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Nordwestmecklenburg Unterwegs mit Nordwestmecklenburgs Gasspürer
Lokales Nordwestmecklenburg Unterwegs mit Nordwestmecklenburgs Gasspürer
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14:40 16.04.2019
Nico Zimmermann (39) läuft mit seinem Gasspürer zehn bis zwölf Kilometer am Tag. Quelle: JANA FRANKE
Testorf-Steinfort

 Mit seiner Arbeitskleidung fällt Nico Zimmermann schon auf. Irgendwie wirkt der 39-Jährige mit dem 13 Kilogramm schweren Rucksack auf dem Rücken, dem Tablet vor dem Bauch und dem undefinierbaren Sauger, den er vor sich herschiebt, wie aus einem modernen „Ghostbusters“-Film entsprungen. Aber um genau zu sein, schützt er die Bevölkerung vor einer unsichtbaren Gefahr: Gas.

Als Gasspürer ist Nico Zimmermann täglich zehn bis zwölf Kilometer unterwegs. Die Tage abgerechnet, an denen er seiner Arbeit aufgrund von Kälte und Nässe nicht nachgehen kann, sind es am Ende des Jahres mehr als 1000 Kilometer, die ihn seine Füße von Grundstück zu Grundstück in Nordwestmecklenburgs tragen. Über mangelnde Bewegung jedenfalls kann sich der 39-Jährige nicht beklagen.

Heute ist er in Testorf-Steinfort unterwegs. Sein Weg ist satellitengesteuert; sein Standort auf dem Tablet mit einem grünen Punkt angezeigt. Nur wenige Meter rechts von ihm, so zeigt es die Ansicht, sind etwa einen Meter tief in der Erde die Erdgasleitungen, um die es ihm geht. „Früher hatten wir Papierpläne, auf denen das Leitungsnetz eingezeichnet war. Digitalisiert macht es die Arbeit um einiges einfacher“, schätzt Ulf Knolle von der HanseGas GmbH als Netzbetreiber ein. In deren Auftrag ist Nico Zimmermann von der Firma Sewerin unterwegs. Die Leitungen, so beruhigt Ulf Knolle, seien in Nordwestmecklenburg robust. Das Störaufkommen sei insgesamt gering. Auch heute?

Ulf Knolle, HanseGas GmbH Quelle: JANA FRANKE

Nico Zimmermann schiebt die sogenannte Teppichsonde zügig am Seitenstreifen der Hauptverkehrsstraße in Testorf-Steinfort vor sich er. Die saugt sich am Boden an und verbindet sich mit dem Messgas, das er in einer kleinen roten Flasche auf seinem Rücken in einer Tasche trägt. Erkennt die Sonde schon die kleinste Menge ausströmendes Gas in der Luft – sie soll zigfach genauer messen als beispielsweise ein Alkoholtestgerät –, würde das Gerät sofort piepen. Dieses erkennt auch, ob es sich tatsächlich um Gas, oder nur um Faulgas aus dem Boden handelt.

Von der Straße bis zu den Hausanschlüssen bahnt er sich den Weg. Einige Einwohner schauen neugierig aus dem Fenster und beobachten den in Orange gekleideten Mann. Ein Hoftor ist verschlossen, der Eigentümer nicht zu sehen. Nico Zimmermann kommt nicht aufs Grundstück. Also wirft er seinen „Schnüffler“ über den Zaun in Richtung Hausanschluss, der am kleinen, gelben Schild in der Fassade zu erkennen ist. Man muss sich eben nur zu helfen wissen. Nächste Prüfstelle: der Wohnblock im Ort. Das Kellerfenster steht offen. Auch hier hält Nico Zimmermann die Sonde. Heute bleibt das Gerät still. Aber erst vor einigen Wochen schlug es in Crivitz an. Durch Tiefbaumaßnahmen ist eine Leitung beschädigt worden, die umgehend repariert werden musste.

Alle vier Jahre kommt der Gasspürer in den Ort – für den Bürger kostenlos. Ein Ausbildungsberuf ist der Gasspürer nicht. Nico Zimmermann ist als solcher seit sechs Jahren unterwegs. Angehende Gasspürer müssen mindestens ein Jahr lang von erfahrenen Kollegen eingewiesen werden und 200 Kilometer Prüfstrecke nachweisen, um zur Prüfung zugelassen zu werden. Und die, gibt Nico Zimmermann zu, hat es in sich.

Die Firma Sewerin ist seit 1990 im Rohrnetz tätig. 65 Gasspürer zählt sie. Für die HanseGas GmbH laufen in Westmecklenburg mit einer Gesamtnetzlänge von etwa 690 Kilometer zwei weitere Firmen. Auch Helikopter sind im Einsatz. Die Aufgabe der Piloten ist es, die Hochdruck-Trassen auf Unregelmäßigkeiten oder Auffälligkeiten wie Bebauungen oder Tiefbauarbeiten zu überprüfen. Sie orientieren sich an den sogenannten Flugsichthauben – die rund 1,50 Meter hohen, gelben Pfähle mit ebenfalls gelber Haube. Die kennzeichnen den Verlauf der Leitungen, die unterirdisch verlaufen.

Für heute packt Nico Zimmermann in Testorf-Steinfort zusammen, die „Ghostbusters“-Kluft wird abgelegt und er macht sich auf den Weg ins nächste Dorf – die zehn Kilometer heute hat er bald geschafft.

Leitungsauskunft

Die HanseGas GmbH in Lützow als Netzbetreiber bietet Bürgern und Unternehmen kostenlose Leitungsauskünfte, damit beim Pflanzen einen Baumes oder beim Aufstellen eines Carports beispielsweise keine Leitung getroffen wird.

Kontakt: 038874/21880.

Jana Franke

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