Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Nordwestmecklenburg Viel Amt und wenig Ehre: Was gibt’s für Ehrenamtler?
Lokales Nordwestmecklenburg Viel Amt und wenig Ehre: Was gibt’s für Ehrenamtler?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:55 10.04.2017
„„Das ist Hobby, da wird sowieso viel Zeit und Geld gebunden, da kommt es auf die Parkgebühren nicht mehr an.“ Wilfried Burmeister, Rassegeflügelzucht- verein Klützer Winkel

Unter anderem zahlt die Gemeinde Lüdersdorf als einzige Kommune ihren Feuerwehrleuten das sogenannte Stiefelgeld. Im März 2016 hatten die Gemeindevertreter in Lüdersdorf beschlossen, Brandschützern pro Einsatz fünf Euro zu zahlen. Ansonsten wird im Nordwestkreis auf ideeller Basis geehrt. Das jedenfalls ergab jetzt eine Umfrage bei Vereinen, Kommunen und Amtsverwaltungen.

Flensburg lässt seine Helfer frei parken / Umfrage im Nordwestkreis.

Kreissportbund gibt Geld an Übungsleiter weiter

Die Idee findet sie klasse. Kerstin Groth will dieses Ansinnen auf jeden Fall mit in die nächste Vorstandssitzung nehmen. Die 55-jährige Geschäftsführerin des Kreissportbundes Nordwestmecklenburg könnte sich durchaus vorstellen, Gespräche mit Kommunen wie Wismar oder Neukloster zu führen und das kostenfreie Parken für Ehrenamtler zu diskutieren. „Das kommt auf meinen Spickzettel“, sagt die Wismarerin, für die im Sport ehrenamtlich Tätige viel zu oft lediglich mit den Trainern gleichgesetzt werden. Auch die Vorstandsmitglieder der Vereine, wünscht sie, müssten dabei viel öfter ins Gespräch gebracht werden.Vergleichbar mit der geldwerten Anerkennung mittels kostenloser Parkausweise sei beim Kreissportbund vielleicht die von der Sparkasse weitergereichte Sportförderung, die sich in einer Jahressumme von 220 Euro Entschädigung für die 498 lizensierten Übungsleiter im Landkreis niederschlägt.

„Geld gibt es bei uns aber ansonsten grundsätzlich nicht“, erläutert Kerstin Groth die Praktiken, das Ehrenamt beim Kreissportbund zu würdigen und verweist auf Veranstaltungen wie die Sportlerehrung, die in der Vorwoche in Neukloster stattfand und wo es Sachgeschenke, Urkunden und Gutscheine für ein Erlebnisbad gab. Beim Kreissporttag werden Ehrennadeln des Kreissportbundes genauso vergeben wie Ehrenurkunden für langjähriges Wirken. Auch im Zuge der Sportlerumfrage in gemeinsamer Aktion mit der OSTSEE-ZEITUNG würden der Ehrenamtler und der Förderer des Jahres geehrt.

Wismar plant nicht mit Parkausweisen für Ehrenamtler

„Parkausweise für Ehrenamtler gibt es in der Kreis- und Hansestadt Wismar nicht und sie sind auch nicht in Planung“, sagt Pressesprecher Marco Trunk und dürfte Kerstin Groth damit schon etwas Wind aus den Segeln nehmen. Es sei auch nicht ganz unproblematisch, würden doch nur Ehrenamtler mit Auto etwas davon haben, Ehrenamtler ohne Auto würden leer ausgehen. Doch mit barer Münze wird in Wismar trotzdem gefördert: „Die Hansestadt stellt Mittel für Projektförderung bereit. Das Gesamtvolumen beträgt 344900 Euro. Die Vergabe der Mittel ist in der Förderrichtlinie für die Bereiche Kultur, Jugend und Wohlfahrtspflege geregelt.“

Grevesmühlens Bürgermeister Lars Prahler sagt zum Flensburger Modell: „Bisher wurde die Thematik in den politischen Gremien nicht diskutiert. Was wir aber können und machen, ist, die Förderung von Vereinen und Institutionen nach Förderrichtlinie zu unterstützen.“ Das ist ein Instrument, das sich die politischen Vertreter geschaffen haben. „In diesem Jahr sind in den Haushalt 61300 Euro für Vereine eingestellt worden“, heißt es aus dem Rathaus. „Vereinsarbeit in öffentlichen Räumen wird ebenfalls im Rahmen des Haushaltes unterstützt“, fügt das Stadtoberhaupt hinzu.

Grevesmühlen hat keine Probleme wie Flensburg

Für Grevesmühlens Stadtsprecherin Regina Hacker sind Kommunen wie Flensburg und Grevesmühlen schwer zu vergleichen. „Diese Probleme haben wir nicht in einer Kleinstadt“, nahm sie Bezug auf die Hintergrundinformation, dass in Flensburg die schwierige Parksituation nahe ehrenamtlicher Einrichtungen wie der Tafel zu der Entscheidung geführt hatten. So liege dann auch in Grevesmühlen der Schwerpunkt bei der Würdigung des Ehrenamtes im Ideellen. Für die jährlich stattfindende Vollversammlung der Vereine können diese zu ehrende Bürger vorschlagen. Die drei in diesem Jahr ausgezeichneten bekamen unter anderem Gutscheine. Seit 2013 gibt es auch ein Ehrenbuch der Stadt. Für einen Eintrag können Bürger vorgeschlagen werden. Vier Anträge für das zurückliegende Jahr lägen bereits vor, erklärte Regina Hacker.

In Schönberg parkt jeder frei

Den Grundgedanken, das Ehrenamt so zu würdigen wie in Flensburg, findet Frank Lehmann „sehr apart“. Der leitende Verwaltungsbeamte im Amt Schönberger Land fügt aber sofort hinzu, dass das für die Stadt Schönberg zum Beispiel kein Thema ist, denn dort darf überall kostenfrei geparkt werden. Er weiß aber auch um das Stiefelgeld in der Gemeinde Lüdersdorf und erzählt von der Aufwandsentschädigung für Wahlhelfer im Schönberger Land. Sie beträgt aktuell 50 Euro. So ist es auch im Amtsbereich Klützer Winkel, war von Ines Wien, der leitenden Verwaltungsbeamtin dort, zu erfahren. Laut jüngster Änderung der Bundeswahlordnung für die Wahl im September bekommen die Kommunen aber lediglich 35 Euro für den Vorsitzenden und 25 Euro für alle anderen Mitglieder der Wahlvorstände erstattet.

Schönbergs Bürgermeister Lutz Götze hat noch ein anderes Beispiel parat. Jährlich zahlt die Stadt zwischen 250 und 500 Euro in die Kameradschaftskasse ihrer freiwilligen Feuerwehr ein. Ansonsten arbeitet die Kommune mit einer Ehrungsordnung. Sie sieht verschiedene Auszeichnungen vor bis hin zur Ehrenbürgerschaft. Ähnliches gäbe es auch in anderen zum Amtsbereich gehörenden Gemeinden, ergänzt Frank Lehmann.

Sonderparkerlaubnis in Klütz nicht undenkbar

Der Klützer Bürgermeister Guntram Jung erklärt zum Flensburger Modell: „Grundsätzlich stehe ich einer Sonderparkerlaubnis für Ehrenamtler wohlwollend gegenüber.“ Aber so etwas sei in Klütz noch nicht Thema gewesen und die Gegebenheiten ja auch ganz andere. Zudem verweist das Stadtoberhaupt auf das kleine Budget der in der Haushaltssicherung steckenden Kommune. Trotzdem: 500 Euro sind in diesem Jahr für die Vereinsarbeit und damit auch das Ehrenamt in den Haushalt eingestellt worden. Präsente werden wie in diesem Jahr alle zwei Jahre während des Tages des Ehreamtes an verdienstvolle Mitbürger vergeben.

 Cornelia Roxin

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige