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Nordwestmecklenburg Vom „Anstreicher“ zum studierten Kunstmaler
Lokales Nordwestmecklenburg Vom „Anstreicher“ zum studierten Kunstmaler
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20:10 26.07.2018
Joachim Hukal vor seinem geliebten Haus – und mit einer Mischpalette in der Hand. Schon als Kind interessierte er sich für Kunst. Quelle: Foto: Franke
Everstorf

Er feiert wie er ist: ruhig. Künstler Joachim Hukal aus Everstorf wird heute 85 Jahre alt. Das Jubiläum begeht er im Kreise seiner Familie – seine Kinder und Enkel, seine Frau Angelika Hukal und ihre Kinder sowie Enkel – und seiner Künstlerfreunde. „In einer Gaststätte“, sagt er freudestrahlend. Denn wer den Bärtigen – den Vollbart trägt der gebürtige Leipziger seit 1986 – kennt, der weiß, dass er ein bescheidener Mensch ist. Aber diesen Luxus gönnt er sich heute mal.

Auf einmal steht sie da, die 85, Joachim Hukal. Auf ein ereignisreiches Leben blickt er zurück. Zwei große Bombenangriffe erlebte er in Leipzig, sah seine Straße, seine Heimat in Trümmern liegen. Den Bombenangriff auf Dresden sah er aus der Ferne. „Das ist nie ganz weg aus dem Gedächtnis“, sagt er nachdenklich. Mit elf Jahren ist er von seiner Mutter getrennt worden und für vier Jahre mit der sogenannten Kinderverschickung zu einer Bauernfamilie in der Nähe von Grimma gekommen. Nur 30 Kilometer von seiner Mutter entfernt, hat er sie maximal einmal im halben Jahr gesehen. Während seine Mutter ihn kaum ernähren konnte, habe er bei der Familie gegessen wie die Fürsten, wie er sagt. Aus Angst, das könne morgen vorbei sein, habe er sich einmal nachts an der geräucherten Wurst bedient.

Auch seine Konfirmation feierte er dort, „mit großen Bergen von Kuchen“. Es ging ihm gut dort, sagt er dankbar.

Beruflich wollte Jochachim Hukal eigentlich den Weg des Jägers und Försters einschlagen. „Mein Großvater war Malermeister, mein Vater war Maler, also musste ich den Beruf auch erlernen“, erinnert er sich. Er beendete die Lehre auch, entdeckte dann seine künstlerische Ader in einem kommunalen Unternehmen, in dem er dann tätig war. Dekorative Malerei beherrschte seinen Arbeitsalltag. Er fand so viel Gefallen daran, dass er sich nach zwei Jahren entschloss, ein Studium zu absolvieren – Bühnenmalerei. Das sollte nicht sein letztes gewesen sein. Mit knapp 30 Jahren drückte er noch einmal die Schulbank und studierte Malerei. Eine seiner Arbeiten, die er im Rahmen eines Förderauftrags fertigte, steht noch heute in einem Ort bei Meißen: In einen Steinblock hat er ein Relief reingeschlagen, das das zerstörte Dresden nach dem Zweiten Weltkrieg und Frieden als Thema beinhalten. Direkt nach dem Studium zog es Joachim Hukal mit seiner damaligen Frau in den Norden, eine Wohnung fanden sie in Wotenitz. Bald darauf kaufte er sich ein Bauernhaus in Everstorf. „Damals war es meine Arbeitshöhle“, erzählt er. Heute ist es sein Zuhause, in dem er mit Künstlerin Angelika Hukal (68) lebt, die er als Leiter eines Keramik- und Malzirkels in Wismar kennenlernte. Beide heirateten 1990 in Dänemark, bauten das Haus in Everstorf aus und starteten mit einer eigenen Galerie durch. Die ist noch heute geöffnet und Joachim Hukal greift auch heute noch zum Pinsel – wenn auch seltener als sonst – , malt vorrangig Landschaften und Menschen. Vom „Anstreicher“ zum studierten „Kunstmaler“, bezeichnete einst ein Freund Hukals dessen Werdegang. Aber ein bescheidener eben.

Jana Franke

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