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„Unsere Schüler waren nicht beteiligt“

Grevesmühlen „Unsere Schüler waren nicht beteiligt“

Die Leiterin der Wasserturmschule in Grevesmühlen räumt mit Vorurteilen auf.

Grevesmühlen. Die Nachricht über eine Schlägerei zwischen Schülern am Bahnhof in Grevesmühlen (die LN berichteten am 3. Januar) sorgt für heftige Diskussionen in der Stadt. Laut Polizei waren dort mehrere Jugendliche aneinandergeraten, darunter Schüler der Regionalschule „Am Wasserturm“ sowie Zuwanderer. Eine Befragung der Beteiligten hatte demnach ergeben, dass ein verbaler Streit vom Vortag eskaliert sei. Es wurden zwei Anzeigen aufgenommen, eine davon erstattete ein in der Türkei geborener Jugendlicher.

 

LN-Bild

Brunhilde Hallmann, Leiterin der Regionalen Schule „Am Wasserturm“.

Die Schule

Die Schule gibt es seit 1974, damals wurde sie als Polytechnische Oberschule Kurt Bürger eingeweiht.

Heute lernen 467 Schüler in 21 Klassen. Sie werden von 36 Lehrern in 27 Klassenräumen und Fachräumen unterrichtet. Seit Jahren kämpft die Schule um einen Erweiterungsbau, der als Aufenthaltsraum und Aula dienen soll.

Die Schüler der Wasserturmschule wehren sich nun gegen die Vorwürfe, sie hätten sich mit Zuwanderern geprügelt. „Das stimmt nicht“, betonen sie im Gespräch mit den Lübecker Nachrichten. „Ja, es gab die Auseinandersetzung am 9. Dezember am Bahnhof. Und ja, es waren auch Schüler der Regionalschule dort. Aber mit der Auseinandersetzung hatten wir nichts zu tun.“ Laut den Schülern hatte es im Vorfeld Streit zwischen zwei Jugendlichen an einer Bushaltestelle in Grevesmühlen gegeben, die aber nicht zur Wasserturmschule gehören. Anschließend hatten sich die Freunde der Beteiligten, deutsche Jugendliche und Flüchtlinge, am Bahnhof getroffen. Es kam zu Rangeleien und Faustschlägen. Dort griff schließlich auch die Polizei ein. „Tatsache ist, dass es keine Schüler der Wasserturmschule waren“, stellt auch Doris Lobatz, Stadtjugendpflegerin und Schulsozialarbeiterin, fest.

Im Interview berichten Schulleiterin Brunhilde Hallmann und Iris Hoffmann-Wiegand (Mitarbeiterin an der Schule mit sonderpädagogischer Aufgabenstellung, Anm. d. Red.) über die Situation an der Regionalen Schule, erläutern das Thema Zuwanderer und Streit unter Schülern.

Wie viele Zuwanderer gibt es aktuell an der Wasserturmschule?

Brunhilde Hallmann: 15, davon 11 Schüler im Asylverfahren. Wir nennen sie auch Weltkinder.

In welchem Alter sind die Schüler?

Hallmann: Zwischen 10 und 16 Jahren.

Es steht der Vorwurf im Raum, dass es am Bahnhof eine Auseinandersetzung in Grevesmühlen zwischen Schülern der Wasserturmschule gab.

Hallmann: Das stimmt definitiv nicht. Sie waren nicht beteiligt.

Der Vorfall ereignete sich am 9. Dezember, liegt also einige Zeit zurück. Kannten Sie den Fall?

Hallmann: Nein, ich habe davon erst aus der Zeitung erfahren.

Was hat die Nachricht an der Schule bewirkt.

Hallmann: Das war ein Schock im neuen Jahr. Es klang heraus, dass die Schüler unserer Schule sich vorher bereits geschlagen hätten und dann am Bahnhof die ganze Sache weitergegangen wäre. Und das war für mich unglaublich. Wenn es Vorfälle an der Schule gibt, dann reagieren wir. Notfalls auch mithilfe der Polizei.

Gibt es Probleme zwischen Flüchtlingskindern und deutschen Schülern?

Hallmann: Es gibt die Probleme, die es zwischen allen Jugendlichen gibt. Unter den deutschen Schülern ebenso wie unter den Zuwanderern, das ist nichts Ungewöhnliches. Auch in dieser Gruppe treffen unterschiedliche Kulturen aufeinander. Aber ansonsten gibt es keine besonderen Schwierigkeiten.

Iris Hoffmann-Wiegand: Es gibt unter den Zuwanderern auch Jugendliche, die aufgrund ihrer Persönlichkeitsstruktur ein gewisses Streitpotenzial mitbringen. Aber so etwas gibt es auch unter deutschen Jugendlichen. Unsere Aufgabe ist es, darauf zu reagieren.

Ein Teil der Zuwanderer ist wirklich gut integriert, ein Teil hat noch Probleme aufgrund der Sprachschwierigkeiten. Aber das ist normal.

Der Artikel hat eine Debatte um die Stimmung an der Schule losgetreten. Die Schüler kämpfen um den Ruf ihrer Schule, oder?

Hoffmann-Wiegand: Ja, das ist so.

Hallmann: Am Tag, als der Artikel erschien, kam ein Schüler zu mir und fragte, ob er ihn lesen könnte. Er sagte, dass stimme alles nicht. Die Schüler haben sich dagegen gewehrt und fühlen sich angegriffen. Denn so sind sie nicht.

Hoffmann-Wiegand: Auch die Lehrer waren nicht gerade begeistert von der Nachricht. Es gibt viele Bestrebungen, um den Ruf der Schule zu verbessern.

Wie gehen die deutschen Schüler überhaupt mit dem Thema Flüchtlinge um, das ja mittlerweile ein sehr sensibles geworden ist?

Hallmann: Sehr entspannt, ich habe selbst Unterricht in einer der achten Klassen, in der auch Zuwanderer sind. Es ist inzwischen so, dass diese Schüler fachlich ihren Mitschülern manchmal etwas vormachen. Anfangs war die Sprachhürde ein Problem, das gibt es natürlich immer noch. Aber sie werden akzeptiert. Und es ist ganz normal, dass sie da sind.

Reden die Schüler untereinander über die Vorurteile?

Hoffmann-Wiegand: Ja, das tun sie. Ich habe viel Kontakt zu den ausländischen Schüler und zu den deutschen natürlich auch. Sie sprechen sehr deutlich über Vorteile, die einen ebenso wie die anderen. Aber sobald sie sich kennenlernen, miteinander reden, sind Vorurteile kein Thema mehr.

Nur ein Beispiel, ein Elfjähriger entscheidet nicht darüber, ob er hier leben darf oder nicht. Er ist hier, weil in Syrien Krieg ist. Und sobald die Schüler das verstanden haben, die persönliche Geschichte hören, wächst das Verständnis. Die Schüler der neunten und zehnten Klassen, die keine ausländischen Mitschüler haben, gehen ganz anders damit um, als die Jungen und Mädchen aus den achten Klassen, die täglichen Kontakt haben.

Welche Rolle spielen die Zuwanderer an der Wasserturmschule?

Hallmann: Keine besondere, wir haben zum Beispiel gerade einen Fall, dass einer dieser Schüler nicht ganz so funktioniert wie er sollte. Da greifen die gleichen Maßnahmen wie bei anderen Schülern auch, es gibt Gespräche und entsprechende Instrumente, um das Problem zu lösen. Sie müssen sich unserer Kultur und unserer Schule anpassen.

Hoffmann-Wiegand: Der Großteil der ausländischen Schüler sind männliche unbegleitete Jugendliche, die in Wohngruppen leben. Sie werden mit allen Vorbehalten, die es unter Schülern und auch unter Lehrern gibt, hier betreut.

Gerade die älteren Jungs haben großes Interesse daran, zu erfahren, welche Rolle Frauen in unserer Gesellschaft spielen. Sie kennen das aus ihrer Heimat in dieser Form nicht. Sie waren auf Schulen, da gab es nur Männer, und es gab auch Schläge. Natürlich gibt es auch Schüler, die aus sehr fortschrittlichen Familien stammen. Aber eben auch andere.

Michael Prochnow

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