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Nordwestmecklenburg Unterhalt: Land und Nordwestkreis zahlen Millionen
Lokales Nordwestmecklenburg Unterhalt: Land und Nordwestkreis zahlen Millionen
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18:15 19.10.2013
Grevesmühlen

Weil Väter nicht zahlen können oder wollen, sind im Landkreis Nordwestmecklenburg im vergangenen Jahr fast 2,8 Millionen Euro an Unterhalt aus öffentlichen Kassen gezahlt worden. Land und Landkreis mussten das Geld als Unterhaltsvorschuss an die Kinder vorstrecken. Das Elternteil, bei dem sie nicht leben — meist Väter — konnte den Unterhalt nicht zahlen oder ist nicht bekannt.

Der Unterhaltsvorschuss wird zu einem Zwölftel vom Landkreis Nordwestmecklenburgund zu elf Zwölfteln vom Land Mecklenburg-Vorpommern getragen. In nackten Zahlen ausgedrückt: Der Landkreis allein hat im vergangenen Jahr im Namen der nicht zahlungswilligen oder -fähigen oder auch unbekannten Väter 232 826 Euro auslegen müssen. Lediglich 17,78 Prozent, also rund 41 000 Euro, konnten bei den leiblichen Vätern wieder eingetrieben werden. Ein ziemlich ernüchterndes Ergebnis. Aber: Mit dieser Rückholquote liegt der Landkreis im Landesvergleich im oberen Bereich.

In Nordwestmecklenburg erhalten derzeit etwa 1500 Kinder monatlich Unterhaltsvorschussleistungen. Auch Christina Helderow (Name geändert) und ihr Kind aus Grevesmühlen waren darauf angewiesen. Ihr mittlerweile geschiedener Mann wollte für ihr gemeinsames Kind keinen Cent zahlen — jedenfalls nicht freiwillig. „Er hat die Möbel zertrümmert, die ich mit in die Ehe gebracht habe, und dann deutlich gemacht, dass er sich für unser Kind nicht mehr interessiert und keinen Unterhalt zahlt“, erinnert sich die Alleinerziehende. Sie musste alle Kosten alleine tragen: die Miete für ihre neue Wohnung, die Nebenkosten, die Kitakosten und das Essengeld für ihre Tochter, Fahrkosten, die Kosten für neue Möbel. Die Beratungen, wo sie welche Hilfe beantragen könne, verliefen schleppend. „Ich fühlte mich allein gelassen“, bedauert Christina.

Vom Jugendamt kam dann die erlösende Nachricht: Es bewilligte den Unterhaltsvorschuss. Sie bekam 133 Euro monatlich für ihr Kind. An Unterhalt von ihrem Mann hätte sie für ihr Kind 100 Euro mehr bekommen. Die Höhe des Anspruchs richtet sich unter anderem nach dem Nettoeinkommen des Unterhaltsverpflichteten, meist also des Vaters, und ist in der sogenannten Düsseldorfer Tabelle niedergelegt.

Entsprechend des Alters des Kindes betragen die aktuellen Zahlbeträge für Kinder bis zum vollendeten sechsten Lebensjahr monatlich 133 Euro und für Kinder bis zum vollendeten zwölften Lebensjahr monatlich 180 Euro. Danach wird durch die Behörden kein Unterhaltsvorschuss mehr gezahlt. Wer bis dahin keine Regelung mit dem betreffenden Elternteil hat, geht leer aus.

Christina entschied sich, den harten Weg zu gehen. Sie nahm sich einen Anwalt und erwirkte einen Titel. Sprich: Ihr Ex-Mann wurde vom Gericht verurteilt, Unterhalt zu zahlen. Das tat er wieder nicht freiwillig. Doch das rechtskräftige Urteil hilft Christina dabei, an das Geld, das ihrem Kind zusteht, zu kommen. „Nun wird der Unterhalt über seinen Arbeitgeber gepfändet“, sagt sie erleichtert.

Soll heißen: Der Unterhalt wird vom Gehalt des leiblichen Vaters abgezogen und landet direkt auf ihrem Konto. Eigentlich würde auch ihr selbst Unterhalt zustehen. „Darauf habe ich aber verzichtet.“

Doch selbst ein Gerichtsurteil hilft vielen Müttern nicht weiter. Denn wenn die leiblichen Väter so wenig Einkommen haben, dass sie unter der Pfändungsgrenze liegen, gibt es trotz Titel kein Geld.

Das ist auch der Grund, weshalb Land und Landkreis oftmals auf den Forderungen sitzen bleiben, die aus dem Unterhaltsvorschuss resultieren. Denn wenn bei den Vätern nichts zu holen ist, weil sie nicht zahlen können, kommt der Steuerzahler dafür auf.

Ich habe mir einen An- walt genommen. Nun wird der Unterhalt von seinem Gehalt gepfändet.“Christina Helderow * (29)

jf/mab

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