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Nordwestmecklenburg Vom Zeugenstand direkt ins Gefängnis
Lokales Nordwestmecklenburg Vom Zeugenstand direkt ins Gefängnis
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22:15 07.11.2013
Grevesmühlen

Manchmal schreiben die Ereignisse rund um Gerichtsprozesse die kuriosesten Geschichten. Eigentlich sollte am Mittwoch im Grevesmühlener Amtsgericht ein Streit zwischen zwei ehemaligen Geschäftspartnern behandelt werden. Es ging um einen Kaminofen und einen Rasenmähertrecker. Allein die Liste der geladenen Zeugen war beträchtlich. Sieben derer sollten Aussagen. Dem Grevesmühlener Rechtsanwalt Thorsten Renzow, der den Angeklagten Frank K. verteidigte, waren das wohl nicht genug. Kurzerhand lud er auf eigene Faust einen weiteren Zeugen vor. Sistiert heißt das im Rechtsdeutsch. Mehr als erstaunt musste Richter Hinrich Dimpker an seinem Platz im Saal drei des Amtsgerichtes jedoch feststellen, dass Robert K., so der Name des Zeugen, bereits am Empfang des Gerichtes in Haft genommen wurde. Aussagen durfte er trotzdem, dann ging es für ihn ins Gefängnis.

„Da kann man nichts machen“, sagte der 27-jährige Elmenhorster, als er in Begleitung zweier Polizisten in den Zeugenstand trat. Laut Mitteilung der Staatsanwaltschaft hatte Robert K. Ende Februar eine Geldstrafe von 40 Tagessätzen à 25 Euro aufgebrummt bekommen. Er war wegen Fahrens ohne Führerschein und unerlaubten Entfernens vom Unfallort verurteilt worden. Trotz angebotener Ratenzahlung, trotz Angebots, die Summe abzuarbeiten, zahlte er keinen Cent. Daraufhin erließ die Staatsanwaltschaft Haftbefehl. Der juristische Zufall sorgte nun dafür, dass er erwischt wurde. Pro Tagessatz muss er nun einen Tag im Gefängnis absitzen, insgesamt also 40 Tage.

Ein Preis, den er zahlen muss, weil er im Februar offenbar ein Gespräch zwischen dem eigentlich am Mittwoch Angeklagten und dessen Tauschgeschäftspartner angehört hatte. Bei diesem Gespräch soll es um den Handel gegangen sein, den der 49-jährige Angeklagte Frank K. und René G. Anfang des Jahres eingegangen sein sollen. G. habe K. einen Kaminofen überlassen. G. wollte dafür zunächst Bares sehen. Da der arbeitslose K. jedoch nicht zahlen konnte, einigten sich die beiden auf ein Tauschgeschäft. G. sollte dafür im Gegenzug Autoteile und einen defekten Rasenmähertrecker bekommen. Da der Ofen selbst nicht mehr brauchbar gewesen sei, habe K. den Rasenmäher behalten. Der Vorwurf vor dem Strafgericht lautete deshalb vorsätzliche Unterschlagung.

Einen schriftlichen Vertrag zwischen beiden gibt es wohl nicht. Überhaupt war auf dem Hof des Angeklagten offenbar kaum irgendetwas verbindlich. Dort wurde in einer Halle an Autos von Freunden geschraubt. Zu dritt teilten sich K., G. und ein weiterer Mann die Halle des Angeklagten. Eine feste Arbeit hat jedoch weder K. noch G, Miete oder Pacht sei nur unregelmäßig gezahlt worden. Begehrt war, was beim Internetverkauf zu Geld zu machen war. Mit Schrotthandel besserten sich die drei ihre Finanzen auf.

Ein Gespräch über den Handel mit Schrott wurde auch René G., der die Anzeige gegen K. gestellt hatte, zum Verhängnis. Er und K. seien quitt, soll G. gesagt haben. G. meinte damit die Aufteilung der rund 300 Euro aus dem Verkauf von Schrott, K. habe diese Aussage laut eigenem Dafürhalten jedoch allumfassend verstanden und somit auch auf den Rasenmähertausch bezogen. „Ein Fall, bei dem sich Juristen die Nägel hochrollen“, sagte Richter Dimpker ob der Frage, wie der Vertrag zwischen René G. und Frank K. strafrechtlich zu behandeln sei.

Das Zünglein an der Waage war schließlich Robert K., der eben genau dieses Gespräch zwischen den Streithähnen mitbekommen hatte und damit bestätigte, was am Ende zum Freispruch für Frank K. führte:

Dem war eine vorsätzliche Unterschlagung nicht nachzuweisen. Robert K. hatte davon freilich nicht wirklich viel.

Robert Niemeyer

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