Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Nordwestmecklenburg „Umstellung bei Autos dauert länger“
Lokales Nordwestmecklenburg „Umstellung bei Autos dauert länger“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:14 16.01.2017

Die aktuellen Diskussionen um das Ende von Verbrennungsmotoren in Autos bis 2030 sorgt in den Betrieben der Kfz-Innung in Nordwestmecklenburg für Kopfschütteln. „Die Realität sieht ganz anders aus“, sagt Obermeister Ulrich Martens. Elektroautos würden noch immer ein Nischendasein führen. Für Kunden seien sie noch unattraktiv, weil der Preis relativ hoch, die Reichweite aber recht gering ist. Auch fehlten Lademöglichkeiten. Hersteller kündigten zwar an, in absehbarer Zeit wettbewerbsfähige Fahrzeuge auf den Markt zu bringen. Ulrich Martens ist aber sicher: „Die Wende zu alternativen Antrieben kommt nicht über Nacht.“

Der Obermeister der Kfz-Innung in Nordwestmecklenburg hält es zudem derzeit weder wirtschaftlich noch ökologisch für sinnvoll, die eine Antriebsart gegen die andere auszuspielen. „Es bringt auch nichts, wenn wir alle demnächst Elektroautos fahren und der Strom dafür aus einem Kohlekraftwerk kommt. Das ist kein Beitrag für den Klimaschutz“, begründet Ulrich Martens seine Einschätzung. Aus seiner Sicht ist es für die nähere Zukunft besser, die Verbrennungsmotoren weiter zu optimieren und alternative Antriebe und Kraftstoffe zu entwickeln. „Diese Phase wird aber deutlich länger dauern als bis zum Jahr 2030“, sagt der Obermeister. Daher lehne Nordwestmecklenburgs Kfz-Innung ein Verbot der Neuzulassung von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren ab 2030 ab, wie es derzeit von einigen politischen Kreisen propagiert wird. Verantwortungsvolle Umweltpolitik müsse offen für verschiedenste Technologien sein.

„Wir leben in Deutschland zurzeit mit einem Bestand von etwa 55 Millionen Fahrzeugen, die fast ausschließlich konventionell angetrieben werden. Und die werden nicht von heute auf morgen ausgetauscht“, erklärt Ulrich Martens mit Nachdruck. Daher bleibe es für die Kunden noch über viele Jahre umso wichtiger, ein Autohaus, eine Werkstatt des Vertrauens in der Nähe zu wissen. Die Meisterbetriebe der Kfz-Innung in der Kreishandwerkerschaft würden ihren Teil dazu beitragen. „Wir sichern die individuelle Mobilität der Menschen im Land“, sagt der Obermeister.

Die bundesweite, branchenübergreifende Studie von „Kundenmonitor Deutschland 2016“ zeigt in puncto Kundenzufriedenheit gute Werte für das Kfz-Gewerbe. Das bestätigt sich auch in Nordwestmecklenburg.

Die 52 Innungsbetriebe führen jährlich etwa 100000 Werkstattaufträge aus. „Wenn sich eine Branche auf diesem hohen Niveau stabil zeigt, spricht das für die Top-Qualität der Arbeit, hohe Zuverlässigkeit und ein ausgeprägtes Vertrauensverhältnis zwischen den Kunden und unseren Betrieben“, stellt Ulrich Martens fest.

Auch als Lehrherrn sind die Innungsbetriebe beliebt. „Zum neuen Ausbildungsjahr haben 50 junge Menschen ihre technische oder kaufmännische Ausbildung in den hiesigen Autohäusern und Werkstätten begonnen“, sagt der stellvertretende Obermeister der Kfz-Innung und Lehrlingswart Winfried Preuss. Außer zum Kfz-Mechatroniker lassen sich die jungen Menschen zu Karosseriebauern, Fahrzeuglackierern, Büro- und Automobilkaufleuten ausbilden. Obermeister Ulrich Martens sieht die wirtschaftlichen Aussichten für die Autobranche im nächsten Jahr „vorsichtig optimistisch“. Nach den diesjährigen Zuwächsen im Verkauf von Neu- und Gebrauchtwagen sowie im Service rechnet er damit, dass sich der Markt im nächsten Jahr eher konsolidieren wird. Damit teilt er die Einschätzung des Zentralverbands Deutsches Kfz-Gewerbe, der 2017 mit einer leicht rückläufigen Zahl bei Neuzulassungen rechnet.

Sylvia Kartheuser

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Nach der Wahl von Lars Prahler zum neuen Bürgermeister von Grevesmühlen muss dessen Stelle als Bauamtsleiter neu besetzt werden. Mehrere Bewerber haben sich gemeldet.

16.01.2017

Der Finanzplan für Nordwestmecklenburg soll für die Jahre 2017 und 2018 gelten.

16.01.2017

Das Land will reiche Kommunen zur Kasse bitten / Bürgermeister befürchtet, dass sich Firmen mit Steuererhöhungen zurückziehen.

16.01.2017
Anzeige