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Nordwestmecklenburg Umbau der Wismarschen Straße: Händler gegen Fußgängerzone
Lokales Nordwestmecklenburg Umbau der Wismarschen Straße: Händler gegen Fußgängerzone
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23:02 08.02.2016
Die Wismarsche Straße soll umgestaltet werden. Sowohl die Linden als auch zu enge Gehwege werden dabei eine Rolle spielen. Quelle: Fotos: Maik Freitag (6)

Eine Fußgängerzone wird die Wismarsche Straße auf keinen Fall. Dafür sprechen sich nicht nur die Initiatoren einer Arbeitsgruppe bei der Stadt, sondern auch die in der Straße ansässigen Einzelhändler aus. Stattdessen soll auf eine Entschleunigung der Straße gesetzt werden.

Nach mehr als 20 Jahren soll Grevesmühlens Einkaufsstraße wieder ins rechte Licht gerückt und zu dem gemacht werden, was sie darstellen sollte: Eine Einkaufsstraße zum Verweilen und Bummeln. Das jedenfalls wünscht sich Andreas Schön. Der 53-Jährige Grevesmühlener ist nicht nur Vorsitzender des Handels- und Gewerbevereins, sondern will auch aktiv in der Arbeitsgruppe zur Neugestaltung der Wismarschen Straße mitwirken.

„Die Gehwege sind zu eng, es gibt keinen echten Radweg. Der derzeitige Zustand ist nicht tragbar“, erklärt der Augenoptiker und Inhaber eines solchen Geschäftes in der Straße. Seiner Meinung nach müsse die Innenstadt wieder mehr zum Flanieren und Verweilen einladen. „Sie müsste gemütlicher und beschaulicher werden“, sagt Schön.

Er sehe einen möglichen Zickzack-Kurs durch die Straße als Möglichkeit, Kraftfahrer am Schnellfahren zu hindern. „Derzeit gibt es hier eine Geschwindigkeitsreduzierung. Doch wer hält sich dran? Als Radfahrer würde ich nicht auf der Straße fahren wollen“, erklärt er. Ähnlich sieht es auch Udo Meier. Der zog mit seinem Fotogeschäft vor fast zwei Jahren in die Straße und will sich jetzt ebenfalls aktiv einbringen. „Ich denke oft anders als alle anderen, aber vielleicht kann ich damit auch etwas bewegen“, sagt der 54-Jährige. Er stelle sich immer vor, wie er die Stadt im Rentenalter erleben wolle und setze sich jetzt dafür ein.

„Wir brauchen ein ganz anderes Verkehrskonzept. Schnell wäre eine Entschleunigung möglich. Einige Parkplätze müssten sicher weichen. Die Straße muss für den reinen Durchgangsverkehr unattraktiv werden“, sagt der Fotograf. Dafür wolle er zwei bis drei Ladezonen für große Lastkraftwagen schaffen. „Von manchen Geschäften wie Cafés oder Restaurants müsse die Straße etwas entfernt werden. „Dort muss begrünt werden dürfen, ein kleiner Garten einladen“, sagt der Grevesmühlener. „Die Straße wurde vor mehr als 20 Jahren saniert und seitdem nicht mehr gepflegt. Es muss sich jetzt was ändern“, erklärt Udo Meier.

Für Danny Zepuntke, Inhaber des Sport- und Angelladens, ist die Schaffung einer Einkaufsstraße eine absurde Idee. „Das geht gar nicht. Die Leute, die hierher kommen, bleiben nicht lange und wollen schnell eine Dose Würmer kaufen. Wenn die weit weg parken müssten, würden sie nicht herkommen“, sagt der 44-Jährige. Für ihn wäre ein Radweg und die Entfernung der für ihn nur Dreck machenden Linden eine Initiative. Ähnlich sieht es auch Irene Soldat.

Auch die Mitarbeiterin eines Schuhgeschäftes sieht die Zukunft im Verkehrskonzept. „Allerdings würde ich es auch begrüßen, wenn man zum Beispiel den Weihnachtsmarkt wieder in die Straße verlegt. Dann macht es auch Sinn, an dem Tag bis 22 Uhr geöffnet zu haben“, erklärte die 54-Jährige Grevesmühlenerin. Buchhändler Thomas Müller würde das bestehende Konzept nur wenig verändern. „Die Leute wollen vor dem Laden parken. Ich glaube zum Verweilen zu animieren, ist eine utopische Aufgabe“, sagte der 47-Jährige.

ISEK — Der Masterplan für Grevesmühlen

2008 fanden die ersten Bürgerbeteiligungen zum Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK) in Grevesmühlen statt. In mehreren Gesprächsrunden wurden mit den Einwohnern die dringendsten Probleme angesprochen und zu Papier gebracht.

Die Resonanz in der Bevölkerung war anfangs gering. Wieder nur ein Stück Papier, das in der Schublade landet, war die mehrheitliche Meinung zu dieser Art von Bürgerbeteiligung. Doch inzwischen sind einige Ideen umgesetzt, der Stadtbus entstand unter anderem aus dem Forderungskatalog der Einwohner. In diesem Jahr geht es mit Riesenschritten weiter. Denn die Bürgerwiese, das wurde in mehreren Foren und Gesprächen deutlich, ist ein zentrales Thema in Grevesmühlen. Der Spielplatz soll umgestaltet werden. Und zwar nicht nur für die Kleinsten. Vielmehr geht es darum, einen Ort zu schaffen, an dem alle Generationen ihren Platz finden. Grevesmühlens Bauamtsleiter Lars Prahler hat die ersten Pläne in den Ausschüssen vorgestellt.

Maik Freitag

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