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Nordwestmecklenburg Urteil: Fast sechs Jahre Haft
Lokales Nordwestmecklenburg Urteil: Fast sechs Jahre Haft
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22:12 12.01.2017

Fünf Jahre und neun Monate muss Nico E. ins Gefängnis. Gestern fiel im Landgericht Schwerin das Urteil gegen den 37-jährigen Wismarer. In der vergangenen Woche gestand der Mann, seine zum damaligen Zeitpunkt sechsjährige Tochter 23 Mal, und seinen damals achtjährigen Stiefsohn acht Mal sexuell missbraucht zu haben (die OZ berichtete).

Staatsanwältin Anja Waßmann und Richter Armin Lessel waren sich einig: „Es handelt sich um einen schweren sexuellen Missbrauch über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren“, begründete der Richter das Urteil. Ernst gemeinte Reue habe er bei Nico E. während des Verfahrens nicht erkannt. „Außerdem hat er von Tat zu Tat eine geringere Hemmschwelle an den Tag gelegt. Er wurde sich sicherer und die Taten immer schlimmer.“ Er hatte ausgesagt, dass der sexuelle Missbrauch mit Kuscheln begann und sich „hochgeschaukelt“ habe. Die Staatsanwältin nannte die Entschuldigungen, die der Vater gegenüber seinen Kindern aussprach, lediglich ein „Lippenbekenntnis“. Er habe nicht nur das Vertrauen der Kinder ausgenutzt, sondern auch die Beziehung der beiden Geschwister stark gestört, da er sie manchmal zeitgleich missbrauchte. Positiv wurde ihm von der Kammer lediglich ausgelegt, dass E. nicht vorbestraft und früh geständig gewesen sei. Damit habe er den Kindern eine traumatisierende Vernehmung erspart. In einem Strafgespräch wurde das Strafmaß auf mindestens fünf und maximal sechs Jahre festgelegt.

Auch die Mutter der beiden missbrauchten Kinder, die sieben Jahre lang eine Beziehung mit Nico E. führte, nimmt ihm die Entschuldigungen nicht ab. „Er hat nicht gemerkt, was er meinen Kindern angetan hat“, sagte sie gestern. Ihrer Meinung nach ist die Haftstrafe eindeutig zu gering ausgefallen. „Den weiteren Kontakt zu meinen Kindern werde ich natürlich verbieten. Nur über meine Leiche dürfen sie ihn wiedersehen.“ Mittlerweile hat sie für ihre Kinder einen Termin beim Psychologen bekommen, damit diese das Erlebte verarbeiten können.

Nach dem Urteil flossen bei der Anzeigeerstatterin Janette Maß Tränen. Sie hatte Nico E. bereits im Juni 2015 angezeigt, nachdem er ihrer zwölfjährigen Tochter bei Facebook Nacktfotos und obszöne Nachrichten sendete. Auch sie empfand das Strafmaß als zu gering. Richter Lessel zitierte im gestrigen Verfahren aus den Nachrichten und fragte: „Wieso fragen Sie eine Zwölfjährige, ob sie schon Schamhaare hat? Und wieso kokettieren Sie vor ihrem Kind mit Ihrer Nacktheit?“ E. fand darauf keine Erklärung. Es sei schon zu lange her, und er sei auch kein guter Redner, sondern schreibe seine Gedanken lieber auf. Aussagen, die den Richter die Stirn runzeln ließen: „Sie haben etwas getan, was den Großteil der Gesellschaft mit Abscheu erfüllt. Es werden sich Zeit Ihres Lebens immer Menschen von Ihnen abwenden, wenn diese hören, was Sie getan haben.“

Carolin Riemer

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