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„Verlorene Formen“ in der Galerie

Wismar „Verlorene Formen“ in der Galerie

Die Ukrainerin Anastasiya Nesterova präsentiert in Wismar Farbholzschnitte und Malerei.

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Anastasiya Nesterova stellt Farbdrucke und Malereien in der Galerie Hinter dem Rathaus in der Wismarer Innenstadt aus.

Quelle: Nicole Hollatz

Wismar. „Die verlorene Form“ heißt die Ausstellung von Anastasiya Nesterova, die in der Galerie Hinter dem Rathaus eröffnet wurde. Die junge Künstlerin aus dem westfälischen Münster zeigt Farbholzschnitte und Malerei. Immer Landschaften, egal ob urban oder das, was ihr bei den Reisen begegnet.

Leuchtend gelbe Rapsfelder, der blaue Himmel, das Grün der Landschaft. Anastasiya Nesterova zeigt die Natur in leuchtenden Farben. Aber ihre vermeintliche Idylle trügt. Auch wenn kein Mensch in ihren Bildern zu sehen ist, Anastasiya Nesterova zeigt die Spuren der Menschen. Natur vs. Industriekultur: Windkrafträder, die Landstraße, Oberleitungen, die Usedomer Eisenbahnbrücke, eine Boje, die auf dem Wasser treibt. Sie zeigt das, was der Mensch mit sich bringt, auch wenn er selbst in der Natur und in den Bildern nicht auftaucht. Anastasiya Nesterova zeigt, wie das Mitgebrachte sich einfügt in die Landschaft. Oder eben auch nicht.

Eben „verlorene Formen“ als erste Bedeutungsebene ihres Ausstellungstitels. „Meine Landschaften sind nicht so idyllisch wie ein Caspar David Friedrich. Ich idealisiere nicht unkritisch“, erzählt die Künstlerin im Gespräch vor der Ausstellungseröffnung. Der Idealist würde die Stromleitungen außen vor lassen, würde sie malerisch wegretuschieren. Anastasiya Nesterova nimmt sie wahr und lässt sie den Betrachter wieder wahrnehmen. Ganz ohne Wertung so wie sie sind, einfach da.

Die Ukrainerin hat in ihrem Leben schon viele Orte und Regionen gesehen. Sie hat in Münster studiert und ihr Diplom gemacht. Dank Stipendien konnte sie beispielsweise in Ahrenshoop, Böblingen, auf Usedom, in Leipzig, Hooksiel (bei Wilhelmshaven), im sauerländischen Altena oder Gaildorf (Baden-Württemberg) arbeiten. „Die verschiedenen Lichtverhältnisse sind interessant“, erzählt sie. Am Meer sieht und zeigt sie mehr Himmel, in hügeligen Landschaften mehr Erde. „So verschieben sich die Wahrnehmungen und der Bildaufbau.“ Anastasiya Nesterova skizziert vor Ort, bevor in der Werkstatt die Druckstöcke entstehen. Ein aufwendiger Prozess des Schnitzens.

Die 36-Jährige liebt die handwerkliche Seite ihrer Kunst. „Ein zauberhafter Prozess, wenn sich das Holz in Farbe auf Papier verwandelt“, beschreibt sie. Anastasiya Nesterova arbeitet mit „verlorenen Formen“ — die zweite Bedeutungsebene ihres Ausstellungstitels. Schnitzen, Drucken, Schnitzen — die Druckform wird für jede Farbe weiterbearbeitet. Ein Relief entsteht, wie die abzubildende Landschaft dekonstruiert sich die Form, sie verliert ihren Zustand, während Anastasiya Nesterova sich mit ihrem Farbholzschnitt auf der Grenze zur Malerei, zum Malerischen bewegt. Der Druck ist gerade deswegen ihr Mittel. „Durch den Druck abstrahiere ich, man kann nicht so detailliert arbeiten. Diese Reduktion ist für mich spannend, ich reduziere auf das Wesentliche.“

Die Künstlerin

1979 in Sewastopol auf der Halbinsel Krim am Schwarzen Meer geboren, studierte Anastasiya Nesterova im ukrainischen Odessa. Das Studium dort gab ihr jedoch zu wenig Raum für die eigene Kreativität. Im Jahr 2005 kam sie zum Studium nach Münster, machte vier Jahre später an der dortigen Fachhochschule ihren Abschluss als Diplom-Designerin mit dem Schwerpunkt Druckgrafik.

Bis zum 19. März ist die Ausstellung „Die verlorene Form“ zu sehen. Die Galerie Hinter dem Rathaus ist dienstags bis freitags von 12 bis 18 Uhr, samstags von 11 bis 16 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Nicole Hollatz

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