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Vom Schulverweis bis zur Haft: In den Fängen der „Stasi“

Grevesmühlen Vom Schulverweis bis zur Haft: In den Fängen der „Stasi“

Dr. Michael Heinz referierte über verschiedene Schicksale in der DDR/ Unter den Gästen waren auch Opfer der Staatssicherheit / Eine Ausstellung läuft bis zum 14. Oktober.

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Bis zum 14. Oktober können Interessierte im Museums- und Vereinshaus in Grevesmühlen die Ausstellung zur „Stasi“ sehen.

Grevesmühlen. Vergessen wird Siegfried Jahnke den 30. Juni 1952 wohl nie. Dieser Tag veränderte das Leben des heute 85-Jährigen von einem Moment auf den anderen. Auf einem Feld in Tankenhagen bei Dassow wurde er von zwei Männern in Zivil mitgenommen. Sie duldeten keinen Widerspruch und brachten ihn mit zum Verhör nach Grevesmühlen. Wenig später wurde der damals 21-Jährige zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt. Vorgeworfen wurden ihm und zwölf Mitschülern der Oberschule Grevesmühlen, die Jahnke von 1941 bis 1947 besuchte, reaktionäre Tätigkeit.

LN-Bild

Dr. Michael Heinz referierte über verschiedene Schicksale in der DDR/ Unter den Gästen waren auch Opfer der Staatssicherheit / Eine Ausstellung läuft bis zum 14. Oktober.

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BStU-Hauptsitz in Berlin

Die Behörde des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR (BStU) – im Volksmund auch Gauck-Behörde genannt – verwaltet und erforscht die Akten und Dokumente des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der DDR. Sie hat ihren Hauptsitz in der Bundeshauptstadt Berlin.

Mit sieben Häftlingen musste sich Jahnke eine gerade einmal sechs Quadratmeter große Zelle teilen. Nur alle drei Monate durfte er Besuch empfangen, war ansonsten völlig von der Außenwelt abgeschnitten. „Das war das Schlimmste“, blickt Jahnke zurück, der nach vier Jahren Haft entlassen wurde, in den Westen ging und heute im Kreis Ploen lebt.

„Wichtig ist vor allem, dass die Jugend von alledem erfährt“, meint der Rentner, der 2011 das Buch „Hinter der weißen Wand“ über seine Erlebnisse schrieb und der am Donnerstagabend auch zum Vortrag von Dr. Michael Heinz „Hoffnungsträger oder Staatsfeind?“ erschien. Der Sachgebietsleiter für Forschungs- und Medienanträge der Außenstelle Rostock des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR (BStU) rückte im Museums- und Vereinshaus in Grevesmühlen dabei die Jugend in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Sie hatte die Stasi besonders im Visier. Nicht immer hielt sich die Jugend nach Darstellung von Heinz an staatliche Normen. Sie sollte aber in die richtigen politischen Bahnen gelenkt werden. Und das sehr rigoros, die Strafen reichten vom Schulrausschmiss bis hin zur Haft. Heinz unterlegte das in seinem Vortrag mit mehreren Beispielen. So gerieten unter anderem fünf Jugendliche im Mai 1951 in die Fänge der Stasi. Ihnen wurden Kontakte zu einem britischen Agenten nachgesagt, der von Lübeck aus agierte. Haftstrafen von bis zu zehn Jahren bekamen die jungen Leute, drei von ihnen überlebten die Zeit in den Zuchthäusern nicht.

Ein paar aus Übermut geschriebene Zeilen an den Kapitän, er möge doch Richtung Bornholm fahren, wurden wenige Tage nach dem Mauerbau im August 1961 einer kirchlichen Jugendgruppe aus Berlin bei einem Ausflug auf der Ostsee zum Verhängnis. Der Kapitän legte das als Meutern aus. Nach einem Schauprozess wurden zwei Rädelsführer zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt.

Die Stasi schreckte vor nichts zurück, um andere Menschen auszuspionieren. Dafür warb sie nach Aussage von Heinz sogar Schüler als IM (inoffizielle Mitarbeiter) an. Als Beispiel aus dem ehemaligen Kreis Grevesmühlen nannte er eine 15-jährige Schülerin, zu der die Stasi 1972 in Hof Wahrsow Kontakt aufnahm. Hier war durchgesickert, dass Neunt- und Zehntklässler eine Flucht in den Westen planten.

Siegfried Jahnke bewertete den Vortrag als „sehr interessant“. Er bedauerte allerdings das geringe Interesse. Denn nur 23 Besucher waren zu dem Vortrag erschienen. Und was Jahnke besonders vermisste, das waren die Jugendlichen von heute.

Noch mehr Informationen über Grevesmühlen hätte sich Heiner Drews gewünscht. Darüber gebe es in seinen Augen sicher noch weitaus mehr zu berichten, wie er fand. Dabei spricht er aus Erfahrung. Auch der heute 61-Jährige Grevesmühlener war ein Opfer der Staatssicherheit. Verweigert wurde ihm 1973 nicht nur eine Teilnahme an den Weltjugendfestspielen in Berlin. Lange Haare und eine etwas andere Gesinnung reichten aus, um ihn für ein Jahr in ein Gefängnis in Thüringen zu stecken.

Drei Anträge auf Akteneinsicht hat Drews in den zurückliegenden Jahren bei der BStU gestellt. Eine erste Einsicht in die Akten ergab nur sechs Seiten. Dabei ist sicher viel mehr über ihn angelegt worden, wie er meint.

Mitarbeiter der Außenstelle Rostock des BStU beantworteten am Donnerstag bei einem Beratungstag auch Fragen rund um die Einsicht der Stasi-Akten. 30 Bürgerinnen und Bürger nahmen diese Möglichkeit wahr.

Weitere Informationen rund um die Stasi, wie sie agierte und welche Mittel sie einsetzte, liefert eine Ausstellung im Museum, die am Donnerstag ebenfalls eröffnet wurde. Besichtigt werden kann sie noch bis zum 14. Oktober.

 Dirk Hoffmann

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