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Nordwestmecklenburg Von Auf- und Abstiegen im Fußball
Lokales Nordwestmecklenburg Von Auf- und Abstiegen im Fußball
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21:31 30.04.2018
Grevesmühlen

Als Geburtsstunde des Fußballsports in Grevesmühlen gilt die Gründung des Grevesmühlener Fußballvereins von 1908 – GFV 08. Mit diesem Ereignis wurde auch der erste Fußballplatz auf der alten Weide am Tannenberg angelegt, der aber erst 1910 eingeweiht wurde. Dort fanden bis 1952 Fußballspiele statt, zuletzt in der damaligen Landesklasse Mecklenburg.

Anlässlich des 20. Gründungstages des GFC gab es gestern eine Festveranstaltung / Eckart Redersborg blickt auf Grevesmühlens Fußballgeschichte zurück.

Der GFV 08 war bis 1933 ein bürgerlicher Fußballverein. Neben diesem gab es ab 1920 eine Mannschaft des Arbeiter-Turn-Vereins (ATV) Grevesmühlen. Es ist nicht überliefert, ob beide Mannschaften je gegeneinander spielten. Mit der Auflösung des ATV im Jahr 1933 wechselten einige Spieler zum GFV 08 und trugen zur Verstärkung der 1. Männermannschaft bei. Zu den herausragenden Spielern zählte Torwart Bruno Köppen, der sogar in die Auswahl des Landes Mecklenburg berufen wurde.

Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges reduzierte sich der Fußballsport in Grevesmühlen in erster Linie auf den Jugendbereich. Völlig neue Bedingungen entwickelten sich nach Kriegsende. Die Einwohnerzahl Grevesmühlens verdoppelte sich. Kinder und Jugendliche suchten und fanden eine sportliche Betätigung. Aus der antifaschistischen Sportbewegung heraus bildete sich 1946 die Sportgemeinschaft (SG) Grevesmühlen, deren 1. Männermannschaft zunächst in der Landesklasse West, dann in der Bezirksklasse und 1950 in der höchsten Spielklasse, der Landesklasse Mecklenburg, spielte. Zu herausragenden Spielerpersönlichkeiten gehörten unter anderem die Brüder Günther und Heinz Thrun, Willi Bendul, Rudi Fenner, Alfred Reichel, Hans-Joachim „Mucki“ Siat und Ernst-Günter „Jonny“ Wilken.

Aus der SG Grevesmühlen entstand im November 1951 die BSG „Empor“ Grevesmühlen. Unter sehr komplizierten Bedingungen war ein neues Stadion auf dem Tannenberg entstanden, das am 1. Mai 1952 als „Volksstadion“ eingeweiht wurde. Nach der Bildung der Bezirke im Juli 1952 spielte die 1. Männermannschaft der BSG „Empor“ Grevesmühlen in der Bezirksklasse Rostock, nach dem Spieljahr 1954/55 stieg sie als Meister in die Bezirksliga Rostock auf. 1957 wechselte der Fußballsport zur BSG „Einheit“ Grevesmühlen, die im selben Jahr entstand.

Mit der Gründung des Deutschen Turn- und Sportbundes der DDR (DTSB) am 28. April 1957 und des Deutschen Fußballverbandes der DDR (DFV) am 17./18. Mai 1958 entstanden neue Strukturen. Einige talentierte Spieler wanderten zum 1954 gegründeten Sportklub Empor Rostock beziehungsweise dem daraus hervorgegangenen FC Hansa Rostock (1965) ab. Dennoch: Die 1. Männermannschaft belegte in der Bezirksliga vordere Tabellenplätze, wurde 1969/70 Vizemeister und schaffte ein Jahr später den Aufstieg in die DDR-Liga, Staffel A, der zweithöchsten Spielklasse der DDR. Am Ende des Spieljahres 1971/72 stieg sie wieder ab, schaffte den Sprung aber erneut im 1974/75 – zwei Spielzeiten lang bis zur Saison 1976/77. Das waren die Glanzzeiten des Grevesmühlener Fußballsports jener Jahre.

Erfolgreich war die BSG Einheit auch im Kinder- und Jugendbereich. So gab es 1976/77 acht Junioren-, Schüler- oder Knabenmannschaften.

Seit 1952 könnten viele Fußballer genannt werden, die die BSG „Einheit“ Grevesmühlen verließen und zum Beispiel nach Rostock wechselten: Hans „Bosso“ Levknecht, Peter „Musche“ Sprunk, Manfred Schröbler, Herbert Pankau, der sich zu einem der erfolgreichsten Fußballspieler der DDR entwickelte, Manfred Pfennig oder später Timo Lange. Peter Niebuhr zog es nach Neubrandenburg, Helmut Danilowski nach Dresden. Zur DDR-Liga-Mannschaft mit ihrem Trainer Heinz Thrun gehörten u. a. Edgar Johannson, Klaus-Peter Krüger, Werner Pankau, Wilfried Scharnweber, Hans-Joachim Schönfeldt, Bernd-Dieter Völker, Klaus Welzer und Karl-Heinz Wojahn.

Kurz vor der Wende gab es mit den BSG „Traktor“, ZBO „Vorwärts“, dem HO-Kreisbetrieb, „Dynamo“ und „Lokomotive“ weitere Grevesmühlener Sportvereine mit der Sektion Fußball. 1990 erfolgte der Neubeginn des Fußballsports in Grevesmühlen. Aus BSG „Einheit“ wurde der SV Blau-Weiß, aus dem sich 1998 die Sektion Fußball als Grevesmühlener FC bildete, der 2008 mit zahlreichen Aktivitäten das 100. Jubiläum des Grevesmühlener Fußballsports beging. Dazu gehörte unter anderem das Aufstellen eines Gedenksteins mit der Aufschrift „100 Jahre Fußball“ am Eingang zum Stadion.

Die Sektionen Fußball der früheren BSG „Traktor“ und ZBO „Vorwärts“ gründeten den SV 77 Grevesmühlen, aus der Sektion Fußball des früheren HO-Kreisbetriebes entstand der SV Fortuna’82, der seit 1996 zum „Krähen-Cup“ einlädt. Zu Neugründungen kam es 2016 durch den neuen Verein mit dem alten Namen „Einheit“, mit dem 1. FSV Grevesmühlen entstand erstmals ein Verein, der sich dem Frauenfußball widmet. Zu den erfolgreichsten Spielern in den vergangenen 25 Jahren gehören Mario Jurkschat (unter anderem Mitglied der U17-Nationalmannschaft) und Noreen Sethi.

Der Grevesmühlener FC spielte im Männerbereich zwischen 2003 und 2015 mit unterschiedlichem Erfolg in der Landesliga West. Dann begann der Abstieg bis in die Kreisliga. Dagegen gehört der GFC zu den wenigen Sportvereinen Nordwestmecklenburgs, die in allen Altersklassen des Nachwuchsbereiches vertreten sind. Gegenwärtig bildet die A-Juniorenmannschaft ein absolutes Aushängeschild, das für die Zukunft hoffen lässt.

Eckart Redersborg

Ortschronist Eckart Redersborg bringt zum Stadtfest am 10. Juni das Buch „ . . .und weiter rollt der Ball, 110 Jahre Fußball in Grevesmühlen 1908-2018“ heraus. Bereits 2003 gab es von ihm ein Buch zur Geschichte des Fußballs in der Stadt. In Wort und Bild erscheinen auf 208 Seiten der GFC, Fortuna’82, der SV 77, Einheit Grevesmühlen, die Abteilung Fußball von Blau-Weiß und der Frauenfußballverein. Das Buch kostet voraussichtlich 15 Euro.

 Eckart Redersborg

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