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Nordwestmecklenburg Trotz Halts: Zugtüren bleiben zu
Lokales Nordwestmecklenburg Trotz Halts: Zugtüren bleiben zu
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09:44 14.12.2017
Der Bahnhof in Menzendorf ist weiterhin besetzt. Ein Fahrdienstleiter öffnet und schließt Schranken. In Züge einsteigen darf niemand. Quelle: Fotos: Jürgen Lenz
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Menzendorf
Verkehrsministerium will Bahnhof in Menzendorf nicht reaktivieren / Gemeinde sieht Bedarf.

Jede Stunde fährt ein Zug aus Richtung Lübeck über die größtenteils eingleisige Strecke - und einer aus Bad Kleinen. Auf Höhe Menzendorf ist die Strecke zweigleisig. Ein Zug hält und lässt den entgegenkommenden durch. Die Türen bleiben geschlossen. So soll es nach Ansicht des Schweriner Verkehrsministeriums auch bleiben. Es erläutert, der „Kreuzungsbahnhof Menzendorf“ bestehe lediglich betrieblich fort.

Für Unverständnis sorgt das auch bei Ortsfremden. In einem Internetforum für Bahnfreunde schreibt ein Besucher des Ortes: „Zu verstehen ist das nicht. 250 Menzendorfer verlieren ihre Bahnstation mitten im Ort.“ Warum? Die Deutsche Bahn verweist nach einer Anfrage der Zeitung auf das Schweriner Verkehrsministerium, denn: „Nahverkehr ist bestellter Verkehr.“ Das Verkehrsministerium teilt mit:

„In diesem Jahr wurde der Halt in Menzendorf nochmals geprüft. Das Ergebnis zeigte, dass der Halt fehlende Fahrgastpotenziale aufweist, die nicht im Verhältnis zum finanziell notwendigen Aufwand stehen.“ Die Herrichtung der Station, gemäß aktuellem Regelwerk, bedeute „eine sehr hohe Investition und zusätzlich müsste jeder Halt beim Infrastrukturbetreiber bezahlt werden.“ Aus diesen Gründen habe sich das Land entschieden, den Halt Menzendorf nicht als Verkehrsstation zu reaktivieren. Eine Höhe der zu erwartenden Kosten nennt das Schweriner Ministerium nicht.

Gegen das Ein- und Aussteigen führt es eine weitere Begründung ins Feld: „Eine Reaktivierung hätte fahrplanbedingt außerdem die Streichung mindestens eines anderen Zughaltes, voraussichtlich Grieben, bedeutet.“

Während der Bahnhof in Menzendorf am 2. Juni 1996 auf unbestimmte Zeit stillgelegt wurde, ist die anderthalb Kilometer von Grieben entfernte Station mit einem Wartehäuschen und einem Informationssystem für Reisende ausgestattet worden. Züge halten dort bei Bedarf. Die Bahn bittet die Reisenden auf einem Aushang: „Bitte machen Sie sich dem herannahenden Zug rechtzeitig bemerkbar, damit der Lokführer Sie möglichst frühzeitig sieht und der Zug anhält.“ Reisende, die an der Bedarfshaltestelle aussteigen wollen, haben nach Angaben der Bahn entweder einen der Haltewunschknöpfe im Zug zu drücken oder, wenn diese Knöpfe fehlen, sich vorher beim Zugpersonal zu melden. Auch diese Lösung lehnt das Schweriner Verkehrsministerium für den Bahnhof Menzendorf ab.

Der Bahnhof Menzendorf war in den 90er Jahren der einzige zwischen Lübeck und Grevesmühlen, der geschlossen wurde. Eine Ursache: Die damaligen politischen Vertreter antworteten nicht fristgerecht auf eine Anfrage nach dem weiteren Bedarf. Die Gemeinde Grieben hingegen versäumte die Frist nicht. Das Wartehäuschen in Menzendorf wurde abgebaut, neu montierte Laternen zur Beleuchtung des Bahnsteigs wurden ausgeschaltet. Besetzt ist der Bahnhof bis heute. Ein Fahrdienstleiter sorgt dafür, dass Schranken geschlossen und Weichen gestellt werden.

Ein Bedarf dafür, dass Reisende ein- und aussteigen, ist nach Einschätzung der Bürgermeisterin durchaus vorhanden – besonders bei Jugendlichen, Kindern und Menschen ohne Auto. „Der Bus fährt nicht regelmäßig – schon gar nicht in den Ferien“, erläutert Anke Goerke. Der Argumentation des Schweriner Verkehrsministeriums, eine Prüfung habe ergeben, dass Fahrgastpotenziale fehlen, hält die Bürgermeisterin entgegen: „Wenn kein Zug hält, weiß man nicht, wie viele Leute mitfahren.“

 Jürgen Lenz

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