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Nordwestmecklenburg „Vieles Sitzen kostet Lebenszeit“
Lokales Nordwestmecklenburg „Vieles Sitzen kostet Lebenszeit“
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21:08 09.02.2018
Vivien Suchert (27) wurde in Halle/Saale geboren und lebt derzeit in Rostock. Sie liest aus ihrem ersten Buch. Quelle: Foto: Kurverwaltung Boltenhagen
Boltenhagen

 Die 27-jährige Autorin und Referentin, die in Halle/Saale (Sachsen-Anhalt) geboren wurde und derzeit in Rostock lebt, spricht über das gesundheitliche Risiko, das vom dauerhaften Sitzen ausgeht und warum sie auf das Thema kam.

Vivien Suchert liest heute in Boltenhagen aus ihrem Buch „Sitzen ist für’n Arsch“.

Eintritt frei

Die Lesung mit Dr. Vivien Suchert im Boltenhagener Festsaal beginnt heute um 18 Uhr. Der Eintritt zur Veranstaltung ist kostenfrei.

Adresse: Klützer Straße 11

Frau Suchert, was erwartet die Zuhörer bei Ihrer Lesung?

Vivien Suchert: Es wird eine Mischung aus Lesung und Vortrag. Das Buch ist informativ und unterhaltsam. Man lernt etwas, aber ganz ohne erhobenen Zeigefinger, sondern eher mit einem Augenzwinkern.

Wie sind Sie dazu gekommen, sich mit den Sitzgewohnheiten der Menschen zu beschäftigen?

Auf der Suche nach einem Thema für meine Doktorarbeit bin ich das erste Mal über Studien zum Sitzen gestolpert. Nicht nur waren die Erkenntnisse sehr neu, sondern ich habe auch meinen eigenen Lebensstil infrage gestellt und mich im Endeffekt immer intensiver mit dem Thema befasst.

Warum ist das viele Sitzen gefährlich?

Weil wir nicht dafür gemacht sind. Wir tragen noch immer Steinzeit gene in uns, für die Bewegung ein regelrechtes Grundbedürfnis ist.

Was sind die häufigsten Folgen und Erkrankungen durch das Sitzen?

Am häufigsten sind sicherlich Rückenbeschwerden. Doch ein überwiegend sitzender Lebensstil kann eine ganze Reihe an Erkrankungen und Beeinträchtigungen zur Folge haben: von Herz-Kreislauf-Erkrankungen über Diabetes bis hin zu bestimmten Krebsarten.

Wer länger sitzt, ist früher tot – stimmt das?

So sieht die aktuelle Studienlage aus. Tatsächlich scheint das viele Sitzen Lebenszeit zu kosten.

Wie viele Stunden sitzt der/die Deutsche im Durchschnitt pro Tag?

Die Angaben reichen so von siebeneinhalb bis neun Stunden pro Tag. Das hängt natürlich auch sehr von der Berufsgruppe ab, die befragt wird.

Wie viele Stunden sollten es maximal sein?

Einen konkreten Maximalwert kann man nicht angeben, ab wann Sitzen gefährlich wird und bis wann es noch in Ordnung ist. An Arbeitstagen komme ich im Schnitt sicherlich auf etwa sechs Stunden.

Haben Sie Ihre Gewohnheit durch Ihre Arbeit mit dem Thema umgestellt?

Meine Gewohnheiten habe ich definitiv umgestellt. Ich arbeite etwa viel häufiger mal im Stehen und mache viele Pausen und Übungen zwischendurch. Dennoch gibt es auch bei mir noch viel Potenzial.

Was kann man gegen das viele Sitzen unternehmen?

Was häufig unterschätzt wird, ist Bewegung im Alltag und dass auch kleine Veränderungen in der Summe viel bewirken. Das Sitzen häufiger unterbrechen ist der erste Schritt. Bei der Fortbewegung kann man häufiger auf aktive Fortbewegung setzen, bei Bus und Bahn eine Haltestelle früher aussteigen oder das Auto etwas weiter entfernt vom Zielort parken. Eine gute Strategie ist sicherlich auch, das Nützliche mit dem Schönen zu verbinden. Der Kaffeeklatsch mit der Freundin ist bei einem Spaziergang durch den Park und mit einem „Coffee-to-go“ mindestens genauso spaßig und interessant wie sitzend in einem Café.

Auch die Lieblingsserie lässt sich ohne Probleme auf dem Ergometer gucken und nicht nur auf dem Sofa. 

Helfen kurze sportliche Unterbrechungen im Büro?

Absolut. Aus gesundheitlicher Sicht zählt nicht nur die Gesamtdauer des Sitzens, sondern auch wie häufig wir dieses unterbrechen. Dabei muss es nicht einmal Sport sein. Einfach mal aufstehen und ein paar Meter gehen und strecken reicht schon.

Wie wichtig ist ergonomisch richtiges Sitzen?

Wichtig, aber nur die halbe Lösung. Beim Dauersitzen haben wir zum einen das Problem der schlechten Haltung, welches durch ergonomisches Sitzen auf jeden Fall deutlich reduziert werden kann. Zum anderen ist das Problem beim Sitzen aber auch, dass der Körper einfach in den Ruhemodus geht und nicht gefordert wird.

Sind Steh-Arbeitsplätze eine gesunde Alternative?

Als alleinige Alternative halte ich Stehtische nicht für geeignet. Denn auch dauerhaftes Stehen birgt gesundheitliche Risiken. Am besten ist ein regelmäßiger Wechsel zwischen verschiedenen Arbeitspositionen: dynamisches Sitzen, Stehen und Gehen.

Dürfen die Besucher Ihrer Lesung für die Dauer der Veranstaltung sitzen oder gibt es Lockerungsübungen?

Das überlasse ich gern jedem selbst. Gewohnheiten verändert man ja am besten, wenn man sich selbst dafür entscheidet.

 Interview: Daniel Heidmann

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