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Vater stellt pornografische Bilder seiner Tochter (7) ins Internet

Wismar Vater stellt pornografische Bilder seiner Tochter (7) ins Internet

Mutter wirft Nordwestmecklenburgs Jugendamt vor: „Ich wurde nur unzureichend informiert“ / Antwort der Fachdienstleiterin: „Das ist Sache der Polizei“.

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Aufgabe des Jugendamtes ist ausschließlich die Gewähr- leistung des Kinderschutzes.“ Karla Krüger, Fachdienstleiterin

Wismar. Karolina S. ist sauer und wütend. „So kann man doch mit mir nicht umgehen“, sagt die alleinerziehende Mutter von drei Kindern aus Wismar. Das Verhalten der Mitarbeiter im Jugendamt bringt sie so auf die Palme. Im April hatte die Mittdreißigerin durch einen Mitarbeiter erfahren, dass gegen ihren Ehemann wegen des Besitzes von Kinderpornografie ermittelt wird. Karolina S. (Namen von der Redaktion geändert) lebt seit vier Jahren getrennt von Bodo S., dem Vater ihrer beiden jüngeren Kinder, der Sohn ist zehn, die Tochter sieben Jahre alt. Die Scheidung läuft. Dennoch durfte er bis zu dem Anruf vom Jugendamt seine Kinder regelmäßig sehen. „Der Mitarbeiter des Jugendamtes hatte mir dann freigestellt, ob ich dem Vater weiterhin das Umgangsrecht gewähren will.“ Karolina S. wollte natürlich nicht.

In der Antwort von Fachdienstleiterin Karla Krüger (SPD) an die Lübecker Nachrichten liest sich das so: „Bis zu jenem Gespräch habe der Vater ziemlich regelmäßigen Umgang mit der sieben Jahre alten Tochter gehabt. Den hat die Kindsmutter daraufhin sofort gestoppt. Demzufolge ist festzustellen, dass der Schutz des Kindes gewährleistet war und weitere Maßnahmen nicht notwendig sind.“ Das Jugendamt habe bereits zu jenem Zeitpunkt Beratungshilfe und Gespräche angeboten. Das wiederum verneint Karolina S.: „Mir wurde keine psychologische Hilfe angeboten.“

Die ganze schockierende Wahrheit erfuhr die Mutter nach eigenen Angaben erst durch eine in die Ermittlungen einbezogene Rechtsanwältin, die das Gericht der siebenjährigen Tochter als Ergänzungspflegerin zur Seite gestellt hat. Die Anwältin informierte Karolina S., dass Bodo S. anscheinend pornografische Aufnahmen von seiner Tochter gemacht und ins Netz gestellt hatte. „Als ich das erfuhr, war mir, als würde mir der Boden unter den Füßen weggezogen. Kinderpornografie ist schon das Übelste, was ich mir vorstellen kann, aber dann noch mit den eigenen Kindern.“ Der Wismarerin versagt die Stimme.

Davon hatte ihr das Jugendamt nichts gesagt. „Ich habe am nächsten Tag gleich angerufen. ,Ich dachte, das erfahren Sie von anderer Stelle’, war die ganze Antwort“, berichtet die fassungslose Mutter. Sie fühle sich falsch informiert und „in der Luft hängengelassen“, sagt Karolina S.

Das sieht die Kreisverwaltung anders. „Das Jugendamt hat der Kindsmutter stets alle Informationen gegeben, die im Hinblick auf die Ausübung des Umgangsrechts relevant und zur Gewährleistung des Kindeswohls erforderlich waren“, teilt Fachdienstleiterin Karla Krüger mit. Zu den Aufgaben des Jugendamtes gehöre ausschließlich die Gewährleistung des Kinderschutzes, nicht die Vorabmitteilung von möglichen strafrechtlichen Ermittlungsergebnissen gegen Familienangehörige. „Diese Informationen sind Polizei und Staatsanwaltschaft als zuständigen Behörden vorbehalten“, heißt es weiter in der Antwort der zweiten Stellvertreterin der Landrätin. Darauf sei Karolina S. bei ihrem Besuch im Juni im Jugendamt auch hingewiesen worden.

Landrätin Kerstin Weiss (SPD) stellt sich hinter das Jugendamt. „Die Mitarbeiter konnten gar nicht anders handeln, denn die Ermittlungen und deren Ergebnisse sind nun einmal Sache der Staatsanwaltschaft“, sagt sie. Dort gäbe es auch die richtigen Ansprechpartner.

„Das mag rein rechtlich gesehen ja so sein“, sagt die Mutter. Dass ihr eine derart wichtige Information vom Jugendamt vorenthalten wurde, könne sie aber dennoch nicht nachvollziehen. Karolina S.

hätte sich von der Behörde „etwas mehr Mitgefühl und Einfühlungsvermögen“ gewünscht. „Schließlich haben die Leute mit Menschen zu tun, hier ging es zufällig um meine Tochter. Und Menschen sind nicht einfach Fallnummern.“

Übrigens: Bodo S. sitzt mittlerweile in Untersuchungshaft.

Immer wieder in den Schlagzeilen

Der Fachbereich von Karla Krüger rückt in diesem Jahr nicht das erste Mal in den Blickpunkt. Im April kam es in Redentin zu einem Familiendrama, bei dem eine Frau wegen Verwahrlosung starb. Nachbarn hatten dem Gesundheitsamt mehrfach Hinweise gegeben, dass der Sohn der Frau psychisch krank und die Mutter nicht in der Lage sei, ihn zu betreuen. Das Gesundheitsamt schritt nicht ein, die Antwort an die LN lautete: „Maßnahmen nach dem Psychisch-Kranken-Gesetz sind freiheitsentziehende Maßnahmen. Sie haben deshalb völlig zu Recht hohe Hürden zu nehmen.“ Nachbarn alarmierten schließlich den Notarzt. Kurz nachdem die Mutter an den Folgen der Verwahrlosung im Krankenhaus gestorben war, wurde der Sohn in einem ähnlich schlimmen Zustand in der Wohnung gefunden.

Im Mai titelte die LN: „Kleiner Junge misshandelt und fast verhungert“. Ein Dreijähriger wurde mit blauen Flecken, unterernährt und dehydriert ins Hanse-Klinikum in Wismar eingeliefert. Begründung der Kreisverwaltung: der sozialpädagogische Dienst im Jugendamt sei unterbesetzt. Der Kreistag beschloss, dass ein Sachverständiger die Arbeit des Jugendamtes prüfen soll. Die Prüfung läuft noch.

Angesichts dieser Vorwürfe wirkt es wie eine Randnotiz, dass der Sozialausschuss des Kreistages – zuständig für Jugend, Soziales, Bildung und Gesundheit – drei Sitzungen brauchte, um über die Vergabe der Mittel in der öffentlichen Wohlfahrtspflege zu entscheiden. Der Grund: die Verwaltungs- und die Ausschussmitglieder hatten unterschiedliche Beschlussvorlagen erhalten. Anett Gruß kommentierte:

„Nun bin ich 15 Jahre Mitglied in diesem Ausschuss, aber solche Diskrepanzen gab es noch nie.“

Sk Sylvia Kartheuser

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