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Vogelschutz: Streit um die Wismarbucht

Görslow/Wismar Vogelschutz: Streit um die Wismarbucht

Die Surfer der Region sind mit dem Managementplan-Entwurf für das Europäische Schutzgebiet „Wismarbucht/Salzhaff“ nicht einverstanden - viele Einschränkungen würden die Sportler behindern.

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Ein beliebter Ort für Angler ist die Wohlenberger Wiek.

Quelle: Prochnow

Görslow. Fast 2 000 Kilometer Küste, 26 000 Kilometer Fließgewässer und mehr als 2 000 Binnenseen — nach Angaben des Landestourismusverbands gehört der Nordosten zu Deutschlands größten Wassersportrevieren. Die Wismarbucht biete mit ihren Flachwasserabschnitten gerade für Anfänger ideale Bedingungen. „Der Wassertourismus ist von großer Bedeutung für die touristische Entwicklung des Landes“, sagt Sprecher Tobias Woitendorf.

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Der Dresdner Ralf Heinig kommt gern zum Kitesurfen ans Salzhaff. Zukünftig drohen hier jedoch Einschränkungen.

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Nicht nur Urlauber wissen die Bucht zu schätzen. In der Region gibt es etwa 1000 Surfer, 80 von ihnen sind im Wismarer Surfverein aktiv. „Ich mag die Freiheit, die Natur und die Gemeinschaft“, sagt Vorstandmitglied Olaf Kriete. Vor 15 Jahren hat der 49-Jährige mit dem Windsurfen begonnen, vor zehn Jahren kam Kitesurfen hinzu. Doch nun fürchtet er um die Existenz seines Surfvereins.

Grund ist der Entwurf des Managementplans für das Europäische Schutzgebiet „Wismarbucht/Salzhaff“, der im Oktober vom Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt (Stalu) vorgestellt wurde. Nach Ansicht der Surfer finde die 2005 geschlossene Freiwillige Vereinbarung dort keine Berücksichtigung „Wenn der Plan so durchgesetzt wird, können wir unseren Sport nicht mehr ausüben“, sagt Kriete. So sei beispielsweise das Gebiet nördlich des Startpunktes in Groß Strömkendorf als Naturschutzgebiet vorgeschlagen worden.

„Durch die Windrichtung werden wir Surfer aber immer wieder unbeabsichtigt dorthin getrieben“, sagt Frank Weinkauf, ebenfalls vom Wismarer Surfverein und Vorsitzender vom „Runden Tisch“, einem Zusammenschluss von Surfern der Region. „Wir würden jedes Mal einen Verstoß begehen.“ Der Abschnitt nördlich des Startpunktes stand schon oft in der Diskussion. So sei die Fläche im Rahmen der Freiwilligen Vereinbarung 2005 als Sperrfläche akzeptiert worden. In der Befahrungskarte 2014 wurde den Surfern dann die nördliche Ausbreitung erlaubt.

„Diese inoffizielle Karte war eine Ausnahmeregelung und stand unter dem Vorbehalt der Ergebnisse aus dem Managementplan. Das war auch den Kitern und Surfern bekannt“, sagt Hubert Hausold, Sprecher der Projektgruppe „Wismar Bucht“. „Wir hatten gehofft, so andere hochsensible Gebiete für Wasservögel besser zu schützen. Leider ist das nicht eingetreten.“ Das Befahren dieses Gebietes würde Arten, wie etwa der Zwergseeschwalbe, schaden.

Das allerdings können die Surfer nicht nachvollziehen. „Auch uns ist der Vogelschutz wichtig“, sagt Weinkauf. „Das Kitesurfen verursacht weder Lärm noch Abgase. Selbst wenn wir uns den Tieren einmal nähern sollten, führt ein kurzes Aufschrecken nicht zum Artensterben.“

Nach Angaben der Projektgruppe habe es den Kompromissvorschlag gegeben, die Einstiegsstelle um 300 Meter nach Süden zu verlegen. „Zumal diesen Einstieg schon einige Wassersportler nutzen“, sagt Hausold. „Dann könnte gestartet werden, ohne europäische Vogelschutzbelange zu tangieren.“

Nicht nur im Surfrevier bei Wismar herrscht Uneinigkeit. „Um unseren Sport ausüben zu können, brauchen wir drei Prozent der etwa 25 000 Hektar großen Fläche, die wir das gesamte Jahr über nutzen dürfen, ohne Schutzflächen an den Startpunkten“, fordert Kriete.

Laut Planungsgruppe stünden den Wassersportlern sogar 14 Prozent, verteilt auf acht Gebiete, im Sommerhalbjahr (April bis Oktober), zu. Im Winterhalbjahr (November bis März) seien es noch drei Gebiete. All diese Bereiche würden bereits gut angenommen werden. „Das ist ein Witz“, sagt Weinkauf. „Viele der zugewiesenen Gebiete können wir nicht nutzen, da die Einstiegsstellen zu tief oder schwer erreichbar sind, die Windrichtung für unsere Bedürfnisse nicht passt oder oft auch die Strandsatzungen das Surfen verbieten.“

Auch die zeitliche Beschränkung auf den Sommer in vielen Gebieten sei ein Problem. „Im Herbst sind die Bedingungen optimal. In der Wohlenberger Wiek darf aber nur im Sommer gesurft werden.“ Im November sind der Wismarer Surfverein und der „Runde Tisch“ aus der Freiwilligen Vereinbarung ausgetreten. „Till Backhaus geht es nicht um den Naturschutz, sondern um die Fördergelder“, wirft Kriete dem Landwirtschaftsminister vor. „Fast 50 Prozent der Fläche von MV ist Schutzgebiet. Das ist nicht in Einklang mit den Nutzern zu vereinbaren.“ Die Surfer hoffen, dass andere Wassersportler es ihnen gleichtun. Der ausgearbeitete Managementplan mit Vorschlägen zur Erhaltung und Entwicklung des FFH-Gebiets liegt derzeit dem Ministerium vor. Laut Hausold soll es im kommenden Jahr ein erneutes Treffen der Beteiligten geben.

Die Managementplanung
In der Wismarbucht leben zahlreiche Küstenvogelarten, wie der Austernfischer, die Sturmmöwe und die Küstenseeschwalbe. Hinzu kommen Rastvogelarten, die sich auf dem Weg zwischen den Brutplätzen und dem Winterquartier in der Bucht aufhalten.
Um dem Arten-Rückgang entgegenzuwirken, gibt es Vogelschutzrichtlinien. Zusammen mit der Fauna-Flora-Habitat-Richlinie zur Erhaltung der Pflanzen, der wildlebenden Tiere und der natürlichen Lebensräume, bildet sie das europäische Netzwerk Natura 2000.
„Das Land ist der EU rechenschaftspflichtig über den Erhaltungszustand der Zielarten von Wasservögeln und deren Lebensräumen“, sagt Hubert Hausold von der Projektgruppe Wismarbucht. Diese Erhaltungs- und Entwicklungsziele sowie die Planung von erforderlichen Maßnahmen für FFH-Gebiete werden in Managementplänen festgelegt, die aus den Mitteln des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (Eler) und mit Mitteln aus dem Haushalt des Ministeriums für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz MV finanziert werden.
„Die Erstellung des Managementplans muss im Konsens mit den Nutzern geschehen“, sagt Olaf Kriete vom Wismarer Surfverein. Die 2005 geschlossene freiwillige Vereinbarung zwischen dem Umweltministerium und den Wassersportlern der Wismarbucht wurde nach Angaben der Planungsgruppe daher in die Erstellung des Managementplans einbezogen.
In dieser Freiwilligen Vereinbarung werden Regeln für die Nutzung der jeweiligen Sportarten festgelegt. In zusätzlichen Befahrungsplänen für die Sommer- und Wintermonate beziehungsweise Angelplänen sind Gebiete sowie zu meidende Flächen verzeichnet.
Die Planung für das europäische Schutzgebiet „Wismarbucht/Salzhaff“ begann 2013 und wurde in diesem Jahr abgeschlossen.
Auch Angler befürchten Einschränkungen
In einer Stellungsnahme an das Stalu hat sich Axel Pipping, Geschäftsführer des Landesanglerverbands MV, ebenfalls zum Entwurf des Managementplans für das Europäische Vogelschutzgebiet geäußert.
„Die geplante Angelregelung vom 16. September bis 30. April ist so umfangreich, dass viele unserer angestammten Angelreviere während der eigentlichen Hauptsaison nicht mehr genutzt werden können“, heißt es. Auch das anscheinend geplante Verbot für das Driftangeln auf einigen tausend Hektar stößt auf Unverständnis. „Mit dieser Art des Angelns werden alle Fischarten, außer dem Aal, erfolgreich gefischt. Es wird langsam, mit dem Wind treibend, ausgeübt und ist absolut naturverträglich.“
In der Vergangenheit sei beobachtet worden, dass Vogelansammlungen seitlich schwimmend ausweichen und sich danach wieder zusammenschließen. „Dies ist nicht als nachhaltige Störung anzusehen“, so die Stellungnahme.
Die Anglerverbände kritisieren zudem das drohende Verbot von Ufer- und Watangeln. Das Watangeln auf Meerforellen im Winter sei überaus beliebt. „Für die Tourismusbranche ist diese saisonverlängerte Attraktion unverzichtbar“, sagt Axel Pipping.
Nachdem bereits Surfer aus der Freiwilligen Vereinbarung ausgetreten sind, denken auch die Angler darüber nach. „Wenn diese einschneidenden Angelregelungen in die Freiwillige Vereinbarung übernommen werden, müssen die Verbände austreten.“ Das sei bedauerlich, da der Anglerverband zu den Gründungsmitgliedern gehöre und durch langjähriges Engagement zum Schutz in der Wismarer Bucht beigetragen habe. ka

Katharina Ahlers

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