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Vom Ende der jüdischen Kaufleute in Wismar

Wismar Vom Ende der jüdischen Kaufleute in Wismar

Geschichtsforscher Falk Bersch blickt am 9. November im Stadtarchiv auf die 1930er Jahre zurück.

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Nach der Reichspogromnacht in Wismar: „Polizeilich geschlossen“, eingeschlagene Scheiben und ein verwüstetes Geschäft in der ABC-Straße 14.

Quelle: Foto: Privat

Wismar. Acht jüdische Kaufleute gab es Anfang der 1930er Jahre in Wismar. Das haben die bisherigen Forschungen von Falk Bersch ergeben. Am kommenden Donnerstag wird er im Archiv der Hansestadt über die wirtschaftliche Ausschaltung dieser Kaufleute berichten.

Seit zehn Jahren forscht er für die Arbeitsgruppe Stolpersteine zu den Opfern des Nationalsozialismus in Wismar. Mithilfe des Archivvereins konnte Bersch nun in den großen Archiven des Landes auf Spurensuche gehen und Zeitzeugen befragen. „Je mehr man bohrt, umso mehr findet man. Und trotzdem ist es nur ein kleiner Teil dessen, was die Juden hier in Wismar erleben mussten“, sagt der passionierte Geschichtsforscher.

Die jüdischen Geschäfte, zum Teil in bester Lage, waren angesehen in der Bevölkerung und hatten gute Umsätze. Hinter dem Rathaus 17 war das Kaufhaus Karseboom, das „Haus für Geschenke“ der Familie Löwenthal war Hinter dem Rathaus 27, das Lindor-Geschäft für Damenwäsche im Haus Hinter dem Rathaus 12. In der Krämerstraße 3 befand sich das Schuhgeschäft von Herrmann Frisch, in der Bohrstraße 1 das „Herren- und Knabengarderobengeschäft“ von Isidor Cohn, in der ABC-Straße 14 das Konfektions- und Schuhwarengeschäft von Max Blass. Fischel Rosenberg hatte ein Konfektions- und Schuhwarengeschäft in der ABC-Straße 26, das Schuhhaus Lewinski war in der Dankwartstraße 14. An Familie Blass erinnert ein Stolperstein, ein solcher befindet sich auch vor dem Haus der Familie Lewinski. Arthur Lewinski, Isidor Cohn und Frieda Karseboom starben im KZ Theresienstadt, mindestens ein Mitglied der Familie Rosenberg in Auschwitz. Familie Blass gelang die Flucht in die USA.

„Den jüdischen Kaufleuten wurde jegliche Existenzgrundlage entzogen“, erzählt Falk Bersch. Am 1. April 1933 rief die NSDAP zum Boykott jüdischer Läden auf. „Leute der SA und der NSDAP standen vor den Geschäften in Wismar und haben die Menschen davon abgehalten, reinzugehen und einzukaufen.“ Trotz der Bedrohung blieben viele Einwohner ihren Händlern treu, es gab Sympathiekäufe und weiterhin gute Umsätze. Vorerst.

Nach dieser ersten Aktion kehrte eine gewisse Ruhe ein. „Das war wohl ausschlaggebend, wieso die Betroffenen in der Stadt geblieben sind“, mutmaßt Bersch. 1935 errichtete die NSDAP einen Kaak, einen Pranger auf dem Markt. Menschen, die in jüdischen Geschäften einkauften, sollten so öffentlich verurteilt werden. Bersch hat die antisemitische Hetze zu der Zeit im „Niederdeutschen Beobachter“

nachgelesen. „Zeitweise liest man nichts zum Thema, dann wieder unglaublich viel. Das ist gesteuert worden. Viele haben zu der Zeit ihre Geschäfte aufgegeben, die Geschäfte sind ,arisiert’ worden.“

Zur Reichspogromnacht am 9. November 1938 wurden auch in Wismar jüdische Läden zerstört. „Das ganze Geschäft von Löwenthal wurde verwüstet und geplündert, der Schaden soll 40000 Reichsmark betragen haben“, nennt Bersch ein Beispiel. Von den Zerstörungen am Schuhhaus Bless ist ein Foto überliefert. Falk Bersch: „Wer konnte, ist geflüchtet. Die, die das nicht geschafft haben, sind allesamt in den Konzentrationslagern umgekommen.“ Das Ende der jüdischen Kaufleute in Wismar.

Vortrag: 9. November, 19 Uhr, Stadtarchiv (Besuchereingang Gerberstraße)

N. H.

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