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Nordwestmecklenburg Tierschützer und Verwaltung streiten um freilaufende Katzen
Lokales Nordwestmecklenburg Tierschützer und Verwaltung streiten um freilaufende Katzen
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20:13 30.12.2017
Katzenfreunde: Die ehrenamtliche Leiterin des Tierheims in Dorf Mecklenburg, Doreen Kuhn (l.), mit „George“. Tierheim-Mitarbeiterin Jessica Juds trägt „Silvia“. FOTOS (2): NORBERT WIATEREK

. Verunsicherung und Schuldzuweisungen: Tierfreunde werfen der Verwaltung im Amt Dorf Mecklenburg-Bad Kleinen vor, sich nicht adäquat um gefundene (Haus-)Katzen zu sorgen. Das Amt weist dies zurück und verweist darauf, dass wilde Samtpfoten nicht in Obhut genommen werden dürfen.

Amt Dorf Mecklenburg-Bad Kleinen lässt aufgegriffene Samtpfoten nach Schwerin bringen und spart so Geld / Einige Bürger fordern andere Lösung.

„Im Amt hat man wohl wenig Erfahrung mit Tieren“, sagt Werner Milschewski aus Hohen Viecheln. Der Rentner berichtet von einer kleinen Katze, die er bei einem Spaziergang auf dem Moidentiner Weg, Höhe „Roter Stern“, aufgegabelt hatte. „Das Kätzchen hat zuerst ein bisschen gefaucht, sich dann aber sofort bei mir eingeknuddelt und geschnurrt. Es war sehr hungrig.“ Milschewski brachte den Vierbeiner zum Amt, das seit Januar 2017 einen Vertrag mit dem Tierheim in Schwerin-Warnitz zur Aufnahme und Versorgung von Fundtieren hat. „Im Amt wurde mir gesagt, dass die Katze im Bauhof in Bad Kleinen ,zwischengelagert’ und dann nach Schwerin gebracht wird. Aber ich hatte ein ungutes Gefühl, wollte die Katze wieder abholen und selber nach Schwerin bringen.“ Dann habe Hundebesitzer Milschewski jedoch erfahren, dass das Tier wieder am „Roten Stern“ ausgesetzt worden sei. „Wenn solche Verhältnisse herrschen, wenn Leute das Sagen haben, die sich nicht mit Tieren auskennen, missfällt mir das“, so der Hohen Viechelner.

Enttäuscht ist auch Ingrid Schwarzmüller aus Wismar. Die Hansestädterin fand in Petersdorf eine am Auge verletzte Katze und brachte sie zum Tierheim in Dorf Mecklenburg. Dies kontaktierte das Amt, das den Vierbeiner abholen ließ. „Die Katze soll jetzt in einer Pflegestelle sein. Als ich mich beim Amt nach dem Zustand des Tieres erkundigte, reagierte man schroff“, bedauert Schwarzmüller.

Heidelinde Griephan aus Gallentin kümmert sich seit vielen Jahren um freilaufende Samtpfoten. „Kürzlich habe ich eine Katze mit fünf Welpen gefunden. Nach einem Anruf im Amt wollte sich jemand um die Tiere kümmern. Dabei blieb es bis heute. Das Problem ist aber da. Nun ziehen die Katzen, die nicht kastriert sind, durch Gallentin“, so die Erfahrung der Frau.

„Eigentlich gibt es keine Probleme“, erklärt Eckhard Rohde. Der Leitende Verwaltungsbeamte des Amtes betont: „Man muss zwischen entlaufenen Hauskatzen und wilden Tieren unterscheiden.“ Die in Hohen Viecheln gefundene Katze habe nicht zur ersten Gruppe gehört. „Tierschutz und Tierliebhaberei in allen Ehren. Aber man muss auch akzeptieren, dass es Freigänger gibt. Wenn sie eingesperrt werden, verenden sie eher, als dass sie überleben“, sagt Rohde. „Die meisten dieser Katzen werden von niemandem gesucht. Klar ist, wenn wir eine Katze bekommen, die um die Beine streicht, dann kümmern wir uns auch um sie.“ In Bad Kleinen sei extra eine artgerechte Unterbringung gebaut worden. „Bürger können sich mit Tierproblemen immer an mich oder einen anderen Amtsmitarbeiter wenden“, verspricht Eckhard Rohde. „Oder sie bringen gefundene Haustiere ins Heim nach Schwerin. Im Amtsblatt gab es einen entsprechenden Hinweis.“ Auch an der Eingangstür des Amtsgebäudes in Dorf Mecklenburg hängt ein entsprechender Info-Zettel.

„In der Praxis sieht es häufig anders aus. Die Leute stehen vor unserem Tierheim in Dorf Mecklenburg. Und dann fangen die Huddeleien an, weil zum Beispiel nach Feierabend, am Wochenende oder an Feiertagen niemand im Amt erreichbar ist. Die Leute sind gefrustet und verstehen nicht, warum sie die Tiere nicht bei uns abgeben können“, schildert die ehrenamtliche Leiterin des Heims, Doreen Kuhn, ihre Erlebnisse. „Tiere und Bürger sind die Leidtragenden.“

Petra Bolbeth, Tierärztin und im Vorstand des Tierschutzvereins Wismar und Umgebung: „Ich weiß, dass Finder im Amt zu hören bekommen: Wenn ihr die Katze behaltet, übernehmen wir die Kastration. Man kann Fundtiere aber doch nicht einfach verschenken. Damit nimmt man den ursprünglichen Eigentümern die Möglichkeit, ihr Tier wiederzufinden. Das Amt“, sagt Bolbeth, „wimmelt ab, setzt Haustiere sogar wieder aus, fordert auf, die Kreaturen nicht zu füttern, damit sie verschwinden. Wir weinen Tränen, dass wir es den Leuten nicht einfacher machen können. Sie werden sich ein- oder zweimal um Tiere kümmern, dann aber bestimmt nicht mehr.“

Die Kritik, dass Fundtiere statt im Tierheim in Dorf Mecklenburg nun in der Einrichtung in Schwerin untergebracht werden, lässt Rohde nicht gelten. „Dies hat der Amtsausschuss im November 2016 so beschlossen. Dies setzt die Verwaltung um. Im Wesentlichen hat sich das gut eingespielt. Wir sind nicht für den Tierschutz zuständig, sondern der Landkreis.“ Klar sei außerdem, dass man sparsam mit öffentlichen Mitteln umgehen müsse. Durch den neuen Vertrag würden nun jährlich knapp 10000 Euro für die Tierunterbringung ausgegeben. „Und es gibt jetzt kurioserweise deutlich weniger Fundtiere.“ Das Heim in Dorf Mecklenburg, so bestätigt Meike Gutzmann, Vorsitzende des Tierschutzvereins Wismar und Umgebung, hatte für 2017 mit etwa 7500 Euro mehr kalkuliert. „Bis 2015 wurden dem Tierheim maximal zwei Drittel der angefallenen Kosten ersetzt. Das Amt war nicht bereit, mehr zu zahlen.“

Gutzmann verspricht trotz der Differenzen mit dem Amt: „Wer ein Problem mit Fundtieren hat, kann sich gerne an das Tierheim in Dorf Mecklenburg wenden. Wir suchen nach Lösungen und lassen keinen im Regen stehen.“ Sätze, über die sich Werner Milschewski freut. „Die Mitglieder des Tierschutzvereins sind kompetent“, meint der Tierfreund.

Norbert Wiaterek

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