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Nordwestmecklenburg „Trotz allem – ich lebe“: Kunst als Spiegel der Seele
Lokales Nordwestmecklenburg „Trotz allem – ich lebe“: Kunst als Spiegel der Seele
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20:24 13.05.2016
Es gibt einige gute Gründe, an Pfingsten wieder einmal die Grevesmühlener St. Nikolai Kirche zu besuchen. Fotos (3): Annett Meinke

Er nennt sich mit Künstlernamen Adam – seine Freundin aber heißt tatsächlich Eva. Beide sind noch sehr jung. Gemeinsam sind sie aus dem Libanon geflohen. Sie wohnen jetzt in Nordwestmecklenburg. Adam spielt arabische Lieder auf seiner Gitarre. Die bittersüß-traurigen Töne empfangen die Gäste der Eröffnungsveranstaltung für die UNO-Flüchtlingshilfe-Wanderausstellung, die seit dieser Woche in der Grevesmühlener Nikolai-Kirche präsentiert wird.

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UNO-Wanderausstellung in der Grevesmühlener St. Nikolai-Kirche zeigt Kunstwerke von Frauen, die auf der Flucht waren / Die Bilder sind bis zum 5. Juni zu sehen.

Malen hat eine besondere Wirkung auf die Seele.“Hanny Barth, Kunsttherapeutin

Die kleine Schar von Besuchern, die sich die insgesamt 21 Bilder an diesem Eröffnungsabend anschauen möchte – unter anderem sind Nordwestmecklenburgs Landrätin Kerstin Weiss (SPD) und Britta Borgwald, Pressesprecherin des Hospizes in Bernstorf, gekommen – lässt sich von den arabischen Klängen berühren und damit gleich in die Thematik der Ausstellung einführen.

„Trotz allem – ich lebe“ heißt die Wanderausstellung. Der Titel spricht ebenso für sich wie jedes einzelne der Bilder. Vier Frauen haben diese im Rahmen einer Kunsttherapie im Evangelischen Zentrum für Beratung und Therapie „Haus am weißen Stein“ in Frankfurt am Main gemalt. Sie haben ihre Heimat im Kosovo, Liberia, der Türkei und im Iran verlassen müssen. „Manche dieser Bilder sind wahre Kunstwerke“, sagt die freischaffende Künstlerin und Kunsttherapeutin Hanny Barth, die in Wismar und Lübeck lebt. Barth wurde eingeladen, um eine kleine Einführung in die Ausstellung zu geben. Als Künstlerin und Kunsttherapeutin, die selbst auch schon ehrenamtlich mit Frauen aus Afrika gearbeitet hat, weiß sie genau, wovon sie spricht. „Meine Erfahrungen als Kunsttherapeutin bestätigen die besondere Wirkung des Malens auf die Seelengesundheit. So wurde insbesondere in der Arbeit mit Flüchtlingen deutlich, dass dies oft das einzige Kommunikations- und Ausdrucksmittel ist.“

Simone Jürß, die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Nordwestmecklenburg, ist stolz darauf, diese Wanderausstellung gemeinsam mit der evangelischen Kirchengemeinde St. Nikolai Grevesmühlen zeigen zu können. „Ich habe mich vor ungefähr einem Jahr um diese Ausstellung bemüht und jetzt ist sie endlich da“, erzählt sie. „Sie können sich vorstellen, dass sie mittlerweile sehr gefragt und ausgebucht ist.“

Noch bis zum 5. Juni sind die Bilder und Schautafeln mit biografischen Hintergrundinformationen zu den Künstlerinnen in der St. Nikolai-Kirche zu besichtigen. „Pfingstsonntag wird die Kirche von 9 Uhr bis 16 Uhr offen sein“, gibt Pastorin Maria Harder bekannt. „Ohnehin ist Pfingsten eine gute Gelegenheit, die Kirche mal wieder zu besuchen – auch, um sich die Bilder anzuschauen.“

Besucher, die sich die Bilder in Zeiträumen anschauen möchten, in denen die Kirche nicht offen ist, können sich den Schlüssel holen oder Termine mit der Küsterin Ulrike Flügel absprechen. ☎ 0172 / 39 85 36 8

Kunsttherapie

Traumatisierte Menschen können nicht immer mit Worten exakt beschreiben, was sie im Innersten bewegt.

Mit dem Malen von Bildern werden assoziative Prozesse in Gang gesetzt, die tief in das Unbewusste hineinwirken und Türen öffnen können, die normalerweise geschlossen gehalten werden.

Auf Basis dieser Erkenntnis ist die Kunsttherapie in vielen europäischen Ländern bereits in der Gesundheitsversorgung (nicht nur von Migranten) verankert.

• Kontakt Hanny Barth :

freischaffende Künstlerin und Kunsttherapeutin in Wismar und Lübeck:

www.nordgalerie.com

Annett Meinke

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