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Nordwestmecklenburg Umbruch beim GFC: Präsident stellt sein Amt zur Verfügung
Lokales Nordwestmecklenburg Umbruch beim GFC: Präsident stellt sein Amt zur Verfügung
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20:29 20.04.2016
Ein Bild aus vergangenen Tagen als der Grevesmühlener FC noch in der Fußball-Landesliga spielte. Quelle: OZ

Es knirscht mächtig im Gebälk des Traditionsvereins Grevesmühlener FC. Wirklich ruhig war es im Vorstand des Fußballclubs nie, doch nun droht der Vorstand auseinanderzufallen. Präsident Peter Robst steht nach drei Jahren für eine weitere Amtszeit nicht zur Verfügung. „Ich habe ein sehr großes Bauvorhaben vor mir. Da muss ich mich sehr stark einbringen und sicher gehen, dass alles funktioniert. Deshalb muss ich ehrenamtlich kürzer treten“, sagt der 47-jährige Immobilienmakler, der in der Großen Seestraße in Grevesmühlen Eigentumswohnungen bauen möchte. Dem GFC und auch dem Vorstand will Robst aber weiter die Treue halten. „Nur nicht mehr an vorderster Front.“

Derjenige, der den Posten als Präsident übernimmt, muss lange suchen, um Baustellen zu finden, die wir nicht schon längst gelöst haben.“Peter Robst

Denn der Ehrenamtsposten an der Spitze der Grevesmühlener Fußballer kostet nicht nur Zeit, sondern auch Kraft und Nerven. Der angekündigte Umbruch, den Peter Robst bei seinem Amtsantritt ankündigte, hat nur zum Teil stattgefunden. Immer wieder gibt es Auseinandersetzungen zwischen den einzelnen Vorstandsmitgliedern, eine klare Strategie des Vereins ist schwer zu vermitteln. Die Frage nach der Ankündigung von Peter Robst ist auch: Wer von den aktuellen Vorstandsmitgliedern bleibt überhaupt an Bord?

Seit drei Jahren ist der gebürtige Berliner Präsident beim GFC. Für ihn eine „turbulente Zeit mit drastischen Veränderungen“. Am spektakulärsten war sicher der Rauswurf von Landesligatrainer Sven Begunk im Dezember 2014. Begunk habe seine Kompetenzen überschritten, sagt Robst. „Er hat sich vom sportlichen Leiter (Sven Kruggel, Anm. d. Red.) getrennt, ohne den Vorstand davon in Kenntnis zu setzen.“ Das habe das Fass letztendlich zum Überlaufen gebracht. Angespannt sei das Verhältnis zwischen Vorstand und Trainer laut Präsident schon vorher gewesen.

Auch, weil Begunk immer mehr Spieler und eine Physiotherapeutin gefordert haben soll. „Das ging nicht. Wir waren auf dem Weg ins Minus, konnten doch nicht noch mehr Geld ausgeben“, sagt Robst. Der Rauswurf, den der Präsident auch heute noch als absolut notwendig ansieht, brachte eine ungeahnte Lawine ins Rollen. Fast die komplette Mannschaft stellte sich hinter Begunk und verließ den Verein.

Offene Kritik an den Entscheidungen des Vorstandes begleitete die Auseinandersetzung innerhalb des Vereins.

Was folgte, war die schwärzeste Stunde des GFC. Dem Vorstand um Peter Robst blieb nichts übrig, als das Aushängeschild, die Landesligaelf, aus dem Spielbetrieb abzumelden. Es gab schlichtweg nicht mehr genügend Spieler, die hätten auflaufen können. Die ehemaligen GFC-Kicker wechselten stattdessen in die umliegenden Vereine. Robst: „Das war hart, aber wir haben es konsequent durchgezogen. Denn über allem im Verein stehen die finanziellen Mittel.“ Und um die sah es alles andere als gut aus Ende 2014, Anfang 2015. Ein Grund: die Landesligamannschaft war viel zu teuer. Damals hatte der GFC zwar noch 7000 Euro auf dem Konto, nach Angaben des Präsidenten aber auch einige betriebswirtschaftliche Fehler begangen. Um die wieder gerade zu biegen und den Verein am Leben zu halten, war der Vorstand gezwungen, das Geld auszugeben. Danach war das Konto leer, der GFC aber weiterhin in finanzieller Schieflage. „Auch, weil der Verein über Jahre viel zu abhängig von einigen wenigen Sponsoren war, sich nicht breit genug aufgestellt hatte“, sagt Robst. Als sich ein Hauptsponsor zurückzog, wurde das ganz besonders deutlich. Auch deshalb war der Rückzug der Landesligamannschaft notwendig, erklärt der Präsident. „Wenn du privat nur 100 Euro hast, gibst du nicht 500 Euro aus. Wenn doch, hast du 400 Euro Miese. Eine Zeit lang mag das vielleicht gut gehen, aber irgendwann ist Feierabend.“

Heute steht der GFC nach Angaben von Peter Robst wieder auf gesunden Füßen, ist beim Sponsoring wesentlich breiter aufgestellt und freut sich über steigende Mitgliederzahlen. Aktuell sind es 220.

„Wir haben absolut keine Schulden und konnten sogar wieder Rücklagen bilden.“ Ein Grund aus Sicht von Robst: „Weil wir nicht die Hälfte des Geldes in die erste Mannschaft stecken, sondern in den Nachwuchs.“ Für den Noch-Präsidenten auch in Zukunft der richtige Weg. Nach der Sanierung des GFC steht der 47-Jährige für eine Wiederwahl am 29. April nicht zur Verfügung. Damit müssen die Mitglieder bei ihrer Jahreshauptversammlung einen neuen Vereinschef finden. Einen Kandidaten gibt es, den Namen will Robst aber nicht nennen. Der Immobilienmakler ist sich sicher, dass er seinem Nachfolger einen gut geführten Verein übergibt. Selbstbewusst sagt er: „Derjenige, der den Posten als Präsident übernimmt, muss lange suchen, um irgendwelche Baustellen zu finden, die wir nicht schon längst gelöst haben.“

Von Steffen Oldörp und Michael Prochnow

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