Mädchens im Schweriner See wird über den Mangel an Rettungskräften diskutiert.

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Frank Bendiks

Boltenhagen. Vor wenigen Tagen ist ein vierjähriges Mädchen am Zippendorfer Strand in Schwerin ertrunken. Die genauen Umstände, warum das Kind allein im Wasser war, sind noch unklar. Fest steht, dass die Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuzes aus Personalmangel keinen Rettungsschwimmer für diesen Strandabschnitt zur Verfügung stellen konnte. Der Strand war, wie viele andere im Binnenland auch, unbewacht. Denn es gibt zu wenig Freiwillige, die als Lebensretter ihre Freizeit opfern. „Für 15 Euro Aufwandsentschädigung pro Tag stellt sich kaum noch jemand an den Binnenseen zur Verfügung“, moniert auch Rettungsschwimmerausbilder Frank Bendiks aus Testorf.

Ganz anders sieht es an der Ostseeküste aus. Hierhin zieht es unter anderem viele Rettungsschwimmer aus den südlichen Bundesländern. Ein Mangel sei in der Hauptsaison nicht erkennbar, sagt Boltenhagens Kurdirektorin Claudia Hörl. 40000 Euro gibt die Kurverwaltung jedes Jahr für den Einsatz von 25 Rettungsschwimmern aus, die in der Saison den Strand absichern. Insgesamt werden 110 Rettungsschwimmer vom 15. Mai bis zum 15. September eingesetzt.

Die bekommen je nach Qualifikation zwischen 21,50 und 24,50 Euro pro Tag sowie freie Kost und Logis. „Wir haben auch in die Unterkünfte investiert, die Rettungsschwimmer kommen gerne her“, sagt die Kurdirektorin. Rettungsschwimmerausbilder Frank Bendiks sieht die Motivation der Einsatzkräfte allerdings in Gefahr. „Auch wenn wir unseren Arbeitseinsatz ehrenamtlich leisten, würde man sicherlich mit etwas mehr finanziellem Aufwand auch Rettungsschwimmer für die Binnenseen finden. Der Tod des vierjährigen Mädchens wäre vielleicht vermeidbar gewesen“, sagt der 50-Jährige. Am Tag des Unfalls waren die Rettungskräfte aus einem benachbarten Freibad in wenigen Minuten zur Stelle, doch die Hilfe direkt vor Ort war nicht gegeben. „Vielleicht sollte man tatsächlich über den Mindestlohn pro Stunde nachdenken. Sicherlich würde sich dann jemand finden“, erklärt Frank Bendiks und verweist auf die Gründung einer Rettungsschwimmergruppe am Grevesmühlener Gymnasium.

Hier stellte Ausbilder Frank Schuster in wenigen Monaten eine einsatzfähige Truppe auf die Beine, organisiert Lehrgänge und Ausbildungen. „Wir als DLRG arbeiten auch ehrenamtlich, doch als mein Sohn eine Anfrage aus Kalkwerder bekam, ob er dort als Rettungsschwimmer tätig sein würde, lehnte er ab. 450 Euro im Monat stehen jeden Tag fast 90 Kilometer mit dem Auto gegenüber. Das rechnet sich in keinster Weise“, so Bendiks.

Für die Deutsche Lebenrettungsgemeinschaft arbeiten bundesweit 50000 Rettungsschwimmer. 5000 von ihnen sind an der Ostseeküste eingesetzt und werden von der Zentrale in Bad Nenndorf koordiniert.

„Sie arbeiten von den Ostfriesischen Inseln bis Rügen“, erklärt der Pressesprecher der DLRG, Achim Wiese. Probleme gibt es in der Hauptsaison nicht. „Wenn in der Vorsaison noch keine Ferien sind, kann es schon mal zu Engpässen kommen", sagt der 55-Jährige. Für die Binnenseen seien allerdings die Landesverbände verantwortlich. Sollten Strandabschnitte nicht besetzt sein und das durch nicht gehisste gelb-rote Flaggen gekennzeichnet sein, sind die Badegäste alleine für ihr Tun verantwortlich, erklärte Achim Wiese. Ähnlich verhielt es sich auch in Zippendorf. Zudem hatte die Wasserwacht rechtzeitig angezeigt, dass kein Personal zu Verfügung steht. „Und damit schließt sich wieder der Kreis. Mit etwas mehr finanziellem Aufwand wäre das vielleicht nicht passiert“, sagt Frank Bendiks.

M. Freitag

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