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Nordwestmecklenburg Von Kollegen auf vier Pfoten
Lokales Nordwestmecklenburg Von Kollegen auf vier Pfoten
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00:00 14.10.2012
Sie will doch nur spielen: „Bonny“ zwingt „Diebin“ Anke Damm zum Aufgeben.
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Nordwestmecklenburg

Grevesmühlen/Upahl – Auf dem Fußboden liegt eine beige Wollmütze. Sie gehört der vermissten Layla. Schäferhund „Ossi“ schnüffelt und nimmt im Upahler Gewerbegebiet sofort die Fährte auf. Zielstrebig läuft er den Weg entlang, biegt ab, läuft auf die Straße und dann doch wieder zurück auf den Weg. Plötzlich reißt er an der Leine. Hundeführerin Anke Damm kommt kaum hinterher. „Ossi“ wird immer schneller, läuft die Böschung hinunter zu dem großen Baum, hinter dem sich Layla versteckt hält – von der 37-jährigen Polizistin unbemerkt, von ihrem Kollegen auf vier Pfoten nicht.„Ich hatte wirklich Angst, dass er mich beißt“, meint Layla Labadeh, die gerade bei der Polizei ein Praktikum absolviert. Sie gibt dem schwarzen Vierbeiner seine Belohnung in Form von Futter und streichelt ihm über den Kopf. Es war doch nur ein Spiel, aber der Realität so nah. Der Job von „Ossi“ ist es, die Fährte von vermissten oder fliehenden Personen aufzunehmen. Und: Beißen verboten, sofern ihm Frauchen Anke Damm kein anderes Zeichen gibt.Die Sonne scheint. Es ist kalt und ein wenig windig. Ideale Bedingungen für Spürhunde, die noch Stunden später die Fährte aufnehmen können. „Der Mensch verliert kleine Hautschuppen“, erklärt Hundeführer Walter Strohschein. Für das bloße Menschenauge nicht sichtbar, erschnüffelt der Spürhund sie sehr wohl und folgt ihnen bis zum Ziel. Obwohl: „Die meisten Einsätze verlaufen leider ohne Erfolg“, weiß der 55-Jährige aus Erfahrung. Diebe zum Beispiel würden sich meist ins Auto setzen und davonbrausen. Dann verliere sich die Spur. „Deshalb sind Trainingsstunden wie heute sehr wichtig, damit die Hunde zum Erfolg kommen“, begründet er. Dann darf die Belohnung natürlich nicht fehlen. Während es bei „Ossi“ leckeres Futter ist, gibt sich der Begleiter von Walter Strohschein – „Balu“ – mit Spielzeug zufrieden. Es ist eigentlich das gleiche Prinzip wie mit Menschen: Lob und Belohnung tun gut und bauen auf!Für die Fährtenhunde „Ossi“ und „Balu“ sowie für den Rauschgiftspürhund „Bonny“ von Andreas Scheffler (46) steht heute nicht nur der fingierte Einsatz im Upahler Gewerbegebiet an. Auch auf dem Hundeplatz bei Grevesmühlen müssen sie eine ganz wichtige Sache unter Beweis stellen: Gehorsam. Auge in Auge wandern Andreas Scheffler und „Bonny“, ein holländischer Schäferhund, auf den Platz. „Das zeigt Respekt“, erklärt Walter Strohschein, der soeben seinen belgischen Schäferhund „Balu“ in die Hundebox ins Polizeiauto brachte. Die Vierbeiner sind immer nur einzeln auf dem Platz, nicht so die Hundeführer. Anke Damm stellt mit Beißarm, Schutzanzug und Schlagstock einige Meter von „Bonny“ und Herrchen Andreas Scheffler entfernt eine Bedrohung dar. Ungestüm rennt das Tier auf die stillstehende Beamtin zu. Es geht alles sehr schnell. Eigentlich muss „Bonny“ vor ihr stehen, bellen und den Befehl von Herrchen abwarten. Stattdessen macht sie sich sofort am gut gepolsterten Arm zu schaffen. Ein kräftiger Ruck von Andreas Scheffler an der Leine seiner „Bonny“ bringt sie wieder zur Räson. Und nun das Ganze noch einmal von vorne. „Dafür sind die Trainingseinheiten da“, so Walter Strohschein, der sich das Geschehen vom Zaun aus anschaut. Außerdem sei die dreijährige „Bonny“ noch frisch im Geschäft, heißt es. Sein siebenjähriger „Balu“ dagegen ist schon ein „alter Hase“. Einmal kam er einem Unfallfahrer auf die Schliche. „Im Fahrzeug lag noch eine Jacke des Fahrers“, erinnert sich Walter Strohschein. Die habe er seinem tierischen Kollegen unter die Nase gehalten, und der wetzte los. Sechs Kilometer weiter konnte der Täter gestellt werden.Zurück zum Hundeplatz: Schnellen Schrittes nähert sich „Bonny“ erneut der menschlichen Bedrohung alias Anke Damm, bleibt stehen, bellt lautstark. Dann endlich kommt für sie der erlösende Befehl des Herrchens. Sie macht sich über den Ärmel her, reißt ihn ab und läuft glücklich zu Herrchen. Geht doch!Nun muss auch Andreas Scheffler als Feind herhalten. Er streift sich die Schutzkluft über und erzählt, dass er sich trotz Polsterung schon manchen blauen Fleck am Arm geholt hat, wenn der Hund zubeißt. „Meine kleine Püppi verursacht aber keine blauen Flecken“, beruhigt er seine Kollegin, die verstohlen einen Blick auf ihren Arm wirft. Mit großen Augen beobachtet Layla Labadeh das Geschehen am Rande des Hundeplatzes. Nach dem Praktikum hat sie ihrer Klasse in der Regionalen Schule auf Poel bestimmt am meisten zu erzählen. „Das ist total interessant. Ich könnte mir auch vorstellen, als Hundeführerin bei der Polizei zu arbeiten“, sagt die 14-Jährige. Wer weiß, vielleicht ist sie ja später einmal diejenige, die mit einem Schnüffler auf vier Pfoten nach einem Mädchen mit beiger Wollmütze sucht. . .

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