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Nordwestmecklenburg Viel Grün und viel Platz für das Federvieh
Lokales Nordwestmecklenburg Viel Grün und viel Platz für das Federvieh
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21:10 12.09.2018
Schmadebeck/Malpendorf

Das muss mittlerweile ein Evergreen bei den schlauen Reineckes rund um Kröpelin sein: „Fuchs, du hast die Gans gestohlen, gib sie wieder her, sonst wird dich der Jäger holen mit dem Schießgewehr. Seine große, lange Flinte schießt auf dich den Schrot, dass dich färbt die rote Tinte, und dann bist du tot“.

Seit 20 Jahren Gänsezucht in Schmadebeck / Landwirte sorgen sich wegen der Vogelgrippe.

„Ich habe hier sechs Jahre lang Füchse jeweils mit einem Herzschuss – auf 160 Meter Entfernung – erlegt. Das war schon echte Scharfschützentätigkeit“, blickt der Schmadebecker Landwirt Sigurd Heinz auf die Zeit vor vier Jahren zurück. Seitdem hat sich hier bei seinen dänischen Mastgänsen kein Fuchs mehr blicken lassen, sagt der 69-Jährige: „Die haben kapiert, dass hier geschossen wird. Im Dorf gibt es den Fuchs weiter, bei uns aber nicht mehr“.

Seit rund 20 Jahren mästet der Mann auf seinem Dreiseithof im Kröpeliner Ortsteil Schmadebeck zwischen den Monaten Mai und November zahlreiche Gänse. Angefangen habe er mit zwölf Tieren, jetzt habe er 190, in manchen Jahren waren es sogar 400 bis 450 Gänse. Doch ihm wurde das Risiko „Vogelgrippe“ zu groß: „Ein Totalausfall bei um die 400 Tieren würde mich 15000 Euro kosten, für Gösselkauf, Futter, Radlader-Ausleihe und Schlachtung. Ich bin ein paarmal echt vorbeigeschrammt“.

Die Gänseküken (Gössel) kommen mit drei Wochen auf den Hof von Sigurd Heinz, wo sie bis zum Martinstag, dem 11. November, gehalten werden. Vor ein paar Jahren gab es hier dann auch Gänsebraten zu kaufen, doch das soll sich nicht mehr rechnen, wie der Landwirt sagt: „Ich habe das gemacht, um den Leuten zu zeigen, wie gut Gänse aus so einer Haltung mit viel Platz und viel Grün schmecken. Das haben viele Leute verstanden und die wollen die Gänse nun haben. Aber wir bieten am 11. November zum Gänseverkauf weiter Leckereien an, Suppen und Kuchen“.

Noch fressen die Tiere fleißig Weizen und Gras von einer insgesamt vier Hektar großen Fläche: „Das sind jetzt mehr als 200 Quadratmeter Gras für jede Gans, plus etwas Fallobst“. In Vorbereitung des Weihnachtsfestes soll von hier aus auch manche Gans per Post ihren letzten langen Weg antreten. Schmadebecker Feriengäste haben sie bestellt. „Die kommen zum Beispiel bei minus 35 Grad aus dem Frost und tauen dann den Tag in der Verpackung auch nicht auf“, ist Sigurd Heinz sicher.

„Der Gänsebraten ist zu Weihnachten gar nicht mehr so gefragt, die Familien sind ja auch kleiner geworden“, meint dazu allerdings Karsten Ulm vom Malpendorfer Geflügelhof Bleck. Deshalb würden in dem Familienbetrieb vor den Toren Neubukows jetzt circa 1500 Enten heranwachsen.

Familie Ulm plant für das kommende Weihnachtsfest in diesem Jahr Rouladen, verrät der 53-Jährige schon mal lachend: „Wir essen ja bei den Schwiegereltern schon Ente“.

Die Mularden-Enten (eine Kreuzung zwischen Flug- und Land-Enten), die jetzt das Terrain mit Wiese, Teich und weiterem Auslauf bevölkern, seien im Juli hier eingetroffen, sagt Karsten Ulm und ergänzt:

„In diesem Jahr gab es bislang wegen der Temperaturen und der Trockenheit etwas weniger Wiese, aber sie ist jetzt wieder im Kommen“.

Die artgerechte Haltung in Malpendorf hätte sich über die Jahre, der gelernte Tischler ist seit dem Jahr 2005 im Geflügelgeschäft tätig, herumgesprochen. „Zeitung und Mundpropaganda“ stünden am Anfang des Weges der Kundschaft nach Malpendorf. „Das hat sich über die Jahre so etabliert“, sagt der Mann zufrieden. Schlimm wäre es allerdings, wenn es wegen eines erneuten Ausbruchs der Vogelgrippe wieder eine Stallpflicht gäbe: „Da hätten wir ein richtiges Problem, wie beinahe vor zwei Jahren, als wir aber schon beim Schlachten waren und einiges weghatten. Wenn jetzt aber die anderthalb Tausend Enten für sechs, sieben Wochen in den Stall müssten, würde das nicht funktionieren“. Er begrüßt, dass nach dem aktuellen Auftauchen des Vogelgrippevirus’ auf einem Einzelgehöft bei Wismar der Bestand dort sofort gekeult wurde und der Rest nun unter Beobachtung stünde – „und fertig!“

Ab Ende Oktober soll auf dem Geflügelhof Bleck die Schlachtung der Enten beginnen.

Thomas Hoppe

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