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Überfall auf Geldtransporter bei Upahl

LN-Serie "Aktenzeichen ungelöst" Überfall auf Geldtransporter bei Upahl

2001 erbeuteten Täter rund 1,7 Millionen Mark bei einem Überfall auf einen Geldtransporter in Upahl. Fünf Männer wurden dafür verurteilt. Knapp eine Million Mark sind bis heute verschwunden.

Der ausgebrannte Geldtransporter der Firma Heros unmittelbar nach dem Überfall im Januar 2001.

Quelle: Doreen Dankert

Schwerin. 84 Verhandlungstage, ein überraschendes Geständnis und teilweise langjährige Haftstrafen. Das sind die Eckdaten einer der spektakulärsten Fälle in Mecklenburg-Vorpommern. 2001 überfielen mehrere Täter an der Autobahnabfahrt in Upahl einen Geldtransporter der Firma Heros, sie zwangen die Fahrer, den Wagen zu öffnen, entführten den Wagen und zündeten das Fahrzeug an, nachdem sie rund 1,7 Millionen Mark erbeutet hatten. Die beiden Fahrer wurden an Bäume gefesselt zurückgelassen. Monate später wurden die ersten Verdächtigen festgenommen.

LN-Bild

2001 erbeuteten Täter rund 1,7 Millionen Mark bei einem Überfall auf einen Geldtransporter. Fünf Männer wurden dafür verurteilt. Knapp eine Million Mark sind bis heute verschwunden.

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Sylvia Schult ist Staatsanwältin in Schwerin, sie vertrat bei dem Mammutprozess die Anklage und erinnert sich an den denkwürdigen Prozess.

Als damals bekannt wurde, was an der Abfahrt in Upahl passierte, wie war Ihre erste Reaktion damals?

Sylvia Schult: Es kam relativ schnell die Vermutung auf, dass Mitarbeiter des Unternehmens in irgendeiner Form an der Tat beteiligt gewesen sein könnten. Die ersten Ermittlungen konzentrierten sich dann auf die Fahrer des Geldtransporters.

Die Spurenlage am Tatort war, wie sich aus den Akten ergibt, ziemlich dünn im ersten Moment.

Ja, das stimmt. Der Transporter war ausgebrannt. Es gab lediglich ein paar Klebebänder mit Faserspuren, die damals aber nicht eingeordnet werden konnten.

Also gab es anfangs nur die Aussagen der beiden Fahrer des Transporters?

Die konnten sagen, was ihnen passiert war. Aber zu den Tätern konnten sie keine Angaben machen.

Dann tauchte der gestohlene Pkw in Bobitz auf, die erste richtige Spur, ist das korrekt?

In dem gestohlenen Wagen, der in Bobitz gefunden wurde, wurden Spuren gefunden, die in einen Zusammenhang gebracht werden konnten.

Aber im ersten Moment war es nur ein gestohlener Pkw, der erst einmal nichts mit dem Überfall zu tun hatte?

Ja, das ist richtig. Aber nachdem der Eigentümer den Wagen besichtigt hatte und erklärte, dass dort Sachen waren, die ihm nicht gehörten, entdeckten die Ermittler dann weitere Spuren.

Die da wären?

Der berühmte grüne Handschuh, der gefunden wurde und der schließlich dem Überfall zugeordnet werden konnte. Der passte zu den Faserspuren, die am Tatort gefunden wurden.

Später tauchte dann noch ein anonymer Zeuge auf.

Es gab Hinweise auf mögliche Tatverdächtige durch einen Zeugen, der selbst nicht in Erscheinung trat, sondern sich durch einen Anwalt vertreten ließ. Zwei der mutmaßlichen Täter konnte der Zeuge benennen.

Das führte schließlich dazu, dass die Ermittlungen sich unter anderem auf diese beiden Personen konzentrierten.

Dass der Zeuge sich gemeldet hat, hatte wahrscheinlich auch den Grund, dass eine Belohnung ausgesetzt worden war. Ist die ausgezahlt worden?

Die Staatsanwaltschaft hat keine Belohnung ausgesetzt, das hat das Geldtransportunternehmen getan. Ob die Summe gezahlt worden ist, das wissen wir nicht.

Vier Tatverdächtige sind schließlich ermittelt und angeklagt worden. Insgesamt gab es 84 Verhandlungstage. Warum waren es so viele?

Es waren zunächst weniger. Aber es war ein reiner Indizienprozess. Dass die Hauptverhandling sich so ausweitete, hatte unter anderem mit den zahlreichen Beweisanträgen und dem Verlauf der Verhandlung zu tun. Es waren viele Verteidiger involviert.

Tatverdächtig waren zunächst fünf Personen, aber gegen einenVerdächtigen war das Verfahren eingestellt worden, weil kein hinreichender Tatverdacht bestand. Aber das war dann genau derjenige, der später als fünfter Tatverdächtiger auf der Anklagebank landete, nachdem er sich selbst gestellt hatte.

Das ist schon etwas ungewöhnlich, dass jemand, gegen den das Verfahren eingestellt wurde, sich plötzlich selbst beschuldigt, oder?

Ganz so war es nicht. Mit Fortgang der Hauptverhandlung hatte sich der Verdacht gegen diese Person immer mehr erhärtet, bis schließlich klar war, dass er der fünfte Mann bei dem Überfall war. Die Beweislage war so erdrückend, dass ihm nichts anderes übrig blieb, als sich zu stellen. Er hat dann ausgesagt, dass er mit der Situation nicht mehr habe leben können.

Ist diese Reaktion für Sie nachvollziehbar?

Ja, das Verfahren hat sehr lange gedauert, der Druck auf die Beteiligten war sehr hoch. Vor allem für jemanden, der mit Verfolgung rechnen muss. Als er sich vor Gericht offenbart hatte, war ihm anzumerken, dass eine Last von ihm abgefallen war.

Im Laufe des Verfahrens stellte sich heraus, dass die Täter im Vorfeld ein regelrechtes Casting veranstaltet hatte. Das ist schon recht ungewöhnlich.

Es war tatsächlich so, dass zwei Männer die Idee geboren hatten, einen Überfall auf einen Geldtransporter zu begehen. Ihnen war schnell bewusst, dass die den Überfall nicht allein ausführen konnten.

Sie suchten dann längere Zeit nach weiteren „Mitstreitern“.

1,7 Millionen Mark wurden nach offiziellen Angaben damals erbeutet. Nur ein Teil der Summe wurde sichergestellt. Ist das Geld inzwischen aufgetaucht?

Ungefähr eine Million Mark sind bis heute verschwunden.

Wird noch ermittelt? Es gab auch während des Verfahrens immer das Gerücht, dass es möglicherweise noch weitere Beteiligte gibt.

Nein, das Verfahren ist abgeschlossen.

Vielen Dank

Lange Haftstrafen für die Täter

Fünf Jahre und neun Monate Haft lautet im Sommer 2004 das Urteil gegen den damals 26 Jahre alten Martin R. im Prozess um den Überfall auf den Geldtransporter bei Upahl. Er war als fünfter Angeklagter in dem Verfahren verurteilt worden. Zu Beginn der Ermittlungen war R. noch als Kronzeuge aufgetreten, hatte sich aber im Laufe des Verfahrens gestellt.

R. hatte bei einem der mutmaßlichen Drahtzieher des Überfalls in dessen Firma gearbeitet. Er gab zu, dass er bei der Tat im Januar 2001 den Transporter gestürmt und die Fahrer mit einer Schreckschusspistole bedroht habe. 300000 Mark habe er insgesamt dafür erhalten. Er habe aber, so erklärte er, mit der Tat nicht leben können.

Bereits im November 2003 waren die übrigen vier Angeklagten zu teilweise langen Haftstrafen verurteilt worden. Der damals 47-jährige Karl-Heinz A., der als Drahtzieher des Überfalls gilt, wurde zu insgesamt neuneinhalb Jahren Haft verurteilt. Die Mittäter Andre J. (damals 37) und Thorsten P. (35) erhielten Haftstrafen in Höhe von fünf Jahren und zehn Monaten beziehungsweise sechseinhalb Jahren. Der wegen Beihilfe angeklagte Michael M. wurde zu drei Jahren Gefängnis verurteilt.

Karl-Heinz A. hatte kurz vor der Urteilsverkündung erstmals eine Aussage gemacht. Nachdem die übrigen Angeklagten ihn als Kopf der Gruppe bezeichneten, sagte der 47-Jährige aus, dass er zwar mit seinem Neffen die ersten Planungen ausgeheckt habe, er aber irgendwann festgestellt habe, dass der Überfall zu schwierig sei. Er habe dann aus der Zeitung von der Aktion im Januar 2001 erfahren und Andre J. gefragt, warum sie die Sache ohne ihn durchgezogen hätten. A. beteuerte zudem, dass er von dem Geld keinen Pfennig erhalten hätte, nur sein Neffe, der den Fluchtwagen gefahren habe, hätte Geld bekommen aus dem Überfall. Und zwar 50000 Mark. M. hatte zuvor für das Geldtransportunternehmen gearbeitet und wichtige Hinweise geben können. Gericht und Staatsanwaltschaft machten keinen Hehl daraus, dass sie Karl-Heinz A. keinen Glauben schenkten. Die Anteile von Andre J. (320000 Mark) und Torsten P. (150000 Mark) wurden von den Ermittlern auf Schweizer Konten sichergestellt.

 Michael Prochnow

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